Bericht 82: Rehbockjagd im Revier meines Jagdfreundes

Im Internet in einem Jagdforum lernte ich ihn kennen.
Schon im Email-Verkehr waren wir uns schon recht sympathisch und konnten uns jagdlich ähnliche Denkweisen teilen.
Manfred, so heisst nun mein neuer Jagdfreund, entpuppte sich, samt seiner lieben Frau, als herzlicher Gastgeber.
Besorgt um die Erfüllung des Abschusses, kamen wir bald überein:
Wenns passt, dann passts, ohne Hektik und ohne Stress wollten wir die Jagd angehen.
Und so geschah es auch!
Ich wurde herzlich empfangen, und da ich die 500 km durchgefahren bin, freute ich mich auf ein kühles Helles! Ich fühlte mich gleich wie zu Hause.
Unsere Hunde sollten sich noch kennenlernen und es stellte sich heraus, dass auch diese beiden älteren Herren sich wie Geschwister verstanden.
Abends ging es dann bald auf die Jagd:
Ich wurde auf dem Hochsitz in der „hinteren Gma“ gesetzt. Dort ginge ein Rehbock, auf den schiessen sie alle……
Ein Jagdgast aus der Schweiz hatte den Bock kurz vorher beschossen – es lag zwar Schweiß, jedoch blieb eine Nachsuche ohne Erfolg.
Es gingen dort mehrere Böcke, und sollte mir einer gefallen, dann dürfe ich ihn mir nehmen.
Bald sah ich auch das erste Schmalreh, das seitlich in das Getreide zog und bald nicht mehr zu sehen war. Gleichzeitig ästen sich zwei Kitze und deren Mutter aus dem Wald auf eine Wiese.
Da die Brunft doch im Gange war, hoffte ich auch auf Besuch des Hausherrn in Form eines Rehbockes.
Den ersten Ansitz beschloss ich nun mit einem schönen Anblick, als mich dann Manfred abholte. Zu Hause noch Bier und Schwarzdornschnaps bis wir dann müde zu Bett gingen.
Ich war noch kaum eingeschlafen, als ich mich schon wieder mein Handy mit der „Südtiroler Nationalhymne: dem Land Tirol die Treue“ weckte.
Schnell den Polsterabdruck aus dem Gesicht gewaschen und schon ging’s los.
Diesmal setzte mich Manfred an eine Wiese, in der man dem ausziehenden Wild sehr nah war – also hieß es, die Bewegungen der Arme usw. auf ein Minimum zu reduzieren.
Und wirklich bald zog eine Rehgeis auf kürzeste Distanz noch im Finstern an mir vorbei und dann später wieder zurück. Eine andere konnte ich mit deren Kitzen beim Äsen beobachten.
Als mich Manfred abholte, konnten wir im nahen Bestand ein weibliches Stück Rehwild beobachten. Aber auch dieses schien alleine zu sein.
Es folgten nun mehrere Ansitze unter Tags, abends und morgens, allesamt mit Anblick von Reh und Hase.
Der erste Rehbock zog am folgenden Morgen auf ca. 20 Meter vor dem Erdsitz an mir vorbei.
Ich konnte ihn zwar eindeutig als Sechserbock ansprechen, aber mehr konnte ich nicht sehen.
Ich ließ ihn ziehen und hoffte dass er mich später noch besuchen würde, um ihn besser ansprechen zu können. Dies tat er aber nicht, da er mich kurze Zeit später in meinem Wind anschreckte.
Am Abend fand ich mich wieder in der „hinteren Gma“ ein. Der Platz hat mich fasziniert:
Ein Getreidefeld, ein Acker und eine Wiese sowie ein Wildacker und das alles eingesäumt vom Wald, bzw. Einstand. Ein wahres Paradies für Rehe.

