BERICHT 74: Erstes Stück Steinwild im Jagdrevier Ulten erlegt

Die Auswilderungsaktion in Ulten mit 4 Böcken und 4 Geisen im Gebiet des Hasenöhrls hat mitte der Neunziger Jahre stattgefunden.

Die beiden 5-jährigen Böcke wanderten noch im selben Sommer ab, und wurden später an der Grenze ins Rabbital gesichtet.

Auch die restlichen Tiere haben unterschiedliche Wanderungen unternommen, und sind zwischen der Bergkette orographisch links des Ulten- und Martelltales bis nach Naturns und St. Pankraz umhergezogen.

Anfangs hat es nur gelegentliche Beobachtungen der Tiere gegeben, und es war wenig über die Einstände bekannt.

Nachdem sich das Steinwild vorwiegend im Anteil des Nationalpark Stilfersjoch aufgehalten hat, konnten nur spärliche Aussagen über die Entwicklung und den Zuwachs gemacht werden.

Mehr und mehr aufgefallen ist das Steinwild, als es sich im Winter dann mehr talauswärts aufgehalten hat, und jährliche Zählungen durchgeführt wurden, bis im Jahre 2009 der erste Steinbock in den Revieren Ulten, Naturns und St. Pankraz zum Abschuss freigegeben wurde.

Am 01. August 2009 wurde der 11-jährige Bock dann im Revier St. Pankraz im Gebiet der Hochwart vom Jäger Albert Matzoll zur Strecke gebracht, was wohl für alle Jäger ein einmaliges Erlebnis war.

Im gleichen Jahr und im Jahr 2010 war auch eine Steingeis offen, welche noch von der Auswilderungsaktion stammte, und mit einer Ohrmarke versehen ist (Alter ca. 17 Jahre).

Dieses Stück wurde dann auch wiederum verlost, konnte jedoch in keinem der 3 Reviere erlegt werden.

Nachdem im Revier St. Pankraz 1 Stück erlegt wurde, waren jetzt Ulten und Naturns an der Reihe, so wurde es vereinbart.

Bei der Vollversammlung im Juli im Jagdrevier Ulten hat dann wiederum eine Steinwildverlosung stattgefunden.

Das erste Los fiel auf den Jäger Tobias Gamper und 2 weitere Jäger des Revieres Ulten.

Schon beim ersten Mal war ausgemacht, dass die Jäger immer nur einen Tag zur Steinwildjagd aufbrechen können, und dann der nächste Verloste abwechselnd im Dreitagesrythmus drankommt.

Bei der Verlosung wusste man noch nicht, was für Stücke Steinwild mit Dekret des zuständigen Landesrates freigegeben werden.

Am 16. September wurde dann das Dekret an die 3 Reviere übermittelt, welches den Abschuss der besagten Steingeis, und eines Bockes mit einem Mindestalter von 9 Jahren festlegte.

So trug es sich zu, dass Samstag des 17. September der erste Verloser zum Ausmachen des Steinbockes ins Gebiet des Falkomai aufgebrochen ist, eine mögliche Erlegung war damals noch weit weg.

Niemand wusste so recht Bescheid, wo sich das Steinwild zu diesem Zeitpunkt aufhalten könnte.

Verschiedene Orte kamen in Frage, und die Jagdaufseher samt Parkpersonal hatten in letzter Zeit keine Beobachtung festgehalten.

Am Freitag, den 23. September bei strahlendem Wetter war es dann wieder soweit, Tobias Gamper und der Jagdaufseher des Revieres Ulten Hansjörg Gamper brachen wiederum zur Steinwildjagd auf.

Ziel war es dieses Mal im Bereich der Nationalparkgrenze, und weiter talauswärts nach dem Steinwild Ausschau zu halten.

Das betroffene Gebiet war somit im Bereich des Flatschberges, Schuasterhüttl und Hasenöhrl.

Beim Abglasen der felsigen und kargen Landschaft ist dann auf einer Entfernung von ca. 1 km ein Steinbock sitzend unter einer Felskante gesichtet worden.

Nach einem langen und schwierigen Aufstieg wollte man näher zum Bock hinkommen, um das Alter zu bestimmen.

