Bericht 13: Der braune Kobold

Kurz nach den Weihnachtsfeiertagen hieß es wieder einmal ab in das geliebte Alb-Revier. Die Sauen waren unterwegs und der weibliche Rehwildabschuss noch nicht erfüllt. Gegen 6.00 Uhr morgens und  -15 Grad Celsius bezog ich eine offene Kanzel im Buchenaltholz. Die Fuchsranz war schon in Gange und das heißere Bellen vertrieb mir ein wenig die Zeit.
Die Minuten vergingen zäh und die eisige Kälte tat ihr übriges. Es war kurz nach 7.00 Uhr als ich keine 50m vor mir eine hoppelnde Bewegung wahrnahm. Für mich stand fest, dass es sich um Meister Lampe handeln würde und griff ohne durch das Fernglas zu schauen nach dem Drilling. In unserem Revier wird der Hase nicht mehr auf Treibjagden bejagt und so sichert sich jeder Jäger seinen "Küchenhasen" auf dem Ansitz. Der vermeintliche Mümmelmann kam näher und ich visierte eine kleine Schluppe an, die er passieren musste. Als sich jedoch die hüpfende Gestalt in mein Absehen 4 bewegte, durchfuhr es mich siedend heiß!  Ein Marder verhoffte keine 30 m für Sekundenbruchteile in seiner Bewegung. Fast automatisch löste sich der rauhe Schuss des rechten Schrotlaufes. Im grellen Mündungsfeuer konnte ich kein Zeichnen erkennen und die Bühne blieb leer. Natürlich wollte ich sofort zum Anschuss, aber eine innere Stimme sagte mir: "Du hasst ja Zeit!". In der Wartezeit kam mir auch der Gedanke an einen Baummarder, denn ich konnte bei der Dunkelheit nicht erkennen ob es sich um ein Weiß- oder Gelbkelchen handelte.

Als es  vollkommen hell wurde, kontrollierte ich den Anschuss und wurde sofort enttäuscht. Es fanden sich weder Schweiß noch Schmitthaar auf der Fläche, ich konnte nur die Schrotgarbe im Schnee ausmachen! Da der Schnee durch die eisige Kälte verharscht war, blieb mir nichts anderes übrig als die nähere Umgebung systematisch abzusuchen. Nach kurzer Suche blieben meine Augen an einem Baumstumpf hängen, hinter dem ein brauner Fellbüschel hervor lugte. "Mein Marder!" lag dort schon längst verendet im reinen Weiß gebettet. Selten einmal habe ich voller Freude die seltene Beute aufgenommen und begutachtet. Ein weiterer jagdlicher Traum ging in Erfüllung- ein Edelmarder im schönsten seidigen Winterbalg wurde meins!

Weidmannsheil

                                                                                                                  Bericht und Fotos:  René Phillips, D-Stuttgard  

 

nach oben