Bericht 22:  Passjagd 2009/10

Fleissig hatte ich während dem Jahr, die Röhren auf den Luderplätzen mit Fuxfutter bestückt. Hauptsächlich jedoch im Frühjahr, so konnte ich bald einmal mehrere Fuchsfamilien  beobachten. Hoch- und Niederjagd waren vorbei, an zwei Samstagen zogen wir schon mit Hund und Flinte zur Baujagd, mit zwei Füchsen fiel die Beute aber spärlich aus.
Am 15.11. aber begann die Passjagd, schon Tage vorher war ich meine BBF einschiessen gewesen, hatte ich doch eine neue Kugel laden lassen, die den Balg nicht mehr so Aufreissen sollte und dennoch eine sehr gute Wirkung im Wild hatte. Alles war bereit, von der BBF bis zum Ansitzsack, vor allem aber der Ohrschutz durfte nicht fehlen. Was aber fehlte war der Schnee, somit konnte alles Bereitgemachte im Keller belassen werden. Trotzdem war ich schon einige male ansitzen, jedoch ohne Anblick.
Endlich schneite es am  10 Dez. Von da an veränderte sich mein Leben völlig. Klar war die Zeit von morgens 07.00 Uhr bis 17.00 Uhr, da liess sich nichts dran rütteln, dass war die Arbeitszeit und wurde auch eingehalten. Meistens war ich gegen 19.30 Uhr schon im Bett, um dann gegen 22.30 Uhr zu den Ansitzplätzen zu fahren. In welch einem super Einzugsgebiet für die Passjagd ich mein Luderplatz hatte, konnte ich gleich am ersten Abend feststellen. Am Ansitzplatz angekommen, warf ich noch zwei Handvoll Hundetrockenfutter über den Bergbach, schlüpfte dann in den Ansitzsack, und verschanzte mich auf dem Rücksitz meines Jeeps. Ich war noch mit dem Laden meiner BBF beschäftigt, schnürte schon der erste dunkle Schatten auf den Luderplatz zu, jetzt fing er an das Hundefutter aufzunehmen, eine ganze Weile folgte mein Leuchtpunkt dem Rotrock, jetzt war er am Bach also keine 17m mehr entfernt, kurz verhoffend stand er breit, die Explosion der Schrotpatrone vernahm er wohl schon nicht mehr, als hätte er sich auf die Seite gelegt, blieb er regungslos liegen.
Vor drei Jahren als mich das Fuchsfieber erfasste, jedoch noch ein wirklicher Grünschnabel war, verbrachte ich Nächte in Scheunen und Stallungen, mit dem Ergebnis das ich nach drei Monaten 3 Füchse hatte und oftmals wirklich gefroren hatte.
Da musste was verändert werden, so redete ich mit den Bauern im Gebiet, wo und wann die Burschen am meisten auftauchten. Ein Arbeitskollege berichtete mir,  wo die Bauern früher den Füchsen abpassten, was Früher gut war ist mir Heute recht.
Da der Schafstall den ganzen Winter besetzt war, konnte immer irgendwelcher Krach entstehen, ebenfalls standen mehrheitlich ein oder mehrere  Autos beim Stall, so schöpften die sonst schlauen Burschen kein Verdacht, musste ich mich auf dem Rücksitz einmal zurecht rücken um in gute Position zu kommen, verschluckte der Bergbach das eine oder andere Geräusch. Zudem wusste ich nun dass die Burschen ab 23.00 Uhr bis so um 01.30 Uhr hier durchzogen.
Einen Zweiten Ähnlichen Platz hab ich auf dieses Jahr hin gesucht und auch gefunden, leider wurde ich erst kurz bevor die Passjagd losging fündig, so konnte ich halt erst spät mit dem Füttern anfangen. Da der Luderplatz nahe an der Verbindungsstrasse zweier Bergdörfer angelegt ist, fand ich bald einmal heraus dass der Verkehr sich ab 22.00 Uhr beruhigte und je nach Beleuchtung, ab dieser Zeit mit  Erfolg gerechnet werden konnte. Da sich der Luderplatz in einem Graben befindet werden die Bewohner von den Dörfern durch das nächtliche Schiessen gar nicht gestört. Von wo werden die schlauen Kerle wohl kommen, schon der erste Fuchs setzte mich in helle Aufruhr, keine 2 M vor dem Jeep wechselte er von Unten kommend über die Strasse um dann gleich das Hundefutter aufzunehmen. Nach einigen Sekunden der Geduldsprobe, bis die Burschen 15 bis 20 M entfernt waren schien mir jedes Mal wie eine Ewigkeit.
