Bericht 119: Gänsehaut bei der Hirschbrunft
Wie fast jeden Tag seit dem 20. September brach ich auch am 01.10.2010 mit meinem Onkel Josef zur Hirschbrunft in unserem Revier auf...
Wir hatten beide einen Trophäenhirsch zum Abschuss frei und und in den vergangenen Tagen mehrere Hirsche röhren gehört, es jedoch nicht geschafft sie anzupirschn...
Am besagten 1. Oktober legten wir uns ca. 500mt voneinander entfernt auf die Lauer und hatten vorher abgemacht, dass ich den Hirsch talauswärts und er in taleinwärts angeht, je nach dem wo er zu röhren beginnt...
Das Glück war auf meiner Seite und bereits nach kurzem Ansitzen begann ein Hirsch talauswärts zu röhren. Ich wusste, dass mein Onkel wie abgemacht sitzen bleibt, auch wenn es ihn schrecklich juckt :) Bereits um 06.15 Uhr baumte ich ab und pirschte den Hirsch an...
Je näher ich kahm, desto jünger erschien mir die Stimme und mein anfänglicher Enthusiasmus schwand ein wenig!
Die Luft ging bergab und der Hirsch röhrte unter mir, deshalb musste ich eine Runde machen und versuchen von der Seite zu ihm zu gelange.
Das Licht wurde immer besser und ich hoffte, dass er nicht wie in den vergangenen Tagen das röhrn plötzlich einstellt und ich keine Ahnung mehr hatte wo er stand...
...doch er röhrte weiter und zeigte mir so genau seine Position...
Ich verschwendete gar nicht so viele Gedanken an umstehendes Kahlwild, da ich überzeugt war, dass es sich laut Stimme um einen Beihirsch handelt.
Ich musste ein kleines Tal, nur ein paar Schritte tief überqueren und wusste, dass er nicht mehr allzuweit sein konnte... Als ich über die Kante blickte sah ich kurz etwas rotes auf etwa 50 mt, konnte jedoch nicht ansprechen, was es war...
Nun stieg plötzlich doch etwas Nervösität in mir auf und ich fühlte wie mein Herz mir im Halse schlug...
Der Hirsch röhrte auf und zog von mir weck!
Ich hatte mich hinter einem Baum versteck und das Gewehr im Anschlag, stand jedoch mitten in relativ dichtem Fichtenwald... Was tun?
Ich röhrte kurz und sehr sehr leise... dann Stille...!
Die Momente schienen mir unendlich, es dauerte jedoch höchstens 30 Sekunden bis der Hirsch antwortete und ich ihn auf mich zulaufen hörte...
Plötzlich sah ich ihn, das Geweih jedoch verdeckt... konnte nur sehen, dass er auf der rechten Stange ein unverzweigtes Ende trug...
Plötzlich lief der Hirsch, der auf etwa 15mt stand weiter auf mich zu und blieb 5 mt vor mir breit stehe und lauschte...
Mein Herz stand still und ich wagte es kaum zu atmen. Ich konnte im heranlaufen ansprechen, dass es sich um einen recht starken Hirsch handelt, konnte jedoch keine Enden zählen...
Der Schuss brach aus der bereits eingestochenen Browning 7x64... Der Hirsch zeichnete stark und sprang mit allen vier Läufen etwa 40cm in die Luft und flüchtete talabwärts...
Da hörte ich 50mt unter mir mehrere Stück Kahlwild abspringen... Es hätte sich bestimmtnur nur noch um Augenblicke gehandelt bis diese, die mich genau im Wind hatten, geflüchtet wären... Glück!
Ich ging aufwärts, zu meinem Onkel. Nach einer halben Stunde begaben wir uns zum Anschuss und konnten starke Bodenverletzungen feststellen... Der Hirsch hatte auf seiner Flucht 10cm tiefe Löcher in den Waldboden gerissn...
Die Spur war leicht zu verfolgen... wieder kam Aufregung auf, da ich nicht genau wusste was auf mich zu kam und den Hirsch in den vielleicht 2 Sekunden nicht genau ansprechen konnte.
Nach etwa 100mt begann mein Onkel zu laufen, er hatte ihn gesehen und sagte... "an Guatn hosch"!
Da lag er... mein Hirsch, ein Achtender mit 140kg und fast 90cm langen Stangen!
Ich dankte dem heiligen Hubertus und machte einen Freudenjuchizer!

 

Oft sollte ich an diesem Tag und in der folgenden Nacht noch das Weidmannsheil zu hören bekommen und mit so manchem Bierchen auf den Abschuss anstossen!
Einen Dank meinem Onkel und im nächsten Jahr bist du dran...
 
Grüsse an alle Jagdkameraden und Weidmannsheil


                                                            Bericht und Fotos:  Philipp Bertagnolli Jagdrevier St. Felix am Nonsberg
 

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