BERICHT 105

Dammwildjagd im Ausland und Sensationsabschuss im Unterland!

 

Hallo liebe Leser und Leserinnen.

Ich habe auch heuer wieder versucht meinen guten Beitrag im Südtiroler Jagdportal zu leisten und einige Jagderzählungen an den Web-Master, und mittlerweile guten Freund,  weitergeleitet. Aber was soll ich sagen, das Glück war mir heuer das ganze Jahr hindurch hold  und so habe ich auch den einen oder anderen Abschuss tätigen können. Der letzte Abschuss, ein 70 kg Keiler, im eigenen Revier war natürlich der Höhepunkt und ich möchte euch auch diese Erzählung nicht vorenthalten. Ich werde versuchen einige spannende Momente meiner Jagderlebnisse nieder zuschreiben, ohne Euch dabei zu langweilen. Also wo immer ihr das gerade lest, lehnt Euch gemütlich zurück, denn es wird etwas länger dauern

 

Im September durfte ich meinen 40. Geburtstag feiern. Gefeiert wurde zu Hause am „Roanerhof“ und organisiert wurde alles von meinem Schatz und meiner Schwester. Ich war zwar informiert worden, dass einige Verwandte eingeladen werden, aber das wars auch schon. Ich war tagsüber mit der Ernte beschäftigt und als ich abends nach Hause kam, traute ich meinen Augen nicht. So ein riesiger Aufwand und das nur wegen zwei-drei Geladenen! Um 20.00 Uhr trudelten die ersten Gäste ein und es wurden immer mehr. Freunde, Bekannte, Nachbarn, die gesamte Montaner Jagdgemeinschaft, die Fußballmannschaft FC Surponzen '88 und viele mehr. Mamma mia, ich war überwältigt! Es waren um die 50 Leute der Einladung gefolgt, welche nun alle mit mir zusammen bis in die späten Morgenstunden meinen Runden feierten. Meine Kinder hatten bei Musik einen Live-Auftritt und die Geschenke nahmen kein Ende. (Nochmals auf diesem Wege allen ein großes Vergelt's Gott). Eines der Geschenke kam von meinen lieben Frauen und war der Abschuss eines Dammschauflers.!!! Geil oder, und einlösen durfte ich ihn wo immer ich wollte!!

 

Am 25. Oktober war es schließlich soweit. Zusammen mit Elisabeth ging es ab nach Brandenburg in einen Forstbezirk. Organisiert wurde alles von meinem Jagdkollegen Ralf, welcher schon des öfteren dort jagen durfte und natürlich mit dabei war. Leider trieb der Wolf dort sein Unwesen und es wurden mehrere Risse gefunden. Nichts desto trotz versuchten wir unser Glück. Die Brunft hatte ihren Höhepunkt erreicht und es war ein unbeschreibliches Spektakel. Ich hatte keine Dammwilderfahrung und war dementsprechend aufgeregt. Elisabeth hat mich tapfer bei jeden Ansitz oder Pirschgang begleitet. Ralf konnte bereits am zweiten Tag unserer Jagdwoche ,einen stattlichen Schaufler strecken und die Freude aller war natürlich groß. Leider hatten Elisabeth und ich keinen passenden Schaufler in Anblick bekommen und so entschieden wir uns an einem Morgenansitz, einen schlecht veranlagten jungen Hirsch (Knieper) zu strecken. Dann legten wir einen Tag Rast ein und besuchten die deutsche Hauptstadt „Berlin“. Am nächsten Tag gelang uns noch der Abschuss eines Oberkniepers ( Dammhirsch schlecht veranlagt vom 2-3 Kopf).

Sehr glücklich und zufrieden über Anblick, Urlaub und Abschüsse, traten wir eine Woche später die Heimreise an. Der Geburtstagsschaufler war zwar nicht mit im Gebäck aber das sollte sich ändern. Mein Vetter Mike organisierte kurzer Hand 2 Schaufler Abschüsse in Ungarn und als wir alle Dokumente beisammen hatten ging es los. Mit dabei war Mike, Diddi aus Villnöss und meine Wenigkeit. Unbeschreibliches Revier.... Wild ohne Ende..... muss man einmal gesehen haben...traumhaft!!!  Mike, der bereits ein Monat zuvor dort einen Hirsch erlegen durfte, hat Kahlwild bejagt und Diddi und ich Schaufler. Am letzten Tag morgens kam Dietmar zu Schuss und abends legte ich einen starken Schaufler vom 10 Kopf auf die Decke.

