BERICHT 104: Mein erster Hirschabschuss als Jungjäger

Der Sonntag, 25. September 2011 wird mir für immer in Erinnerung bleiben.

Um 5.45 Uhr riss mich der Wecker aus den Federn, wie an so mehreren Tagen brach ich erneut auf die Hirschjagd auf. Schon Tage zuvor hörte ich das Röhren der Hirsche, bekam jedoch nie einen zu Gesicht. Also beschloss ich mich kurzfristig einen anderen Posten aufzusuchen. Dort angekommen, war ich immer noch nicht ganz sicher, ob ich hier ansitzen soll oder nicht, beschloss aber trotzdem zu bleiben. Nach ca. 20 Minuten hörte ich einen Hirsch röhren, leider im gegenüber liegenden Nachbarsrevier Kastelruth. Wie immer hörte ich wieder das Röhren, habe mir aber nichts weiteres dabei gedacht. Ich bemerkte jedoch, dass der Hirsch über das Tal wechselte. Mein Körper begann sich anzuspannen und ich merkte die innere Unruhe. Nun galt nur noch eines, genaues Beobachten des Tals und Ruhe bewahren. Plötzlich sah ich, wie aus dem dichten Wald ein Tier austrat, der Hirsch röhrte immer lauter im Dickicht des Waldes. Genau beobachtet, kam nach weiteren 10 Minuten ein weiteres Tier aus dem dichten Wald. Die Nervosität stieg. Kaum hatte ich das Tier im Spektiv, sah ich schon den Hirsch dahinter. Als ich diesen Hirsch lichtete, wusste ich sofort: jetzt oder nie! Blitzschnell nahm ich meine Rössler, Kal. 7X64, zur Hand und visierte ihn an. Als er breit stand, stach ich ein und lies den Schuss auf ca. 180 Meter talabwärts brechen, es war 7.10 Uhr. Der Hirsch fiel ins Gebüsch, stand aber sofort auf und ging talabwärts, wo ich ihn aus der Sicht verlor. Sofort nachgeladen, um falls notwendig noch mal einen Schuss anzubringen. Die Tiere wechselten gerade auf mich zu und verschwanden oberhalb von mir in den Wald. Erst jetzt wurde ich richtig nervös und unruhig. Nach einigen Minuten nahm ich das Telefon in die Hand und verständigte meinen Vater und meine Freundin, welche ich bat so schnell als möglich zu kommen. Immer unsicherer wurde ich und machte mir Gedanken, ob der Hirsch wohl wirklich verendet war. Nach einer dreiviertel Stunde kamen endlich meine Freundin Rosi, Tata und Martina. Alle ganz aufgebracht, zeigte ich den Ansitz und die ungefähre Anschussstelle. Wir stiegen das steile, fast zugewachsene Gelände ab, bis wir zur Anschussstelle kamen. Dort fanden wir leider keinen Schweiß, mein Tata fand den verendeten Hirsch nur wenige Meter unter der Anschussstelle und rief erleichtert: „do lieg er jo“! Voller Stolz reichte er mir die Hand und wünschte „Weidmannsheil“. Ich ganz benommen und erleichtert, erwiderte mit einem „Weidmannsdank“. Wir bestaunten den Hirsch, welcher jetzt noch besser und stärker war als im Spektiv, nämlich ein ungerader Kronen-Zwölfender. Wir begannen mit der roten Arbeit und schon bald kamen mein Schwager Stefan und Kumpel Andreas welche uns bei der schwierigen Bergung halfen. Wir zogen den Hirsch talabwärts durch einen kleinen Fluss und sehr steiniges Gelände, das letzte Bergungsstück musste das schwere Tier aufwärts gezogen werden, wo wir es dann mit Sorgfalt auf den Hänger eingebettet haben. Der Hirsch brachte knappe 150 kg auf die Waage. Nach der Bergung feierte ich mit meiner Familie, Freunden und Bekannten noch sehr ausgiebig bis in den frühen Morgenstunden.

Auf diesem Weg möchte ich mich noch einmal bei meiner Freundin Rosi, meinem Tata und Martina, Schwager Stefan und Kumpel Andreas, welcher den Hirsch transportierte, bedanken!

 

Weidmannsheil!

 

                                                                                                          Bericht und Fotos: Martin Vikoler, Revier Lajen  

 

 

 

 

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