Bericht 120: Auf der Hirschjagd den Schwarkitteln begegnet

von links nach rechts : Stephan Gufler , Peter Paul Gufler  und Jagdaufseher Gottfried Mair

Als Jagdmitglied im Revier Rasen/Antholz (Südtirol) begab ich mich am 29.Oktober um 6h, auf die Hirschjagd in die „Breitriese“ dort wo 2 Jagdfreunde und ich auf einer alten Föhre einen Hochsitz errichtet hatten. Gegen 6,30h röhrte ein guter Hirsch, etwa 10 Mal auf  ca. 150 Meter Entfernung und zwar dort, woher  ich gekommen war und ganz in der Nähe, wo ich das Auto abgestellt hatte. Kurz darauf stieg ich mich vom Hochsitz und wagte einen Annäherungsversuch, aber die Fortbewegung im erstarrten Schnee war so geräuschvoll, sodass mein Ansinnen erfolglos blieb.

Am folgenden Tag, den 30.Oktober, um 6h, war ich abermals mit dem Auto an derselben Stelle von wo aus ich eine Lichtung im Wald gut beobachten  konnte. Diesmal blieb ich einfach im Auto sitzen und wartete ab, bis der Hirsch vielleicht wieder meldet, um ihn aus guter Position anpirschen zu können.

Der Mond schien in die Lichtung und teils auch durch den schütteren Baumholzbestand, wo kein Schnee lag  und kaum Einsicht war.

Kurz vor 6.30 Uhr  konnte ich plötzlich  durch das Fernglas im Baumbestand eine sich bewegende Gestalt erkennen!  Sie zog langsam, suchend weiter. Ist es ein Reh oder ein Stück  Rotwild dachte ich mir, bis es allmählich in eine kleine Lichtung trat, mit Schnee im Hintergrund.

Die Spannung stieg bis  ich die Konturen der Gestalt genau erkennen konnte; es war ein  Wildschwein, welches kurz darauf wieder hinter Bäumen verschwand. Äußerst überrascht von dieser seltsamen Beobachtung, ging ein Sinnen durch den Kopf, was soll ich machen, wie soll ich vorgehen?

Noch ist keine Schusszeit. Würde ich nun  vom Auto aussteigen, hätte das Tier sofort die Flucht ergriff! Ich entschloss im Auto zu bleiben, bis der Tag anbricht.

So hörte ich um 7,15h die Nachrichten im Sender Bozen und so gegen 7,25h, stieg ich aus dem Auto, nahm die Büchse und pirschte in Richtung,  wo das Stück Schwarzwild verschwand. Eigentlich wollte ich die Fährten des Tieres im Schnee genau analysieren, da  traute ich meinen Augen nicht, als plötzlich 2 Stück Schwarzwild, ein kleines und ein größeres, ca. 80 Meter vor mir im Wald die Flucht ergriffen.

Entschlossen wie nie, bewegte ich mich zum nächsten Baum, ging in die Knie, setzte an und erwartete die Beiden hinter einer kleinen Baumgruppe. Erst das kleinere Stück, dann ein schwarzer Fleck im Glas und der Schuss brach aus meinem Steirer Mannlicher 7x64.  Für das Jagdfieber das ich mitunter habe, gab es einfach keine Zeit, nachdem vom Sichten der Tiere bis zur Schussabgabe höchstens 10 Sekunden vergangen sind.

Ich pflege nicht das Sprichwort „nit gschossen isch a gfalt“ welches des Öfteren bei der Hasenjagd Verwendung findet, aber in diesem Fall habe ich mir das selbe gedacht.

Nach der Schussabgabe bewegte ich mich unverzüglich zur Schussstelle, konnte teils starke Schalenabdrücke im Schnee feststellen, aber kein Schweiß, kein Schnitthaar, nix weiteres.

Daraufhin ging ich noch ca. 20 Meter den Spuren entlang, dann kehrte ich um, fuhr nach Hause und nahm das Frühstück ein. Ich verständigte meinen Sohn Stephan, ebenfalls Jäger im Revier ist  und verriet ihm, dass ich auf´s Wildschwein geschossen hätte. Kurz darauf fuhren wir gemeinsam los, nahmen unseren Hund mit und begaben uns wieder zur Schussstelle. Wieder konnten wir keine  Schusszeichen feststellen. Die Spuren weiter verfolgend, konnten wir nach ca. 50 Metern Schweiß im Schnee feststellen. Unser Spitz nahm die Fährte auf und schon nach weiteren 50 Metern, immer schweißend, hatte das

kranke Tier im Boden gescharrt und eine ordentliche Portion Losung hinterlassen.

So ging´s weiter ca. 500 Meter, bis wir auf einen Forstweg kamen, da stand das schwerkranke Wildschein, dem sich der Spitz näherte. Sofort nahm das Wildschein die Kampfstellung ein, beschäftigte sich nur mehr mit dem Hund und so war es für mich ein Leichtes, auf ca. 40 Meter einen weiteren Schuss abzugeben, worauf das Tier auf der Stelle zusammenbrach.

Wir warteten noch eine Zigarettenpause, um vielleicht auch noch das kleinere Stück erlegen zu können, da es das größere erlegte Stück, doch fast bis zur 2. Schussabgabe begleitet hatte. Doch wir konnten es nicht mehr ausmachen.

So näherten wir uns dem ersten im Revier Rasen erlegten  Schwarzwild und konnten  feststellen, dass es sich um einen mehrjährigen Keiler handelte.

Mit Freuden nahm ich den „Weidmannsheil“ Glückwunsch meines Sohnes Stephan entgegen,  der auch die Aufbrucharbeit leistete.

 

Sofort wurden  Revierleiter,  Jagdaufseher und einige Jagdfreunde verständigt die sich bald einfanden, um das einmalige Jagderlebnis mit und zu feiern.

 

Beim erlegten  Keiler handelt es sich um einen ca. 3-jährigen Keiler, der aufgebrochen 77 Kg auf die Waage.

 

 

 Weidmannsheil

 

 Oberrasen, am 01.Dezember 2010

 

  

                                                                                                    Bericht und Fotos:  Peter Paul Gufler, Revier Rasen

 

 

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