Bericht 79: Mein erster Rehbock!

Am Freitag, 10. September war ich mit meinem Vater und meinem Jagdkollegen Herbert verabredet, denn wir wollten nach Deutschland zu einem Jagdfreund vom Herbert fahren und dort ein Jagdwochenende verbringen. Zu unserer Freude sollten wir alle eine Rehbock sowie sämtliches Schwarzwild zum Abschuss frei haben. So starteten wir gegen 5 Uhr morgens nach Münchberg, nahe der tschechischen Grenze. Die Fahrt verlief ohne Probleme und so kamen wir gegen 12 Uhr in Münchberg an. Der Jagdherr erwartete uns bereits und bei einem gemeinsamen Mittagessen und reichlich Jägerlatein kam gleich eine freundschaftliche Stimmung auf. Anschließend legten wir ein kleines Mittagsschläfchen ein, denn wir waren doch etwas Müde von der langen Autofahrt. Gegen 17 Uhr gab es dann Kaffe mit Kuchen und dabei besprachen wir den anschließenden Reviergang. Um Punkt 18 Uhr starteten wir ins Revier, jedem von uns wurde ein Hochsitz zugewiesen. Als ich meinen Hochsitz erreicht hatte, richtete ich mir alles her: mit dem Entfernungsmesser kontrollierte ich die Distanzen und versuchte auch eine provisorische Auflage für mein Gewehr zu richten. Dies war alles andere als einfach, denn außer 3 dünne Holzlatten war wenig Auflage vorhanden. Kaum waren 20 Minuten vergangen, kam zu meiner Enttäuschung  ein Bauer mit seinem Traktor vorbei und begann keine 100 Meter von mir entfernt mit seinen Mäharbeiten. Das fängt ja gut an dachte ich mir, da wird sich wohl kaum ein Reh blicken lassen und so setzte ich mich gemütlich zurück und genoss den schönen Abend. Als es mittlerweile 19 Uhr war, nahm ich wieder einmal das Fernglas zur Hand und suchte trotzdem das umliegende Gebiet ab. Es war ein kleiner roter Fleck der plötzlich aus der Sträucherhecke hervortrat. Ich konnte sofort erkennen, dass es ein Sechser-Bock war mit einer schönen dunkeln Trophäe. Sofort tauschte ich das Fernglas mit meiner Büchse und versuchte den Bock ins Glas zu bekommen. Als ich den Bock endlich im Fadenkreuz hatte sah ich, dass der Bock seinen rechten Vorderlauf schonte. Als sich er sich abdrehte und Blatt zu mir stand packte mich das Jagdfieber, denn es wäre mein erster Rehbock gewesen. Ich musste noch einmal absetzen und atmete tief durch. Als ich dann wieder den Bock im Glas hatte, sah ich, dass er bereits wieder dabei war in den Hecken zu verschwinden. Das Blatt war aber noch frei und so ließ ich den Schuss brechen. Im Zielfernrohr sah ich den Bock in die Hecken springen, dann kehrte er um lief ca. 30 Meter über die freie Wiese, dabei knickte er mit den Vorderläufen einmal stark ein, war dann aber mit 2 weiteren Sprüngen im hohen Gras verschwunden. Dass ich den Bock getroffen hatte, war ich mir ziemlich sicher, aber ob er bereits verendet im Gras lag, da wir ich mir nicht so sicher. So beschloss ich erstmal abzuwarten, ständig mit den Gedanken beim beschossenen Rehbock. Sollte ich tatsächlich das Glück gehabt haben, gleich am ersten Tag einen Bock zu strecken, noch dazu wäre es mein erster Trophäenbock. Nach einer halben Stunde stieg ich vom Hochsitz und pirschte mit geladener Büchse zum Anschuss. Dort fand ich keine Schweißspuren oder sonstige Pirschzeichen. Langsam näherte ich mit dem Dickicht wo der Bock verschwunden war. Als ich nur mehr wenige Meter davon entfernt war, sah ich den Bock in der Hecke liegen.

Überglücklich ging ich zu meinem ersten Rehbock und zog ihn vorsichtig auf die offene Wiese heraus. Ich konnte mein Glück kaum fassen und so setzte ich mich neben meinen Bock und dankte dem Hl. Hubertus für mein Jagdglück. Anschließend verständigte ich den Jagdherrn und begann dann mit der roten Arbeit. Dabei sah ich mir dann auch genauer den rechten Vorderlauf an und konnte feststellen, dass er gebrochen war. Das ganze Gelenk war vereitert und geschwollen. Umso größer war dann meine Freude auch noch einen guten Abschuss getätigt zu haben. Als ich mit dem Aufbrechen so gut wie fertig war hörte ich einen zweiten Schuss unweit von mir. Sofort dachte ich an meinen Vater, der nicht weit von mir entfernt war. Es dauerte wenige Minuten und per Handy erhielt ich die erfreuliche Nachricht, dass auch im ein Abschuss geglückt war und er einen ca. 2 Jährigen schwachen Gabler erlegen konnte. Wenig später wurde ich mit einem herzlichen Weidmannsheil abgeholt und wir fuhren zum Sitz meines Vaters. Auch dort löste ein Weidmannsheil die Anspannung. Nach einigen Erinnerungsfotos fuhren wir mit den 2 Böcken zurück. Dort erledigten wir die restlichen anfallenden Arbeiten (mein Bock brachte nur mehr 12 kg auf die Waage, de Bock meines Vaters gut 19 kg). Dass am Abend das ein oder andere Bier geleert wurde war klar. Es war ein erfolgreicher Abend, nur Herbert hatte kein Glück gehabt und deshalb wollten wir am nächsten morgen noch einmal unser Glück versuchen. Gegen 6 Uhr fuhren wir wieder ins Revier, leider hatten wir dabei alle kein Glück mehr und so kehrten wir am späten Vormittag wieder zurück. Am Abend hatte unser Jagdherr einen gemütlichen Grillabend organisiert und somit kamen wir zu keinem Reviergang mehr, der wohl auch eher „sinnlos“ J gewesen wäre.Am frühen Sonntagmorgen packten wir wieder alles in unser Auto verabschiedeten und herzlich vom Jagdherr und bedankten und bei Ihm für die Jagdmöglichkeiten und die getätigten Abschüsse. Auch bei seiner Frau bedankten wir uns, denn wir wurden 3 Tage vorzüglich bekocht und genossen es in vollen Zügen.

 

Weidmannsheil

                                                                                                                           Bericht und Fotos:  Höllrigl Martin

 

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