Vor Ort wurde der Bock zunächst dann nicht mehr gesehen, da er vom Gelände eingenommen wurde.

Bald aber war man durch ein gekonntes Umgehen in nächster Nähe des Gesichteten, und das Alter wurde auf 9 Jahre geschätzt.

Die Freude war natürlich rießengross, denn der Gesuchte entsprach dem Dekret, und wurde vom Jagdaufseher zum Abschuss freigegeben.

Einer Erlegung stand somit nichts mehr im Wege, die Distanz passte, und der edlen Wildart (König der Alpen) wurde von Tobias der Schuss angetragen.

Kurze Zeit später standen der Erleger, und der Begleiter vor dem Bock und zählten die 9 Jahresringe.

Ein Händedruck mit einem kräftigen Weidmannsheil, und eine Dankesminute an den Heiligen Hubertus durfte nicht fehlen, denn es war jetzt soweit, im Jahre 2011, und beim zweiten Pirschgang wurde das erste Stück Steinwild im Revier Ulten, und das von einem passioniertem Steinwildkenner erlegt.

Tobias verbringt nämlich viel Zeit mit dem Steinwild im Aufsichtsbereich des Jagdrevieres Dorf Tirol, wo das Steinwild wohl zu seiner beliebtesten Wildart zählt, und über welche er auch genauestens Bescheid weiss.

Rasch wurde die rote Arbeit verrichtet, und ein paar Fotos gemacht, aber jetzt kam erst das Schwierige, der Abtransport ins Tal.

 

Aufgrund dem felsigen und steinigen Gelände war an einem Abtransport am späten Nachmittag nicht mehr zu denken.

So wurde beschlossen den Steinbock im Revier zu belassen, und am nächsten Tag die Bergung mit Helfern anzugehen.

Ein paar Telefonate am Abend, und der Bergungstrupp für den nächsten Tag stand bereit.

Um 05,00 Uhr starteten der Erleger, und drei Helfer bei Kaserfeld noch in der Finsternis in St. Nikolaus zum Aufbruch bereit.

Jeder der Beteiligten musste einen dünnen Fichtenstamm mit hinaufnehmen, erst oben am Steinbock verriet einer der Helfer die originelle Idee zur Bauweise eines Bergegerätes aus sog. „Latten“, wie auch auf den Fotos ersichtlich ist.

Nach dem Zusammenbau begann der originelle und anstrengende Abtransport im schwierigen Gelände mit vereinten Kräften.

Eine Vielzahl schöner Fotos, und besondere Landschaftsmotive mit Sonnenaufgang in der Ultner Bergwelt durften nicht fehlen, welche Wendelin mit seinem geübten Augen gekonnt, und in einer Vielzahl auch während der gesamten Bergung festgehalten hat.

Das eine oder andere Rasterle musste selbstverständlich auch sein.

Auf dem Fahrweg angekommen wurde der Bock mit Ästen und Zweigen eingebettet, und etwas müde aber zur Zufriedenheit aller, wurde die Fahrt angetreten.

Natürlich wurde der Abschuss von Jägern und auch Nichtjägern im Tal begutachtet.

Die Jagdhornbläserkollegen von Tobias haben es nicht versäumt mit Hornklängen den Bock zu verblasen.

Bis zum späten Abend wurde noch über das eine oder andere gefachsimpelt und diskutiert.

Eines waren sich aber alle sicher, nicht nur die Erlegung des Steinbockes wird in Erinnerung bleiben, sondern auch die anstrengende Bergung an einem so strahlendem Herbsttag.

Ein Dank ergeht somit vonseiten des Erlegers nocheinmal an den Begleiter Hansjörg Gamper, Wendelin Gamper, Peter Trafoier und Albert Gamper, die am Tage der Bergung anwesend waren.

 

Wir wünschen nachträglich noch ein kräftiges Weidmannsheil, und weiterhin einen guten Anblick in Gottes freier Natur.

 

 

                                                                                                                      Bericht: Martin Trafoier

                                                                                                                      Fotos: Wendelin Gamper  

 

                                                                                               Weitere Fotos finden Sie demnächst im FOTOARCHIV

 

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