Bericht 87:   Der Hornissenwidder

Die Erzählung ist zwar nicht von diesem Jahr, aber ich möchte sie trotzdem mitteilen.

 

Seit vielen Jahren fahren wir in der ersten Augustwoche in die Eifel zur Kahlwildwoche. Auch im letzten Jahr waren wir eine Gruppe von 8 Schweizer Jäger.

Im Konvoi fuhren wir voller Erwartungen nach Bad Bertrich.

Nach der freundlichen Begrüssung unserer Kameraden vom Forst wurden bereits die erste Einteilung vorgenommen.

Zur Freigabe zählten Rehbock, Muffelwild, Lämmer beider Geschlechter, Schmaltier Kalb und Tier, wobei strengstens auf den Abschuss von Kalb vor dem Tier zu achten war.

Weil im vorhergehenden Winter kein Widder zur Strecke kam, wurde auch ein Muffelwidder freigegeben.

Für mich war der Widder kein Thema, weil ich im Oktober einen 1-er Hirsch frei hatte.

 

Am nächsten Morgen in der Früh bezogen wir die uns zugeteilten Sitze. Es war ein herrlicher Morgen und wie es so geht am ersten Jagdtag, die Spannung war gross.

Ich sass in einem Erdsitz und schaute durch einen Graben in eine Schneise hinein. Es war ganz still. Plötzlich vernahm ich durch die Stille in regelmässigen Abständen ein klopfen. Dann eine kurze Pause und es fing wieder an. Ich musste nicht lange raten, das waren Muffelwidder, die untereinander die Rangordnung ausmachten und mit den Schnecken aneinander prallten.

Plötzlich hörte ich, dass Wild wechselte und  ziemlich rasant. Ich schaute in die Richtung des Unterholzes und schon standen drei Muffelwidder vor mir. Es waren halbstarke Kerle, die Schnecken bloss ca. zwei Drittel gedreht. Ich liess die Büchse unten und genoss den Anblick. 

An diesem Morgen ging nicht mehr viel und so kehrte ich zurück ins Forsthaus. Nach und nach kamen alle zurück und wir erzählten einander von unseren Erlebnissen.

 

Am Abend wurden dann die Sitze wieder neu verteilt, ausser man wollte noch einmal auf den gleichen Sitz. Ich konnte gehen wohin ich wollte, ich hatte bei jedem Ansitz Muffelwild vor mir.

Dann am vierten Tag sagte ich mir, wenn heute wieder ein Widder kommt, dann muss er sich in acht nehmen. Unser Jagdleiter verwies mich in eine ganz andere Gegend im "Kondelwald". Der sitz heisst „Tabernakel“.

Um 17.30 Uhr fuhr ich los. Ich musste mein Wagen etwas oberhalb bei einem Holzlagerplatz stehen lassen und zu Fuss zur Kanzel Pirschen. Es war drückend heiss, ich dachte, da passiert vorerst sicher nichts. Ich stieg die Leiter hoch, öffnete die Kanzel und vernahm sofort ein tiefes brummen. Hornissen, was mache ich jetzt. Ganz ruhig beobachtete ich den Flug der Hornissen und merkte, dass die mich gar nicht beachteten. Ich stieg in die Kanzel rein und stellte Rucksack und Büchse in die Ecke. Mir war nicht ganz wohl dabei. Beim Anblick dieser Brummer kriegte ich schon ein bisschen Gänsehaut. Ich vergewisserte mich, wo die wohl ihr Nest haben, kniete nieder und sah unter der Sitzbank ein recht grosses Nest. Da kriegte ich nochmals Gänsehaut und überlegte, ob es doch nicht gescheiter wäre, die Kanzel zu verlassen.

Wie ich mich erhob und ein Blick aus der Kanzel warf, stand eine Herde Muffel in der Lichtung und ästen. Mir blieb fast die Spuke weg. Es waren sicher 6 bis 7 Schafe mit ihren Lämmern. Ja bravo dachte ich, die Büchse in der Ecke und nicht geladen.

Das Muffelwild reagiert auf jede Bewegung auch Bewegung in der Höhe. Ganz vorsichtig nahm ich die Büchse und schob eine Kugel, die ich glücklicherweise in der Tasche hatte, in den Lauf.

Ganz vorsichtig schob ich die Büchse auf den Kanzelrand. Ich hatte die Büchse noch nicht im Anschlag, die Herde kam immer näher zur Kanzel, die vordersten waren bereits 20 Gänge vor mir.

Da kam der Widder auf die Fläche. Ein stattlicher Kerl, ich vergass fast zu schnaufen.

Es war nicht ein 1-er Widder, aber so imposant, dass der mir  passte. Ganz vorsichtig rückte ich mich noch ein bisschen zurecht und kam mit dem ZF wunderbar ins Tier. Ohne lange zu zögern liess ich die Kugel fliegen. Der Widder zeichnete und sprang in das Dick zurück. Ich Atmete tief durch und war mir sicher, dass die Kugel gut abkam.

Die Herde verschwand ebenso im Dick. Nach zehn Minuten, die mir wie eine Stunde vorkam, baumte ich ab und ging zum Anschuss. Unglaublich, kein Schweiss nur etwas Schnitthaare. Ganz ruhig dachte ich und ging zum Dick an die Stelle, wo der Widder rein ging. Die Erlösung, da lag reichlich Lungenschweiss. Der liegt, da war ich mir sicher.

Ein paar Meter hinter dem Dick sah ich ihn dann liegen und war überglücklich über meinen „Hornissenwidder“.

 

Ein unvergessliches Erlebnis.

  

Viele Grüsse und Waidmannsheil

                                                                                                            Bericht und Foto: Toni Pürro - aus der Schweiz

 

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