An beiden Ansitzplätzen wechselten oftmals Reh und Rotwild durch, was natürlich eine schöne Abwechslung war. Mit der Erfahrung die ich so machen konnte halten sich die Ansitzzeiten in Grenze, sicher kehre ich nicht immer mit Beute nach Hause, aber lieber eine Woche leer nach Hause gehen, als ein Abend zuhause zu bleiben und somit nicht wissen was los war. Einige male bin ich  wohl auch in den frühen Morgenstunden im Auto aufgewacht und der Fuchs ist mit vollem Bauch davon gezogen, gleichwohl bin ich dann zufrieden heimgefahren um am Abend wieder anzusitzen. Der Ansitz vom Auto aus, finde ich sehr praktisch. Einmal muss ich so nicht gleich drei Fuxerhütten bauen, zum andern muss ich nicht immer umrüsten um einen andern Passplatz zu beziehen. Da ich auf dem halb geöffneten
Hinterfenster eine Schaumstoffmatte aufgelegt habe  und zusätzlich eine Decke darüber hängen habe, kann ich meine BBF gut auflegen und kann mich ebenfalls mit den Elenbogen gut abstützen.
Was ebenfalls ein Vorteil ist, ich hab kein Durchzug. Hingegen die Kälte verspüre gleichwohl. Mit entsprechender Jagdbekleidung und Ansitzsack halte ich so drei Stunden problemlos in klirrender Kälte aus schau nach dem Raubwild. Den dritten Luderplatz teile ich mit meinem Jagdfreund Toni, konnte vor zwei Jahren noch aus dem Brückentunnel heraus gepasst werden, mussten wir nuneine Hütte aufstellen die 15 M von der Passbrücke entfernt sein musste. Da dieser Luderplatz auf 1700 M ü. Meer angelegt ist, sind die Bälge schon recht früh schön und Erntereif. Hier Oben können wir unsere Kombinierten
sehr gut gebrauchen, der Luderplatz ist schon 30 M von der Passhütte entfernt, ja und wenn die Füchse den Bachdamm herunter kommen sind sie auf 50 m Entfernung.
Auch wenn die Hütte sehr gut isoliert wurde, mehr als 3 bis 4 Std Ansitzen war hier eine eisige Angelegenheit, zieht doch immer ein eisiger Wind den Graben herab, hat man jedoch Erfolg wird es dir beim Bergen bald einmal recht Warm. Schon der Abstieg in den Graben ist anstrengend versinkt man doch Huft tief  im Schnee, wenn man nach einer halben Stunde mit der Beute wieder auf der Passstrasse steht, ist dann die Kälte aus den Gliedern vertrieben. Diese Füchse muss man sich wirklich verdienen.
Was sich nicht verändert hat, ist der Krach wenn die 40 T. Lastwagen über die Passbrücke dröhnen. Die Rotjacken stört das jedoch kaum, stösst man jedoch irgendwie mit der BBF irgendwie an, verschwinden sie blitzartig.
Was wir ebenfalls erfahren mussten, bei Neu- oder Vollmond kommen die Burschen nicht auf den Luderplatz. Sie erscheinen erst wenn die grosse Lampe erloschen ist, oder eben vorher, wenn Sie noch nicht brennt. Am Ende der Passjagd wird mit dem Wildhüter die Abrechnung gemacht. Pro Paar Vorderachsen (Brannten) vom Fuchs erhält der Jäger eine Belohnung von Fr. 15.- für den Dachs Fr. 20.-
Nun jetzt ist der 15. Febr. vorbei, die BBF wird mit dem Standartgewehr umgetauscht, das Sportliche Schiessen auf 300 Meter ist jetzt angesagt. Somit hab ich knapp einen Monat Feuerpause. Vom Waidmannsheil wechselt es zum gut Schuss.


 Waidmannsdank


                                                                                                       Bericht und Fotos: Kari Schmid

 

 

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