| Bericht 135: Der Kronenzwölfer |
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Folgende Geschichte hat sich zwar im letzten Jagdjahr ereignet, aber wie ich finde, ist sie es auf alle Fälle wert, noch erzählt zu werden! Es war der 17. September. Wie häufig um diese Jahreszeit, war ich schon früh morgens in unserem schönen Revier unterwegs. Da ich im Jahr zuvor einen Trophäen-Hirsch erlegt hatte, durfte ich laut revierinterner Regelung die zwei darauffolgenden Jahre keinen T-Hirsch jagen. Also galt mein Bestreben in jenen Tagen dem Kahlwild.
Der Hirsch ruhte in den Latschen. Ich sah nur etwas von ihm, wenn er das Haupt schüttelte. Ungefähr eine Stunde später wurde er hoch, und erst jetzt sah ich, um welch gewaltigen Hirsch es sich handelte. So einen hatte ich in unserem Revier noch nie gesehen! Und jetzt mußte ich mich einstweilen mit dem Beobachten begnügen. Als er dann ein paar Schritte von mir wegzog, wurde ich sehr unruhig und konnte es kaum erwarten, daß mein Jagdfreund endlich kommen würde. Der Hirsch aber stand seelenruhig auf der gegenüberliegenden Seite und sicherte in alle Richtungen.
So verstrich eine weitere halbe
Stunde und endlich hörte ich, wie sich jemand
Unsere Freude war enorm! Ich mußte natürlich alle Einzelheiten, die ich in den letzten zwei Stunden gesehen hatte, genauestens schildern, und so saßen wir noch eine Weile da, lachten und freuten uns. Als wir dann nach der obligatorischen Stunde Wartezeit die Bergung in Angriff nahmen und schließlich vor dem erlegten Wild standen, waren wir schlicht überwältigt. Ein Kronen-Zwölfer mit dicken massigen Stangen und langen Enden! So einen Hirsch hatte man im Revier Sexten schon lange keinen mehr gesehen, geschweige denn erlegt. Für unsere Begriffe und für unser Revier ein kapitaler Hirsch! Die Bergung war alles andere als ein Honigschlecken. Sie dauerte fast den ganzen Tag. Obwohl es immer nur bergab ging, mussten wir Verstärkung anfordern. Der Hirsch wog aufgebrochen immerhin 160 kg. So konnten wir ihn das letzte Drittel des Weges mit einem Hornschlitten transportieren, den unsere Helfer mitgebracht hatten. Endlich an meiner Berghütte angelangt, warteten ein (oder mehrere) kühle Biere auf uns. Mit unseren Kräften am Ende, aber überglücklich, brachten wir den Hirsch schließlich ins Dorf und versorgten ihn in der „Endstation“ (so nennen wir unsere Kühlzelle). Dass dieser Tag, noch ziemlich lange dauerte, versteht sich wohl von selbst. So ein Jagderlebnis mit Weidmannsheil hat man halt nicht alle Tage.
Weidmannsheil und Weidmannsdank! Bericht und Fotos: Christian Schwienbacher |