 

So, nun aber zu der eigentlichen Erzählung. Als passionierter Schwarzwildjäger zieht es mich mehrmals im Jahr nach Deutschland. Am 8. Dezember wollten deshalb Elisabeth und ich einer Jagdeinladung von Wolfgang, dem Jagdaufseher von Stefan Möndel folgen. Am 7. brachen wir das Vorhaben nach einem Telefonat ab. Grund dafür war die Schlechtwetterfront welche Deutschland überquerte. Schade. Irgendwie hatten wir uns beide schon sehr gefreut und auch eingeplant einen Abstecher nach Maikammer zu machen, um dort Stefan und Silvy aufzusuchen. Elisabeth hatte sich frei genommen und nun saßen wir zu Hause und grübelten was wir mit dem bereits verplanten Wochenende anfangen sollten. Fahren wir zur Kur, oder bleiben wir zu Hause und sparen uns die hart verdienten Euros für den nächsten Vollmond, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben versicherten uns Wolfgang und Stefan

Kurz um entschieden wir uns im Land zu bleiben und wollten nun versuchen ein passendes Stück Rehwild oder Kahlwild zu kriegen. Am Morgen des 8. Dezembers blieb Elisabeth zusammen mit der Tante Anni und meiner Mutter bei den Kindern und ich machte eine Revierrundfahrt. Außer einem starken Gamsbock hatte ich aber keinen Anblick. Beim nach Hause fahren stand plötzlich eine Ricke mit zwei Kitzen  im Hochwald. Schnell noch mit dem Glas ansprechen... Geiß, Bockkitz und zu meiner Freude ein Geißkitz. Mit einem Schuss hinters Blatt konnte ich nun das Geißkitz erlegen und als zufriedener Erleger kehrte ich zurück.

 

Am Nachmittag wollten Elisabeth und ich gemeinsam zum Jagen und welche Emotionen und Freuden uns der bevorstehende Reviergang bereit hielt, konnten wir noch nicht erahnen. Zu Fuß pirschten wir hoch in die Örtlichkeit „Schneiderbödn“. Nach einem stündigen Fußmarsch im steilen Gelände waren wir nun wenige Meter von der Leiter, des von mir errichteten Hochsitzes entfernt. Der Pirschwechsel war voll trockenem Laub und so leise und langsam wie möglich versuchten wir den Baumsitz zu erreichen. Als ich die erste Stufe der Leiter in Besitz nahm, richtete ich meinen Blick an die untere Salzung. Eine Ricke stand dort mit erhobenen Haupt und äugte bereits sichernd zu uns herüber. Nur einen Bruchteil von Sekunden später sprang sie zusammen mit ihrem Kitz schreckend ab. Schnell nutzten wir den Lärm des abspringenden Wildes um auf den Baumsitz zu gelangen. In ihrer Flucht waren die zwei Rehe rechts von der Lichtung steil nach oben geflüchtet, standen nun auf ca. 150m Distanz im Hochwald  und waren von uns nicht mehr einsehbar. Ganze 10 Minuten vergingen bis sich die erschrockene Geiß wieder beruhigte. Wir hörten noch wie Letztere durchs Laub nach links abzogen und dann trat endlich Ruhe ein. Die Ruhe war aber nur von kurzer Dauer! Ein Rascheln, dort wo die Rehe eingezogen waren, riss unsere Antennen wieder nach oben. Dann ein Knacksen und das Adrenalin schoss bereits in meine Adern. Sofort dachte ich an schwerere Kaliber und da kam ja nur Rotwild in Frage. Falsch! An der linken Seite konnte man im oberen Bereich der Schneise in den Hochwald sehen. Da war nun für einen Augenblick ein schwarzer Fleck zu erkennen der relativ flüchtig in Richtung Lichtung anwechselte.

