Bericht 87: Mein erster Trophäenhirsch

Endlich war der 1. September da, der Tag an dem in unserem Revier die Jagd auf den Trophäenhirsch aufgeht. Ich hatte heuer meinen ersten Hirsch zum Abschuss frei und so war ich ab diesem Tag ständig im Revier unterwegs um einen Hirsch zu erlegen. Zahlreiche Pirschgänge und Ansitze hatte ich bereits hinter mir, als ich am Dienstag, 28. September mit meinem Jagdkollegen Paul verabredet war um gemeinsam auf die Hirschjagd zu gehen. Wir starteten um halb drei Richtung „Gadria – Feichtwold“. Nach einer guten Stunde Fußmarsch, der vom Röhren der Hirsch begleitet war, hatten wir unser Ziel erreicht. Langsam suchten wir das umliegende Gebiet nach Rotwild ab. Wir hatten bald einige Stücke Kahlwild im Anblick und warteten bzw. hofften, dass auch bald ein Trophäenhirsch austreten wird. Es dauerte auch gar nicht lange und einige jüngere Hirsche folgten dem Kahlwild, jedoch war kein passender Hirsch dabei.

Wir hörten allerdings unweit von uns einen Hirsch mit einer tiefen, rauen Stimme. Wir beschlossen etwas weiter zu pirschen um auch die gegenüberliegende Talseite einzusehen. Kaum waren wir einige Meter weiter gegangen, sahen wir plötzlich einen starken Hirsch aus dem Jungwuchs austreten. Es war ein traumhafter Anblick, als der starke Hirsch zu röhren begann und nur so strotze vor Energie und Kraft. Eine Auflage für meine 7*64 war schnell gerichtet, Paul sah sich den Hirsch besser an, in der Zwischenzeit versuchte ich den Hirsch ins Glas zu bekommen. Paul flüsterte mir zu das es ein reifer, starker ungerader „Kronenzehner“ ist. Die Entfernung betrug 230 Meter, und als der Hirsch sich abdrehte und wieder beginnen wollte zu röhren, lies ich den Schuss brechen. Der Hirsch zeichnete stark machte einige Sprünge nach vorne und tat hinter einer Lärche nieder. Der Schuss saß, soviel war uns klar, allerdings vermutete ich einen Weichschuss. Schnell nahmen wir das Spektiv zur Hand und konnten erkennen, dass der Hirsch einen sauberen Blattschuss hatte. Erst dann wurde mir klar, welche Kraft so ein starker Hirsch hat, ein Kahlwild wäre mit diesem Schuss vermutlich im Feuer gelegen, der Hirsch allerdings versuchte wieder hoch zu werden. Dazu reichte ihm aber die Kraft nicht mehr und nach einigen Minuten konnten wir beobachten wir er sein Haupt zur Seite legte und dann rührte sich nichts mehr. Wir warteten noch einige Minuten ab und gingen dann zum Anschuss, wo der Hirsch einige Meter weiter lag. Mir zitterten die Knie als ich vor meinem ersten Trophäenhirsch stand. Es war ein wirklich starker Hirsch. Ein riesiges graues Haupt, starke Stangen und einen Träger wie ich selten zuvor gesehen hatte. So langsam wurde uns erst bewusst, dass wir einen wirklich guten Hirsch zu strecke gebracht hatten. Paul überreichte mir mit einem herzlichen Weidmannsheil den Erlegerbruch, welchen ich mir mit großer Freude an den Hut steckte. Als wir dann dem Hirsch den letzten Bissen in den Äser schieben wollten, sahen wir zu unserer Freude, dass es ein sehr alter Hirsch war. Wir schätzen den Hirsch auf gut 10 Jahre und mit einem Schluck Cognac stießen wir auf meinen Hirsch an.

Anschließend erledigten wir die rote Arbeit und gegen 19 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück ins Dorf. Dort angekommen fuhren wir in unsere Kühlzelle, wo wir einige Jäger antrafen. Zusammen organisierten wir einige Helfer für die strenge anstehende Bergung am nächsten Tag. Am Mittwochmorgen starteten wir zu 4 um den Hirsch zu bergen. Ausgerüstet mit einer Seilwinde und weiteren Bergehilfen kamen wir gegen 8.30 Uhr beim Hirsch an. Nach einer ausführlichen Begutachtung begannen wir mit der schwierigen Bergung, denn wir mussten den Hirsch gute 500 Meter aufwärts ziehen. Nach 4 Stunden harter und teils auch nicht ungefährlichen Bergung kamen wir bei unseren Autos an. Gemeinsam verstauten wir den Hirsch im Auto und fuhren in die Kühlzelle. Dort erledigten wir die restlichen anfallenden Arbeiten und wir alle staunten nicht schlecht als die Waage 132,50 kg anzeigte. Es war der bisher schwerste Hirsch der heuer in unserem Revier erlegt wurde. Am Abend trafen wir uns dann mit vielen weitern Jagdkollegen und feierten recht lange den gelungen Abschuss. Abgerundet wurde der Abend durch einen weiteren Trophäenhirsch, den ein anderer Jäger erlegte, sowie einen Steingeiß und einem Schmaltier.

 

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtete ich noch einige male meinen Hirsch. Ich war überglücklich, einen solch guten Hirsch erlegt zu haben, auf der anderen Seite aber, gibt es wahrscheinlich keine schönere Jagd als in der Brunftzeit den König der Wälder zu bejagen.

 

Weidmannsheil

 

                                                                               Bericht und Fotos:  Höllrigl Martin – Jagdrevier Schlanders

 

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