Bericht 11: Übern Tauern tuits schneibm und es geaht a eiskolto Wind......
Bei verhälnissmäßig gutem Wetter, guter Laune und pünktlich zur Eröffnung der Jagddsaison in Osttirol, machten wir uns am 31.Mai auf. Wir unterhielten uns darüber wer wo ansitzt und wer den guten Bock vor die Büchse kriegt soll schießen ohne Mein und Dein oder Wenn und Aber. Schon in Lienz waren die Berggipfel weiß, aber was solls auch ein wenig Kälte macht uns ja gar nix aus. In Matrei war der Himmel verhangen und es wehte ein eiskalter Wind. Je näher wir dem Felbertauern kamen um so heftiger wurde das Schneegestöber und bei der Jagdhütte angekommen, schneite es wie mitten im Winter. Es konnte ja nur besser werden. So machten wir es uns halt in der Jagdhütte gemütlich warm, bereiten uns das Mittagessen und spielten Karten, immer mit der Hoffnung, daß mindestens der Wind aufhört und wir am Abend etwas Wild beobachten können. Dem war wohl nicht so und wir spielten Karten, eine Runde nach der Anderen. Wir waren immer noch guter Hoffnung, daß am nächsten Morgen das Wetter besser wird. Schon fast dunkel, sahen wir in der Almwiese den Hausbock, ein Gabler, der sich schon an unsere Anwesenheit gewöhnt hat und gemütlich im Schnee nach Äsung suchte. In der Nacht heulte und pfiff der Wind um die Hütte daß mir manchmal vorkam, der muß doch das Dach ablegen. Mein Hund, der auch sonst nie in seinem Leben eine Tapferkeitsmedaille erhalten wird, verkroch sich vor Angst unter meinem Bett. Wecker brauchte ich keinen, da ich bei dem Lärm den der Wind machte kaum schlafen konnte. Im Morgengrauen sah ich, daß die Almwiesen schneebedeckt waren und bei dem Wind hatte es keinen Sinn irgendwo anzusitzen. So verkroch ich mich wieder in meinem warmen Bett und es sollte ja Schlimmeres auf der Welt geben als lange zu schlafen, was mir jetzt endlich gelang. Irgendwann wurde ich von Lärm in der Küche geweckt, meine fleißigen Männer waren am Frühstück machen. Ein gemütliches Frühstück, a Kartenspiel und viel Spaß, so verbummelten wir den Vormittag und endlich gegen Mittag ging der Schnee in Regen über, was für die Jagd auch nicht grad von Vorteil ist. Der Wind peitschte den Regen waagrecht über die Almwiesen, die jetzt wieder von weiß auf grün wechselten. Nachmittag gab der Regen kurz nach und wir konnten uns mindestens die Beine vertreten, machten ein paar kleine Arbeiten rund um die Hütte, aber bald flüchteten wir wieder ins Trockene. Mit dem Trost, daß es vielleicht gegen Abend besser wird setzten wir bei einer guten Flasche Wein das Karterl fort. Der Wettergott hatte mit uns kein Erbarmen. Wenn wir mindestens den guten Bock, den wir schon seit dem Frühjahr beobachteten vor das Fernglas bekämen. Immer wieder gehen wir vor die Hütte und auf den Balkon in der Hoffnung das sich ein Stück mindestens am Waldrand sehen läßt weil an einen Gang ins Revier war nicht zu denken. Nix!!!! Um halb 9 lasse ich meinen Hund nochmals raus und wie ich so in der Hüttentür stehe, sehe ich am Waldrand eine Bewegung:ein Reh. Schnell hole ich mein Fernglas, ein Bock, die Männer kommen angelaufen, ich will noch das Spektiv holen um sicher zu gehen welcher Bock es ist, aber das haben die Männer schon erledigt: "Das ist er ! " sagen sie und einer bringt mir auch schon die Büchse die an der Wand im Gang griffbereit war. Auflage auf dem Zaun läßt zu wünschen übrig und so drücke ich die Büchse fest gegen meine Schulter und der Bock bricht im Feuer zusammen ohne noch eine Schritt oder Sprung zu machen. Über so viel Glück  im letzten Büchsenlicht und bei dem Sauwetter falle ich meinen Jagdkameraden um den Hals und gar nicht Waidmännisch gehen wir jetzt erst uns ordentliches Schuhwerk anzuziehen und dann zum Bock. Höhe und Sprossen kannten wir ja von unseren Beobachtungen aber die Perlung hat mich überrascht, den so hoch heroben fast an der Waldgrenze und überhaupt hier im Revier haben wir selten gute Böcke gesehen. Nach dem Aufbrechen wurde der Bock in den Keller gehängt und jetzt schmeckte der Wein doppelt so gut.
 

Weidmannsheil

                                                                                                                            Bericht und Foto: Annelies Lahner  
 

nach oben