„Eine Gämse“ flüsterte meine nette Begleitung leise. Ich wollte es für einen Bruchteil von Sekunden gar nicht wahrnehmen was ich da gesehen hatte.“Na Wildschwein“ gab ich zur Antwort und nahm meine Merkel in Anschlag. Ganz oben überschlug nun ein Keiler in voller Fahrt die schmale Lichtung und ich fuhr mit meinem Absehen mit. Baum, Stauden, Baum, Stauden überholen und ich sah nur noch die Waffen vom Keiler durchblizzen, als ich kurz vor dem Wurf die Kugel aus der 270 Win befreite. Der Keiler zeichnete stark und brach  nun schwankend nach unten weg. Dann nahm er aber seine Richtung wieder auf und war verschwunden. OH MEIN GOTT..... was war das eben fragte ich nun mit zittriger Stimme Elisabeth!? Beide schüttelten wir den Kopf und sahen immer wieder nach oben in die leere Schneise. Elisabeth schlug ihre Hände vor das Gesicht und lachte. „Eine Sau hier im Revier und Du hast Sie beschossen!“ Ich brachte keinen Ton heraus. Meine Hände zitterten und ich konnte das Adrenalin förmlich riechen! Als ich nachgeladen hatte, stellte ich erstmal meine Waffe zur Seite. Meine Aufregung und Freude stand mir so stark ins Gesicht geschrieben, dass Elisabeth gar nicht mehr aufhören konnte zu lachen. Als ich mich einigermaßen beruhigt hatte informierte ich den Revierleiter, welcher mir anfangs gar nicht so recht Glauben schenken wollte. Dann versuchte ich nochmals das Erlebte zu analysieren. Habe ich vorbeigeschossen oder hat die Sau den Schuss mitgenommen!? Wie weit habe ich denn überhaupt geschossen?? Ganz nach oben waren es 170m und etwas unterhalb hat das Stück die Schneise überschlagen.  Elisabeth war nicht mehr zu halten und wollte nun zum Anschuss aufsteigen, aber ich hatte noch zittrige Füße :-). Zudem hatte ich den Keiler auf mindestens 80 kg geschätzt und nun meiner Liebsten die Gefahr klar gemacht, welche aus einem vielleicht krankgeschossenen Schwarzwild ausgehen würde.

Noch schnell informierte ich auch meinen Vetter Mike und bat ihn sich für eine eventuelle Nachsuche bereitzuhalten. Jetzt war auch ich nicht mehr zu halten. Ich nahm noch schnell das Glas von meiner Waffe, um eventuell auf einen Schuss bei der Nachsuche vorbereitet zu sein und eine halbe Stunde später standen wir in der Lichtung. Die Spannung und die Hoffnung stiegen ins Unermessliche. Langsam und nur nichts falsch machen. Ich begann dort wo die Sau ihre Flucht wieder aufnahm. Von oben kam Letztere taumelnd steil nach unten und ich konnte die Eingriffe der Schalen im Boden erkennen und folgte nun der Fährte. Als ich nach 70 m noch keine Sau vorfand und auch keinen Tropfen Schweiß, machte ich kehrt. Jetzt versuchte ich mein Glück am Anschuss. Vorsichtig suchte ich noch im Hellen die Stelle ab, an der ich den Anschuss vermutete. „Die Richtung stimmp, ober du hosch nit in der Lichtung, sondern in Wold aui gschossn“, wies mich Elisabeth zu recht. So war es auch! Oben im Wald fand ich den Wechsel wo das Schwarzwild angewechselt war. Nur weil kein Laub mehr an den Bäumen hing konnte ich dort einsehen. Und dann, als ich bereits jede Hoffnung aufgegeben hatte, an mir und an meinem Schuss zweifelte, fand ich den Anschuss! Ich drehte mich in Richtung Hochsitz. Mindestens 160 m und ein Labyrinth an Ästen die ich durchschossen hatte. Langsam inspektionierte ich sowohl das Labyrinth, sowie den Anschuss. Der Anschuss sah zwar vielversprechend aus und ich konnte auch keine abgeschossenen Zweige finden,

aber ich hatte ein sehr schlechtes Gefühl. Der informierte Jagdaufseher war nicht vor Ort und hatte auch seine Bedenken nachts einen so starken Keiler nachzusuchen. Es dämmerte bereits und wir entschlossen uns erst mal abzubrechen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen welche Emotionen, welche Gefühle und Gedanken in mir wühlten. Ich hatte in dieser Örtlichkeit schon einige Male Schwarzwild gefährdet und immer wieder lautstark den Wunsch geäußert, ja sogar immer wieder davon geträumt, dort einen Schwarzkittel zu strecken.