Ich habe mich nach einer Pirsch bereits am Nachmittag auf der Kanzel eingefunden. Da ich Zeit hatte und sehen wollte, ob sich das Rehwild möglicherweise dort beim Brunftgeschehen beobachten lässt.
Bald ließ sich auch eine Schmalgeis erblicken, aber wie schon gehabt konnte ich sie bald im hohen Getreide nicht mehr sehen. Auch ein schwaches Spießerchen fand sich ein. Dem hätte ich gern die Kugel gegeben, aber auch er nahm das schützende Getreide an und zeigte bald nur mehr ein paar sich bewegende Halme.
Ein Kitz labte sich an den saftigen Gräsern im Wildacker und so wurde mir die Zeit nicht lang.
Im grünen Streifen zwischen Getreideacker und Wald, genau dort wo vorhin der Knopfbock durchgewechselt ist, steht wieder ein Reh. Aha das Spießerchen will sich wohl doch noch zeigen! Innerlich stellte ich mich nun auf den Abschuss desselben vor. Aber nein – das war ja ein Sechser! Den wollte ich mir genauer ansehen.
Es könnte ja der Beschossene sein! Ich hab mir die Trophäe angesehen und bin zum Schluss gekommen, dass er wohl nicht der Gesuchte sei – er schien mir zu schwach für den Beschriebenen. Nun näherte sich ihm die Schmalgeis und schon ging die Hetzte los: mit Rauschen ging die Jagd durch das Getreidefeld. Diesmal konnte man die Rehe gut sehen, zumal sie das Feld in hohen Sprüngen durchquerten. Wieder bleiben sie stehen und zwar genau dort wo ich den Bock beim ersten Mal gesehen habe. Nun meinte ich am Rücken einen roten Fleck zu sehen, so, als ob der Bock dort einen Krellschuss vorzuweisen hätte. Das war dann die Entscheidung für den Schuss. Es stellte sich später heraus, dass es sich bei dem Fleck nur um eine Färbung in der Decke handelte.
Der Bock stand breit und ich drückte langsam auf den Abzug der gestochenen Waffe. Der alte Steyr Mannlicher schickte das Geschoss direkt dorthin auf den Weg, wo ich hingezielt habe.
Ein und Ausschuss lagen genau hinter dem Blatt nur etwas tief. Das war wohl der Grund, dass der Bock nicht im Knall verendete. Er machte ein paar Sätze und verhoffte. Dieses Verhoffen nutzte ich und schoss dem sichtlich schwer Getroffenen einen Fangschuss auf den Träger, welchen er dann mit sofortigem Zusammensacken quittierte.
Nun erst ließ meine Spannung nach und es schüttelte mich das Jagdfieber.
Ich sah den Bock im Gras liegen – und ich genoss den Augenblick! Ich liess das Geschehene noch auf mich einwirken, bis ich dann endlich meinen Hund aus dem Auto befreien konnte.
Er soll den Bock finden, auch wenn die Suche nur ein paar Meter weit ging.
Der vermeintlich vom anderen Gastjäger beschossene Rehbock war es dann doch nicht. Diesen hat Manfred dann nach meiner Abreise erlegt – er wies einen Vorderlaufstreifschuss auf.
Da das Tageslicht noch reichte, machte ich noch ein paar Fotos um dann den Bock in den Kühlraum zu bringen. Ein tadellos eingerichteter Raum zum Aufbrechen und Zerwirken – für mich eine Vorlage für den Raum den ich im neuen Haus dazuplanen möchte!
Manfred war in der Gemeinderatsitzung und so setzte ich mich mit Lydia zusammen und wir warteten gemeinsam beim heimischen Gebräu auf des Jägers Rückkehr, der ja noch nichts wußte vom Jagdglück seines Jagdgastes!
 

Gemeinsam begutachteten wir erneut den Bock und beschlossen dann den Abend mit einem letzten Schluck.
Am nächsten Abend wird dann gemeinsam mit anderen Jägern gefeiert! Mit meinem Jagdhorn verblase ich meinen Rehbock und gebe noch einige Töne von mir, was den Nachbarn gar nicht missfiel, wie sie es am nächsten Tag noch beteuerten.

Demnächst kann ich Manfred mit seiner Frau bei uns begrüßen und ihn auf einen Gamsjahrling begleiten.
Auch hierauf freue ich mich jetzt schon!

                                                                                                     Bericht und Foto: Diether Platzgummer

 

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