
Im
Internet in einem Jagdforum lernte ich ihn kennen.
Schon im Email-Verkehr waren wir uns schon recht sympathisch
und konnten uns jagdlich ähnliche Denkweisen teilen.
Manfred, so heisst nun mein neuer Jagdfreund, entpuppte
sich, samt seiner lieben Frau, als herzlicher Gastgeber.
Besorgt um die Erfüllung des Abschusses, kamen wir bald
überein:
Wenns passt, dann passts, ohne Hektik und ohne Stress
wollten wir die Jagd angehen.
Und so geschah es auch!
Ich wurde herzlich empfangen, und da ich die 500 km
durchgefahren bin, freute ich mich auf ein kühles Helles!
Ich fühlte mich gleich wie zu Hause.
Unsere Hunde sollten sich noch kennenlernen und es stellte
sich heraus, dass auch diese beiden älteren Herren sich wie
Geschwister verstanden.
Abends ging es dann bald auf die Jagd:
Ich wurde auf dem Hochsitz in der „hinteren Gma“ gesetzt.
Dort ginge ein Rehbock, auf den schiessen sie alle……
Ein Jagdgast aus der Schweiz hatte den Bock kurz vorher
beschossen – es lag zwar Schweiß, jedoch blieb eine
Nachsuche ohne Erfolg.
Es gingen dort mehrere Böcke, und sollte mir einer gefallen,
dann dürfe ich ihn mir nehmen.
Bald sah ich auch das erste Schmalreh, das seitlich in das
Getreide zog und bald nicht mehr zu sehen war. Gleichzeitig
ästen sich zwei Kitze und deren Mutter aus dem Wald auf eine
Wiese.
Da die Brunft doch im Gange war, hoffte ich auch auf Besuch
des Hausherrn in Form eines Rehbockes.
Den ersten Ansitz beschloss ich nun mit einem schönen
Anblick, als mich dann Manfred abholte. Zu Hause noch Bier
und Schwarzdornschnaps bis wir dann müde zu Bett gingen.
Ich war noch kaum eingeschlafen, als ich mich schon wieder
mein Handy mit der „Südtiroler Nationalhymne: dem Land Tirol
die Treue“ weckte.
Schnell den Polsterabdruck aus dem Gesicht gewaschen und
schon ging’s los.
Diesmal setzte mich Manfred an eine Wiese, in der man dem
ausziehenden Wild sehr nah war – also hieß es, die
Bewegungen der Arme usw. auf ein Minimum zu reduzieren.
Und wirklich bald zog eine Rehgeis auf kürzeste Distanz noch
im Finstern an mir vorbei und dann später wieder zurück.
Eine andere konnte ich mit deren Kitzen beim Äsen
beobachten.
Als mich Manfred abholte, konnten wir im nahen Bestand ein
weibliches Stück Rehwild beobachten. Aber auch dieses schien
alleine zu sein.
Es folgten nun mehrere Ansitze unter Tags, abends und
morgens, allesamt mit Anblick von Reh und Hase.
Der erste Rehbock zog am folgenden Morgen auf ca. 20 Meter
vor dem Erdsitz an mir vorbei.
Ich konnte ihn zwar eindeutig als Sechserbock ansprechen,
aber mehr konnte ich nicht sehen.
Ich ließ ihn ziehen und hoffte dass er mich später noch
besuchen würde, um ihn besser ansprechen zu können. Dies tat
er aber nicht, da er mich kurze Zeit später in meinem Wind
anschreckte.
Am Abend fand ich mich wieder in der „hinteren Gma“ ein. Der
Platz hat mich fasziniert:
Ein Getreidefeld, ein Acker und eine Wiese sowie ein
Wildacker und das alles eingesäumt vom Wald, bzw. Einstand.
Ein wahres Paradies für Rehe.
Ich habe mich nach einer Pirsch bereits am Nachmittag auf
der Kanzel eingefunden. Da ich Zeit hatte und sehen wollte,
ob sich das Rehwild möglicherweise dort beim Brunftgeschehen
beobachten lässt.
