| Bericht 35: Das Schmalreh am Rienznerhof |
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Jedes Jahr, wenn am ersten Mai der Tag erwachte war ich als Jäger, Begleiter oder ganz einfach nur als Beobachter im Revier. Bereits Wochen vorher zog es mich hinaus in die Wildbahn und ich konnte den Tag kaum mehr erwarten. Dieses Jahr jedoch begann alles anders. Mutter Natur ließ mich durch einen Arbeitsunfall im Wald, am eigenen Leibe spüren, wie klein wir eigentlich sind. Wenn man dem Tod nur um Haaresbreite entgeht, so ist das eine Grenzerfahrung im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man dem Tod so nah ist, hilflos ausgeliefert Dritten, ja sogar sich selbst, ändert sich dadurch nachher sehr vieles. Zum einen liebt man das Leben um so mehr und zum anderen erfahren früher so unwichtige, oft nebensächliche Dinge, unsere volle Aufmerksamkeit. Lachend und naiv stand ich früher Aussagen diesbezüglich gegenüber, aber mittlerweile bin ich wohl eines besseren belehrt worden. Der erste Mai kam natürlich auch heuer, denn die Zeit bleibt niemals stehen....für nichts und für niemanden. Wir schreiben den letzten April und ich bringe meine drei Kleinen Engel ins Bett. Eine kleine Geschichte, eine lange intensive Kuscheleinheit, einen guten Nacht Kuss und schon hat der Sandmann Sie ins Land der Träume entführt. Gründlich inspiziere ich nun noch schnell das Baybiphon und kontrolliere ob es auch wirklich funktioniert. Dann bringe ich das gute Teil meiner Lieben Mutter und Oma unserer Kinder, mit der Bitte sich am Morgen um die Kleinen zu kümmern, wenn ich mich noch im dunklen auf ins Revier mache. Sorgfältig gepackt steht der Jagdrucksack und die Bockbüchsflinte bereit. Mit gemischten Gefühlen liege ich nun endlich im Bett, aber an schlafen ist nicht zu denken. Es war nicht das erste mal das ich vor Aufregung, Begeisterung oder gar Jagdfieber kein Auge zugemacht habe. Dieses mal waren die Gefühle und die Gedanken, welche mich bis in den frühen Morgen durchbohrten jedoch andere. Liebend gerne würde ich Sie Euch nun beschreiben aber so etwas kann man nur schwer in Worte fassen. Der von mir so sehr erwartete Tag erwachte nun und ich stand noch im Morgengrauen auf. Der Weg ging aber nicht ins Revier, sondern in die Küche. Ich hatte das Verlangen bei meinen Liebsten zu bleiben und Ihnen etwas Gutes zu tun. Ich bereitete ein wunderbares Frühstück zu und ließ es mir nicht nehmen meine Kinder wach zu küssen. Ich bin ein Sehr passionierter Jäger aber kein Anblick und auch kein Jagderfolg hat mich je so glücklich gemacht wie der Glanz in den Augen meiner Familie als ich Sie zu Tisch führte. Nur spärlich suchte ich in den Nächsten Wochen das Revier auf. Meistens nur als Begleiter. Manchmal aber auch Tagsüber, um den Bitten meines Sohnemanns Folge zu leisten, die Nachbarwiesen nach Rotwildspuren abzusuchen. Mittlerweile haben wir bereits den 25. Mai und mein Sohn Tobias und ich fahren zu Mittag kurz ins Revier. Mit der ganzen Begeisterung eines Kindes suchte er natürlich nun nach Spuren am Wiesenrand und versuchte Letztere zu zuordnen. Ich konnte kaum folgen! Plötzlich sprang im Wald Rehwild auf und schreckte. Erschrocken erstarrten wir beide erst mal zu Eis. Dann versuchten wir mit schnellen Schritten uns Sicht im Unterholz zu verschaffen. Es war ein sehr schwaches Stück , weiblich und wir entschlossen am Abend in der Wiese anzusitzen. Um 19 Uhr kletterten wir bereits die Leiter an der alten Lärche hoch und machten es uns gemütlich. Zu gemütlich...den bereits um 19,30 Uhr schlief der kleine Mann. Es war wahrscheinlich nicht die Müdigkeit, sonder die Aufregung und das Wissen abends mit auf die Jagd gehen zu dürfen ,die den sechs jährigen nun auf meinem Schoße dahin dösen ließ. Es hat keinen Sinn dachte ich und bevor er ganz weg trat, weckte ich Ihn und brachte den kleinen Jäger nach hause. Lachend begegnete Tobias wenig später den fragenden Augen seiner Geschwister. „Der Tata hots verschlofn nor seimer hoam“ waren seine Worte als die zwei neugierigen Mädels in bereits in die Mangel nehmen wollten. Schmunzelnd nickte ich und brachte Sie zu Bett. Das schwache Stück Rehwild hatte nun doch den Jäger in mir erweckt und so beschloss ich am nächsten Abend den Ansitz nochmals zu wagen, aber alleine. 19,30 sitze ich hoch in der Lärche an der besagten Wiese . Es ist frisch aber Windstill. Die Luft ist rein und das frische saftige grün der Blätter und des Grases...traumhaft! Meine Blicke folgen immer wieder einem Feldhasen der wohl etwas zu früh seine Sasse verlassen hatte und nun unruhig durch die wunderschöne Blumenwiese hoppelt. Langsam Lehne ich mich zurück und wohne dem Vogelgezwitscher bei. Ein Gefühl von Freiheit und Zufriedenheit umgibt mich und ich versinke mit offenen Augen in Träume. Meine Gedanken bei meinen Kindern und bei meiner Liebsten. Ein knacksen und das leise ziehen von Wild im Buchenwald jedoch reißt mich aus den Träumen. Augenblicklich war ich hell wach und meine geschärften Sinne versuchten noch die genau Position der Geräusche zu orten, als bereits drei Rehe in die offene Wiese sprangen. Eine trächtige Rehgeis mit Ihrem Nachwuchs aus dem letzten Jahre ästen nun ruhig auf 80 Schritt. Die Kitze, wenn man die um diese Jahreszeit überhaubt noch so nennen darf ,waren beide sehr schwach. Ich versuchte erstmal das genaue Geschlecht beider zu bestimmen. Am mickrigen Kopfschmuck leicht zu erkennen ein Jahrlingsbock und der Blick auf das Kurzwildbrett bestätigte Letzteres. Nun galt meine Aufmerksamkeit ganz dem zweiten Stück. Sehr schwach im Wildbrett und im Gegensatz zu den anderen noch mit der Winterdecke gekleidet. Sogar die Schürze, welche meines Wissens nach die erste verloren geht beim Haarwechsel, war noch vorhanden. Sehr untypisch für diese Jahreszeit wenn wir bedenken das sich das Revier sehr südlich und der besagte Ansitz nur auf ein paar-hundert Meter Meereshöhe stattfand. Langsam nahm ich meine Waffe in den Anschlag und als das Schmalreh mir die Ganze Seite zeigte, übte ich Druck auf den Abzug aus und wartete mit dem Leuchtpunk hinter der Schulter vom Schuss überrascht zu werden. In Guter Gesellschaft, glücklich und zufrieden über den getätigten Abschuss, nahmen wir noch ein Bierchen in unserem Neuen Zerwirkraum zu uns. Das erlegte Stück brachte kaum 8,5 Kg auf die Waage und war voller Rachenbremsen.
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