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Die
Monate vor der Jagderöffnung auf den
Trophäenbock habe ich, so wie auch die
vorherigen Jahre genutzt, um mir ein Bild zu
machen, wie viel, wo und welche Böcke es
sich im Revier gemütlich gemacht hatten. Mit
großer Freude konnte ich feststellen, dass
sich auch 2011 (zumindest meiner Meinung
nach) der Rehbestand im Aufwärtstrend
befand, hatten wir in den letzten Jahren
doch zwei strenge Winter, welche vor allem
Rehkitzen und ältere Rehen das Leben
kostete.
Die Natur ist
wie sie ist, und wir Menschen finden dies
manchmal grausam… Aber wir
„hochintelligente“ Wesen sind in letzter
Zeit immer mehr bekannt dafür, das
Natürliche nicht mehr als solches
anzuerkennen.
Also, am 02.
August war es soweit: schon im Dunkeln war
ich über eine Schuttrinne, über der
Dreischusterhütte im schönen Innerfeldtal,
aufgestiegen und hatte es mir irgendwann
gemütlich gemacht, an einer Stelle, von der
aus ich eine riesige
Latschenfläche,
über zwei Talseiten, einsehen konnte. Als
der Tag langsam die Nacht verdrängte, konnte
ich auch schon eine Rehgeiß mit ihrem Kitz
beobachten, welche seelenruhig in den
Latschen, wenige Meter neben der Forststraße
unten äste. Wenig später traten auf einer
mir gegenüberliegenden Schuttrinne zwei
Gämsen aus, und nach kurzem ansprechen
konnte ich eine alte Bekannte
wiedererkennen: eine mittelalte Gamsgeiß,
welche die Krickeln stark nach vorne, über
die Lichter gekrümmt hatte, wahrscheinlich
durch Steinschlag in jungen Jahren. Als ich
durch das Spektiv dem Gamskitz zuschaute,
wie es neben der Geiß auf- und abschwirrte,
hörte ich plötzlich etwas neben mir, und ein
mittelmäßiger Sechserbock äugte zu mir. Er
war aus dem Latschenfeld ausgetreten und
wollte die Schuttrinne überqueren, in
welcher ich saß. Dieser Bock „gefiel“ mir
nicht so sehr, weshalb wir uns noch eine
Weile in die Augen schauten, bevor er
schreckend im Latschenfeld verschwand. Kurz
darauf konnte ich, wieder an der anderen
Talseite, einen roten Fleck ausmachen,
welcher durch die Latschen huschte. Laut
dem Verhalten musste auch dies ein Rehbock
sein! Nach einigen Minuten tauchte der Fleck
einige Meter Talwärts wieder auf, und ich
konnte ihn als Jährlingsbock ansprechen.
Wenige Meter oberhalb des „Knopfer“ stand
dann plötzlich eine Rehgeiß mit ihren 2
Kitzen und schaute aufmerksam in dessen
Richtung, aber die Beiden haben sich nicht
in Brunftspiele vertieft. Wo war er nur, der
Bock, welchen ich einige Wochen vorher in
diesem Gebiet bestätigt hatte? Eine weitere
Schmalgeiß konnte ich noch ausmachen, als
dann plötzlich auf der anderen Talseite ein
Roter Pfeil über einen freien Fleck in den
Latschen sauste. Durch das Spektiv konnte
ich in den Latschen das Geweih des Bockes
erkennen, das war er!
Nun
hieß es, die Entfernung zwischen uns – weit
über einen halben Kilometer – so schnell wie
möglich zu verringern. Rucksack und Gewehr
geschultert, polterte ich über die
Schuttrinne talwärts, den Bock immer mit
freiem Auge beobachtend. Ich konnte die von
ihm eingeschlagene Richtung erkennen, aber
auch er war schnell unterwegs, schneller als
es mir lieb war. Eine brunftige Rehgeiß
wollte er wahrscheinlich finden. Als ich
schließlich auf Schussentfernung war,
richtete ich die Waffe auf dem Rucksack,
aber ich musste feststellen, dass der Bock
in der Zwischenzeit mehr Strecke hinterlegt
hatte, als ich dachte. Nur mehr wenige Meter
konnte ich ihn sehen, dann würde er in
meterhohen Latschen verschwinden! Ein Blick
durch das Leica Geovid und ein Klick: fast
300 Meter! Das müsste mit meiner Waffe
gehen, habe ich doch einiges an Zeit und
Geld darin investiert, um konstante
Präzision mit meiner „dicken Berta“ zu
erreichen. Der Bock aber war weitergezogen,
und kurz bevor er im Latschenfeld
verschwunden wäre, hielt er kurz an und
stand breit zu mir. Der Knall hallte über
das Tal, und der Bock verschwand in den
Latschen. Das Gefühl war gut, der Schuss war
im richtigen Moment gebrochen, weshalb ich
mich nach einiger Zeit zum Anschuss begab.
Einige Schnitthaare und Schweißtropfen
konnte ich finden, der Bock aber lag nicht,
zumindest nicht in unmittelbarer Nähe.
Da das
Latschenfeld ein einziges Labyrinth ist,
rief ich unseren Aufseher Helmut Strobl an,
welcher nach einer halben Stunde auch
eintraf. Sein BGS Askan (†)
nahm auf der Stelle die Fährte auf, und nach
kurzer Hatz gelang es Helmut, dem Bock den
Fangschuss anzutragen. Zusammen verrichteten
wir die rote Arbeit und kehrten dann zum
Auto zurück, wo wir Hund, Bock, Rucksack und
Büchse verstauten. Da die Dreischusterhütte
nicht weit entfernt war, kehrten wir noch
beim Freddy kurz ein, um gemeinsam auf
dieses Erlebnis anzustoßen. Auf diesem Wege
möchte ich mich noch einmal bei unserem
Aufseher Helmut Strobl und seinem
mittlerweile durch einen Jagdunfall
verstorbenen BGS Askan bedanken, haben sie
doch beide eine hervorragende Leistung
vollbracht und zur erfolgreichen Jagd
beigetragen!
Bericht und Fotos:
Fabian
FERRARI – Jagdrevier Innichen |