Wieder beriet ich mich mit dem Jagdaufseher, welcher mir den Rat gab mich an einen Jagdkollegen zu wenden, welcher auch einen Schweißhund führte. Eine Stunde später und nach 10.000 Telefonaten, trafen der Schweißhundeführer der Revierleiter und mein Vetter Mike am Roanerhof ein. Lagebesprechung und Schilderung des Erlebten. Gemeinsam rekonstruierten wir nun den Hergang nach Aussagen von Elisabeth und mir. Schlussendlich waren es die Worte von Elisabeth die uns veranlasst haben im Dunkeln eine Nachsuche zu versuchen. Sie war der Überzeugung die Sau hätte nicht nur stark gezeichnet, sondern so getaumelt als würde sie jeden Moment umfallen. Mit Taschenlampen und Waffen stiegen wir nun erneut auf. Eine Stunde später, standen wir am Bruchzeichen, welches ich am Anschuss hinterlegt hatte. Im weißen Licht unserer Taschenlampen sah der Anschuss noch beeindruckender aus als im letzten Licht. Schweisspritzer wohin das Auge reichte. Alles deutete auf einen Durchschuss hin und der Schweißhundeführer war sich bereits so gut wie sicher, eine Totsuche absolvieren zu können. Wir berieten noch kurz vor Ort die Vorgangsweise. Schweißhundegespann mit Stirnlampe und starker Taschenlampe an vorderster Front. An der Seite des Schweißhundeführers Mike mit einer zweiten Taschenlampe und geschulterter Schrotflinte. Er war das Licht für die Waffe die ich führte. Bockbüchsflinte gestopft mit Kugel und einer scharfen Schrotladung, natürlich ohne Glas aber mit einem „Doctorsight“ bestens geeignet für einen Schuss auf Wild in Bewegung. Das Schlusslicht machte Oswald mit Stirnlampe und Waffe. Zielstrebig suchte der Vierbeiner die frische Fährte. Vom Anschuss 30 m steil nach unten und dann wieder einem Wildwechsel entlang in die Fluchtrichtung. Nach 70 m aber ging es plötzlich steil nach oben. Der Hundeführer blieb stehen und schaute lachend zu uns zurück. „Der Hund ziag nimmer an der Leine, i moan er hot eppes gfundn“!? Langsam stiegen wir hoch und da lag mein Traum!!!! Ein Keiler mit starken Waffen und aufgebrochenen 70 kg. Ich legte meine Frau Merkel zur Seite, schmiss mich erst mal auf meine Beute und schenkte ihr nach kräftigem Drücken einen dicken Kuss. Ich konnte es zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht richtig glauben im Montaner Revier solch einen Abschuss getätigt zu haben. Was für ein Glück!!! Lange standen wir in dem steilen Gelände und betrachteten mit unseren Taschenlampen den Keiler. Ich fühlte mich als der glücklichste Jäger der Welt und mit einem Juchitzer, der bis ins Dorf zu hören war, machte ich meiner Freude Ausdruck.

Ich erledigte die rote Arbeit und zusammen mit Mike haben wir die Sau  dann hinunter zu den Autos gezogen. Zuerst habe ich natürlich die Lisi informiert!! Als wir dann an den Autos ankamen standen dort auch schon die Lisi, die Mama und die Anni und nahmen den glücklichen Jäger freudig in die Arme. Dann unter Blitzlicht, die Bruchübergabe und die herzliche Umarmung vom Bergungstrupp, die sich sichtlich für mich freuten. Schnell sprach sich der Abschuss herum und immer wieder trafen bis spät in die Nacht Jäger am Roanerhof ein, um den Keiler zu begutachten und dem Schützen die Hand zu schütteln.Die Frauen hatten sich in der Zwischenzeit beim Herd zu schaffen gemacht und uns eine leckere Gulaschsuppe zubereitet. Ich wollte auf keinen Fall die Sau zurücklassen und so haben der Mike und ich, kurzerhand, den Keiler in die Küche geschleppt. Noch nie lag in unserer Küche ein Wildbrett, schon gar nicht ein Keiler und ihr könnt euch ja vorstellen wie die Stimmung war. Dann um Mitternacht ging es wieder runter in den Zerwirkraum. Elisabeth packte mit an und ich konnte ihnen nur mehr hinter herlaufen. Am nächsten Morgen wurde die Beute auf den Anhänger vom Panda in Fichtenzweige gebettet und dann ging es auf ins Dorf. Ein Sensationsabschuss und jeder bestaunte den Keiler und ich war nun nur mehr der zweit glücklichste Jäger auf Erden. Elisabeth war die Glücklichste!!!

 Mit der Begeisterung eines Jägers erzählte und freute sie sich über den Abschuss. Wir waren einfach nur glücklich und ein bisschen stolz zugleich, dass uns so ein Abschuss gelungen war.

Das letzte Bierchen war wohl verfallen und lag mir schwer am Magen...nach Mitternacht musste schließlich meine liebe Begleiterin den Keiler und den müden Jäger nach Hause fahren und ins Bett bringen

 

Allen die bei der Bergung dabei waren möchte ich auf diesem Wege nochmals danken. Auch allen die mit uns beide Tage, bis spät in die Nacht den Sensationsabschuss gefeiert haben und sich mit uns und für uns gefreut haben, ein aufrichtiges Weidmannsdank!!!

 

                                                                                               Bericht und Fotos:  Christian Lindner, Revier Montan

 

 

 

 

nach oben