Guter
Hoffnung starteten Uli und ich gegen 06.15 Uhr um bei
Tageslicht auf unsern Posten zu gelangen.
Gestärkt durch das
obligate Frühstück fuhren wir mit dem Auto auf die
Galerie. Nach kurzer Kontrolle ob Alles auf Mann war,
nahmen wir den 20 Min. Fussmarsch zum Posten in Angriff.
Wir konnten uns Zeit
lassen, denn ich wollte das letzte Stück hinauf zum
Posten im Tageslicht hinauf pirschen.
Uli der meinen Terrier
Zicco an der Leine führte, blieb jeweils ein paar Meter
zurück. Sollte Wild abspringen wollte ich ungestört
sein, schon oft äste Rotwild oder Gämsen nahe beim
Posten.
Heute konnte ich kein Haar
sehen, also schlüpften wir gleich in den Posten der
Platz für zwei Mann bot.
Wie immer wenn Uli mit war
teilten wir uns das Gebiet auf, jeder glaste seinen Teil
ab. Anblick hatten wir vorerst keinen.
Fast
gleichzeitig sichteten wir gegen 08.00 Uhr ein Rotwild
das den Hang herunter wechselte. Müssen wir ziehen
lassen meinte ich zum Uli, der Spiesser war eindeutig zu
Groß. Da ich ja meinen Hirsch am ersten Tag bereits
erlegen durfte.
Kurz bevor er jedoch in
den schmalen Waldstreifen wechselte, meinte ich kurze
Augsprossen gesehen zu haben, schnell richtete ich mein
Fernrohr auf die Gegenseite des Waldes, schon trat er
aus. Langsam, jedoch das Haupt von uns abgewendet äste
der junge Hirsch den Hang aufwärts, nochmals meinte ich
eine Augsprosse gesehen zu haben.
Da Uli ein erfahrener
Jäger ist und mein vollstes Vertrauen hatte, sollte er
den Stier durch das Spektiv beobachten und mir
bestätigen wenn wirklich Augsprossen vorhanden waren.
Immer näher kam er dem
Wald, dreh doch bitte nur einmal Deinen Grind auf eine
oder die andere Seite dachte ich.
Jetzt drehte er sich nach
links weg, der hat Augsprossen bestätigte mir Uli.
Da ich bereits das Absehen
meines Zielfernrohres hinter Blatt hatte, lies ich
fliegen. Nach einer Flucht vorwärts konnte ich das
beschossene Stück nicht mehr sehen, Sekundenbruchteile
nachher wechselte der Hirsch wieder zurück in den
kleinen Waldstreifen wo er vor ein paar Minuten austrat.
Stille nichts mehr war zu vernehmen.
Uli wünschte mir
Waidmannsheil, ich war mir der Sache weniger Sicher. Als
sich der Schuss löste war der Hirsch in Bewegung, also
abwarten.
Die Entfernung war Ideal,
ca 170 m, normal sollte das Stück im Feuer liegen,
Zweifel kam auf. Ich hatte meinen Blaser R 93 auf 170m
auf 10ner hoch eingeschossen, warum lag das Stück
nicht? Schleichend verstrich eine gute halbe Stunde.
Uli versuchte mich immer
wieder zu beruhigen, er sei sicher das ich getroffen
hätte.
Also wenn dass so ist,
meinte ich zu Ihm, gehen wir doch nachschauen.
Da der Hirsch gerade mal
170m ob uns lag, nahmen wir nur das Nötigste mit, Büchse
und Messer. Ohne Eile stiegen wir samt Zicco den Hang
hoch, als wir noch etwa 70 m vom Anschuss entfernt
waren, bestätigte sich mein Zweifel. Das kranke Stück
wechselte den Hang aufwärts, in der Überraschung muss
ich wohl verzogen haben. Der Tiefgabler verschwand
hinter der Kuppe.
Dennoch untersuchte ich
den Anschuss, ausser den Eingriffen war nichts zu sehen.
Zicco zog in Richtung Waldstreifen, kurz vor den ersten
Bäumen verwies er mir Schweiss, im Wald dann das
Wundbett.
Wir waren zu früh
aufgebrochen, dass war uns jetzt klar.
Nach der zweiten
Anschusstelle war der Schweiss noch mehr, weit konnte
der nicht mehr sein. Wenn wir nun schon soweit seien,
wollte ich ebenfalls über die Kuppe. Jede Menge Schweiss,
der Gabler lag aber nicht.
Ab diesem Zeitpunkt muss
der Zweifel in mir wohl jegliches Wissen ausgelöscht
haben. Immer wieder legten wir Pausen ein und zogen dann
dem kranken Hirsch nach. Anstatt Ihn im Wundbett zu
lassen und die obligaten 4 Std Wartezeit verstreichen zu
lassen, trieben wir das kranke Stück von uns weg.
