Bei
verhälnissmäßig gutem Wetter, guter Laune und
pünktlich zur Eröffnung der Jagddsaison in Osttirol,
machten wir uns am 31.Mai auf. Wir unterhielten uns
darüber wer wo ansitzt und wer den guten Bock vor
die Büchse kriegt soll schießen ohne Mein und Dein
oder Wenn und Aber. Schon in Lienz waren die
Berggipfel weiß, aber was solls auch ein wenig Kälte
macht uns ja gar nix aus. In Matrei war der Himmel
verhangen und es wehte ein eiskalter Wind. Je näher
wir dem Felbertauern kamen um so heftiger wurde das
Schneegestöber und bei der Jagdhütte angekommen,
schneite es wie mitten im Winter. Es konnte ja nur
besser werden. So machten wir es uns halt in der
Jagdhütte gemütlich warm, bereiten uns das
Mittagessen und spielten Karten, immer mit der
Hoffnung, daß mindestens der Wind aufhört und wir am
Abend etwas Wild beobachten können. Dem war wohl
nicht so und wir spielten Karten, eine Runde nach
der Anderen. Wir waren immer noch guter Hoffnung,
daß am nächsten Morgen das Wetter besser wird. Schon
fast dunkel, sahen wir in der Almwiese den Hausbock,
ein Gabler, der sich schon an unsere Anwesenheit
gewöhnt hat und gemütlich im Schnee nach Äsung
suchte. In der Nacht heulte und pfiff der Wind um
die Hütte daß mir manchmal vorkam, der muß doch das
Dach ablegen. Mein Hund, der auch sonst nie in
seinem Leben eine Tapferkeitsmedaille erhalten wird,
verkroch sich vor Angst unter meinem Bett. Wecker
brauchte ich keinen, da ich bei dem Lärm den der
Wind machte kaum schlafen konnte. Im Morgengrauen
sah ich, daß die Almwiesen schneebedeckt waren und
bei dem Wind hatte es keinen Sinn irgendwo
anzusitzen. So verkroch ich mich wieder in meinem
warmen Bett und es sollte ja Schlimmeres auf der
Welt geben als lange zu schlafen, was mir jetzt
endlich gelang.
Irgendwann
wurde ich von Lärm in der Küche geweckt, meine
fleißigen Männer waren am Frühstück machen. Ein
gemütliches Frühstück, a Kartenspiel und viel Spaß,
so verbummelten wir den Vormittag und endlich gegen
Mittag ging der Schnee in Regen über, was für die
Jagd auch nicht grad von Vorteil ist. Der Wind
peitschte den Regen waagrecht über die Almwiesen,
die jetzt wieder von weiß auf grün wechselten.
Nachmittag gab der Regen kurz nach und wir konnten
uns mindestens die Beine vertreten, machten ein paar
kleine Arbeiten rund um die Hütte, aber bald
flüchteten wir wieder ins Trockene. Mit dem Trost,
daß es vielleicht gegen Abend besser wird setzten
wir bei einer guten Flasche Wein das Karterl fort.
Der Wettergott hatte mit uns kein Erbarmen. Wenn wir
mindestens den guten Bock, den wir schon seit dem
Frühjahr beobachteten vor das Fernglas bekämen.
Immer wieder gehen wir vor die Hütte und auf den
Balkon in der Hoffnung das sich ein Stück mindestens
am Waldrand sehen läßt weil an einen Gang ins Revier
war nicht zu denken. Nix!!!! Um halb 9 lasse ich
meinen Hund nochmals raus und wie ich so in der
Hüttentür stehe, sehe ich am Waldrand eine
Bewegung:ein Reh. Schnell hole ich mein Fernglas,
ein Bock, die Männer kommen angelaufen, ich will
noch das Spektiv holen um sicher zu gehen welcher
Bock es ist, aber das haben die Männer schon
erledigt: "Das ist er ! " sagen sie und einer bringt
mir auch schon die Büchse die an der Wand im Gang
griffbereit war. Auflage auf dem Zaun läßt zu
wünschen übrig und so drücke ich die Büchse fest
gegen meine Schulter und der Bock bricht im Feuer
zusammen ohne noch eine Schritt oder Sprung zu
machen. Über so viel Glück im letzten Büchsenlicht
und bei dem Sauwetter falle ich meinen Jagdkameraden
um den Hals und gar nicht Waidmännisch gehen wir
jetzt erst uns ordentliches Schuhwerk anzuziehen und
dann zum Bock. Höhe und Sprossen kannten wir ja von
unseren Beobachtungen aber die Perlung hat mich
überrascht, den so hoch heroben fast an der
Waldgrenze und überhaupt hier im Revier haben wir
selten gute Böcke gesehen. Nach dem Aufbrechen wurde
der Bock in den Keller gehängt und jetzt schmeckte
der Wein doppelt so gut.
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Weidmannsheil
Bericht und Foto: Annelies Lahner
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