BERICHT 56: Die Gams vom Lentsch

Als Gamspirschführer hat man es nicht immer leicht. Die Zeit die man sich dafür nimmt, erstmal passendes Wild ausfindig zu machen, um dann den Jäger hoffentlich zum Abschuss zu führen. Wenn alles passt ist natürlich der Jäger der die Lordbeehren der Weidmänner erntet. Wird aber ein Fehlabschuss getätigt wird der Zeigefinger aber sofort auf den Begleiter gerichtet. Trotzdem ist die Gamsjagd aber immer wieder eine spannende und schöne Zeit auch für uns Gamsbegleiter. Unterhaltsam wird es natürlich wenn man Jagdkollegen wie den „Lentsch Walter“ begleitet. Wer den Lentsch kennt weiß das wir von einem äußerst begeisterten Jäger sprechen mit einer ausnahmst lustigen Lebensart. Egal wie viel Jägerlatein er schätzt, man kann ihm einfach nicht böse sein, auch wenn es ab und zu schon mal so streng wird das ich Baldrian zu mir nehmen musste. Nichts desto trotz hat er sich für die Gamsjagd wieder einmal an mich gewannt und wir versuchten bereits des öfteren einen passenden Abschuss zu finden. Dann war es so weit. In den „Plotten“ stand ein Rudel Gämsen. Mit dabei zwei Jahrlingsgämsen und auch eine passende Geiß. Am Abend sollte es eigentlich passen aber der Meisterschütze hatte wohl einen schlechten Tag. Beschossen wurde ein schwacher Geißjahrling welcher nach dem Schuss , meines Erachtens kerngesund, mit den Übrigen Gämsen absprang. Sicherheitshalber suchten wir aber den Anschuss gründlich ab und am nächsten Tag auch nochmals mit Schweißhund. Nix!! Der einzige Schweiß den wir antrafen war der vom Lentsch. Er rutschte nämlich im steilen Gelände aus und kam zu Sturz. Zum Glück nur Schürfverletzungen. Den Rest hat seine Waffe (OttO) abgekriegt. Ziehloptik zerschlagen, Schaft zerkratzt, Jäger verletzt das war das Ende vom Schützenfest. Lentsch, der sich den Fehlschuss nicht erklären konnte lief nun von einem Schießstand zu anderen um die Waffe wieder in fahrt zu bringen. Aber meistens liegt es ja nicht an der Waffe... :-)  Jedenfalls hatte der Jäger ein paar schlaflose Nächte  und auch den Begleiter litt mit. Als ich Tage nachher mit dem Herbert dem Rotwild nachstellte, konnte ich das Gamsrudel wieder ausfindig machen und verabredete mich prompt mit dem Walter. Der Jungjäger Herbert wollte sich das Spektakel ansehen und begleitete uns. Wir bestiegen die Kanzel und ich konnte bereits eine Gämse sehen , welche es sich auf einem Stock gemütlich gemacht hatte. Irgendetwas musste sie wohl bemerkt haben denn sie wurde hoch als der Letzte von uns in die Kanzel stieg. Zu unser Überraschung ein Jahrlingsbock. Eine halbe Stunde stand er nun an der Salzung und genau eine halbe

Stunde redete ich auf den Lentsch ein sich doch endlich für den Schuss fertig zu machen. Doch der dachte nicht daran. Zu stark, zu schwer, zu dünn, zu dick,zu weit......jede Ausrede viel dem Jäger ein und der Begleiter war am verzweifeln. Dann passierte auch noch dass, von dem ich den Lentsch gewarnt hatte. Unser Jahrling sprang ab. So jetzt war unsere Beute erst mal verschwunden und es war bereits 20 Uhr. Irgendwo konnte ich den Jäger, welcher immer noch in der Hoffnung war das bereits beschossene Stück vor die Buchse zu bekommen verstehen. Trotzdem war ich etwas sprachlos. Schließlich stand ein passendes Stück vor uns, in einem Revier das mit Staudenwuchs leider nicht so übersichtlich ist wie ein Revier im Oberholz. Hier kann die erste Chance oft die einzige sein und alles weitere ist mit sehr vielen Reviergängen und Aufwand verbunden. Kopfschüttelnd glaste ich erneut die Lichtung ab und da stand doch wirklich im letzten Licht wieder eine Gämse. Deutlich schwächer in Wildbrett und Krucke. Ein Blick durch den Auszieher und ich traute meinen Augen nicht. Da stand doch wirklich der Tage zuvor beschossene Geißjahrling. „So an culo hosch lai du Lentsch“ sagte ich lachend zu Walter welcher übers ganze Gesicht strahlte vor Freude. Jetzt hieß es aber erstmal eine ordentliche Auflage richten. Mir ging es wie immer viel zu langsam . Erst Brett rauf, dann wieder runter., dann Sandsack nach vorne dann wieder nach hinten...endlich passte die Auflage und ich verblieb mit den Worten:“bitte keine Gefangenen machen“! Kurz darauf riss die Kugel der 8mal 57 den Jahrling zu Boden. Ich ließ Walter und Herbert auf der Kanzel zurück da es bereits dunkel wurde und stieg so schnell wie möglich auf um das Wild zu bergen. Sorgfältig brach ich das erlegte Stück unter den Augen beider dann auch noch auf und überrreichte dem Lentsch den Erlegerbruch. Bis spät in die Nacht wurde der Gamsabschuss gefeiert und immer wieder auf dem Jagdhorn verblasen.

 

Dem Lentsch (Scharfschütze)auf diesem Wege nochmals ein kräftiges und aufrichtiges Weidmannsheil von deinem (Spezialbegleiter) :-)

 

                                                                                           Erleger: Walter Lentsch

                                                                                           Bericht und Fotos: Christian Lindner, Pirschführer

 

 

 

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