Kam noch dazu, dass ich
jetzt noch anfing am Zicco herum zu Zweifeln, denn der
Schweiss wurde immer spärlicher, als dieser dann noch
geradewegs in einen Dachsbau zog, war der Glaube an
meinen Hund wohl zu 80 Protzend weg. Nochmals versuchte
ich Zicco am letzten Schweiss anzusetzen, ohne zu Zögern
zog er wieder Richtung Dachsbau und folgte jetzt wieder
der Verwund Spur.Immer Bergwärts einen Wildwechsel hoch,
kein Schweiss mehr, nirgends ein Wundbett. Nach einer
ganzen Weile kamen wir auf einen Wanderweg, auf diesem
Weg zog Zicco wieder Tal einwärts. Wieder stiegen in mir
Zweifel hoch, er führte mich durch einen Graben, immer
noch auf dem Wanderweg. Schweiss hatten wir den letzten
noch vor dem Dachsbau gefunden, dass waren jetzt wohl an
die 500 m, dass konnte ja wohl nicht sein, sagte ich zum
Uli. In Gedanken hatte ich die Nachsuche wohl schon
abgebrochen, um beim Wildhüter ein Nachsuche Gespann
anzufordern. Da wollte Zicco rechtswinklig vom Wanderweg
Bergwärts ziehen.
An dieser Stelle nahm ich
meinen Hund von der Spur weg und fragte beim Wildhüter
ob ein Nachsuchegespann frei wäre.
Der Wildhüter bot mir an,
dass Er mit seinem HS am Nachmittag Zeit hätte, jedoch
müsste ich warten bis er um 14.00 Uhr frei wäre.
Inzwischen war es schon
13.00 Uhr also machte eine Stunde mehr ebenfalls nichts
mehr aus.
Um 14.30 Uhr traf dann der
Wildhüter an der vereinbarten Stelle ein.
Nach kurzer Aufklärung was
bis anhin passiert sei, führten wir das Nachsuchegespann
zum letzten gefundenen Schweiss.
Nach
kurzer Vorbereitung, nahm der HS nun die Verwundspur
auf. Über den Dachsbau hinaus, den Wildwechsel hoch zum
Wanderweg, diesem folgend durch den Graben. Jeden Meter
der nun folgte, machte ich mir grösste Vorwürfe, dass
ich dem Zicco nicht mehr glaubte, als wir dann den
Winkel erreichten wo Zicco rechtswinklig hoch ziehen
wollte war ich mir sicher dass ich meinen Hund wohl aufs
tiefste gekränkt hatte. Keine 100 m nach dem Winkel
meinte der Hundeführer, schau da vorne liegt dein
Freund.
Der Hirsch kam hoch und
flüchtete schräg talabwärts, eine weitere Möglichkeit
war vertan.
Also weiter, der BGS
führte uns neben meinem Posten vorbei immer Tal
einwärts.
Als wir auf der
Flurstrasse ankamen meinte der Hundeführer, dass ihm im
Graben vor meinem Posten eine Veränderung bei seinem
Partner aufgefallen sei, so dass er gerne nochmals an
diese Stelle gehen möchte.
Ich sagte zu Ihm dass
ich, obwohl ich langsam aber sicher auf den Felgen
laufen würde, an jeden Ort kommen würde um den Kranken
Hirsch zu erlösen.
Über Handy konnte ich den
Uli erreichen, der uns mit dem Auto abholen konnte. Also
nochmals hoch zum Posten.
Der Hund wurde geschnallt,
er durchquerte den Gaben über einen Wildwechsel.
Doch auf der andern Seite
wendete er und lief zurück in unsere Richtung.
Mitten im Graben stach er
jedoch noch Oben, nach 30 m fing er an den Hirsch zu
verbellen.
Jetzt stieg ein gutes
Gefühl in mir hoch, sicherheitshalber legte ich eine
Patrone ein und schloss den Verschluss.
Ruhig stieg der
Hundeführer hoch und konnte dem kranken Stück endlich
den Fangschuss anbringen.
Als das Stück aus dem
Gebüsch heraus fiel, löste sich die Anspannung in mir,
Tränen der Freude liefen über, endlich war das Leiden
beendet.
Inzwischen war es 18.00
Uhr geworden.
Der Tiefgabler hatte einen
Weichschuss, die Zweite Kugel hatte ihn am hinteren
rechten Schlegel gestreift.
Somit war auch klar warum
auf einmal kein Schweiss mehr gefunden wurde. Der
Weichschuss wurde vom Eingeweide abgedichtet und der
Streifschuss hatte keine wichtigen Adern verletzt.
Aufgebrochen wog das Stück
im zweiten Kopf gerade einmal 55 Kg.
Die Bergung Talabwärts war
recht einfach.
Dem Nachsuchegespann
Waidmannsdank.
Dem Zicco hab ich
versprochen, dass ich mit ihm mehr trainieren, so dass
ich Ihn auf der Verwundfährte besser lesen kann.
Allen Beteiligten nochmals
Waidmannsdank.
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Bericht und Fotos:
Kari Schmid
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