Bald ließ sich auch eine Schmalgeis erblicken, aber wie
schon gehabt konnte ich sie bald im hohen Getreide nicht
mehr sehen. Auch ein schwaches Spießerchen fand sich ein.
Dem hätte ich gern die Kugel gegeben, aber auch er nahm das
schützende Getreide an und zeigte bald nur mehr ein paar
sich bewegende Halme.
Ein Kitz labte sich an den saftigen Gräsern im Wildacker und
so wurde mir die Zeit nicht lang.
Im grünen Streifen zwischen Getreideacker und Wald, genau
dort wo vorhin der Knopfbock durchgewechselt ist, steht
wieder ein Reh. Aha das Spießerchen will sich wohl doch noch
zeigen! Innerlich stellte ich mich nun auf den Abschuss
desselben vor. Aber nein – das war ja ein Sechser! Den
wollte ich mir genauer ansehen.
Es könnte ja der Beschossene sein! Ich hab mir die Trophäe
angesehen und bin zum Schluss gekommen, dass er wohl nicht
der Gesuchte sei – er schien mir zu schwach für den
Beschriebenen. Nun näherte sich ihm die Schmalgeis und schon
ging die Hetzte los: mit Rauschen ging die Jagd durch das
Getreidefeld. Diesmal konnte man die Rehe gut sehen, zumal
sie das Feld in hohen Sprüngen durchquerten. Wieder bleiben
sie stehen und zwar genau dort wo ich den Bock beim ersten
Mal gesehen habe. Nun meinte ich am Rücken einen roten Fleck
zu sehen, so, als ob der Bock dort einen Krellschuss
vorzuweisen hätte. Das war dann die Entscheidung für den
Schuss. Es stellte sich später heraus, dass es sich bei dem
Fleck nur um eine Färbung in der Decke handelte.
Der Bock stand breit und ich drückte langsam auf den Abzug
der gestochenen Waffe. Der alte Steyr Mannlicher schickte
das Geschoss direkt dorthin auf den Weg, wo ich hingezielt
habe.
Ein und Ausschuss lagen genau hinter dem Blatt nur etwas
tief. Das war wohl der Grund, dass der Bock nicht im Knall
verendete. Er machte ein paar Sätze und verhoffte. Dieses
Verhoffen nutzte ich und schoss dem sichtlich schwer
Getroffenen einen Fangschuss auf den Träger, welchen er dann
mit sofortigem Zusammensacken quittierte.
Nun erst ließ meine Spannung nach und es schüttelte mich das
Jagdfieber.
Ich sah den Bock im Gras liegen – und ich genoss den
Augenblick! Ich liess das Geschehene noch auf mich
einwirken, bis ich dann endlich meinen Hund aus dem Auto
befreien konnte.
Er soll den Bock finden, auch wenn die Suche nur ein paar
Meter weit ging.
Der vermeintlich vom anderen Gastjäger beschossene Rehbock
war es dann doch nicht. Diesen hat Manfred dann nach meiner
Abreise erlegt – er wies einen Vorderlaufstreifschuss auf.
Da das Tageslicht noch reichte, machte ich noch ein paar
Fotos um dann den Bock in den Kühlraum zu bringen. Ein
tadellos eingerichteter Raum zum Aufbrechen und Zerwirken –
für mich eine Vorlage für den Raum den ich im neuen Haus
dazuplanen möchte!
Manfred war in der Gemeinderatsitzung und so setzte ich mich
mit Lydia zusammen und wir warteten gemeinsam beim
heimischen Gebräu auf des Jägers Rückkehr, der ja noch
nichts wußte vom Jagdglück seines Jagdgastes!
Gemeinsam begutachteten wir erneut den Bock und beschlossen
dann den Abend mit einem letzten Schluck.
Am nächsten Abend wird dann gemeinsam mit anderen Jägern
gefeiert! Mit meinem Jagdhorn verblase ich meinen Rehbock
und gebe noch einige Töne von mir, was den Nachbarn gar
nicht missfiel, wie sie es am nächsten Tag noch beteuerten.
Demnächst kann ich Manfred mit seiner Frau bei uns begrüßen
und ihn auf einen Gamsjahrling begleiten.
Auch hierauf freue ich mich jetzt schon!