Bericht 73: Ansitz auf Jungfüchse  

Nach einer Woche Abstinenz von meinem Revier freute ich mich auf den heutigen Abendansitz der in erster Linie den Jungfüchsen galt. Trotzdem hielt ich aber auch Ausschau ob unter Umständen ein passendes Schmalreh in meinem  Blickfeld auftaucht. Es war bereits gegen 20:00 Uhr als ich auf meine Kanzel nahe des Fuchspasses aufbaumte und mich dort für einen ungezwungenen längeren Ansitz einrichtete. Was die Wetterlage anging konnte ich mich auch nicht beschweren, lediglich eine leichte Brise füllte durch das vordere Fenster das Kanzelinnere. Bei meinen Rundumblicken  merkte ich erst jetzt das in fast jeder einsehbaren Ecke Hasen beim Abendmahl die Wiesen bevölkerten. Ich konnte auch ohne Glas den Revierteil relativ gut überblicken, und so entging es mir auch nicht als plötzlich zwei Pilzesucher mit ihren großen Körben raschen Schrittes in meine Richtung zogen. Und dem nicht genug quälte sich auch noch ein Jogger bei seiner abendlichen Runde an meiner Kanzel vorbei. Mein Ehrgeiz ließ  es aber nicht zu deshalb meinen Ansitz zu beenden.

Meine Beobachtungen galten dann immer wieder einer alten Scheune und speziell der mit Haselsträuchern bewachsenen Grundgrenze die von den Füchsen als Schutz bei ihren abendlichen Beutezügen genutzt wurde. Auf dem Weg der zu meiner Kanzel führt und dabei die Strauchreihe unterbricht konnte ich nur kurz aber bestimmt die Lunte eines Fuchses erkennen worauf ich meine Büchse richtete. Jetzt hieß es aufpassen, konnte er doch auf zwei Seiten auftauchen, Spannung war angesagt. Wollte er seine Richtung beibehalten musste er ca. 25m weiterziehen um in der Nähe der Scheune aufzutauchen wo er es dann nicht allzu weit hatte ins nächste Waldstück einzuziehen. Es dauerte auch keine zwei Minuten als er tatsächlich dort auftauchte wo ich vermutete.

Aber er zog von mir weg und ich konnte ihn nur durch mauserln  zu einem Haberl bewegen und sich etwas schräg zu stellen, doch meine Bemühungen waren umsonst den mein Schuss ging daneben. „ Asterl war im Weg „.  Ich konnte weder ein Zeichnen noch ein Klagen vernehmen aber trotzdem baumte ich ab um am Anschuss Nachschau zu halten. Außer Geschosssplitter konnte ich in den tiefen Traktorspuren nichts finden kein Schweiß kein Schnitthaar nichts. In der Hoffnung erneut Anblick zu haben kehrte ich zurück zu meiner Kanzel. Es dauerte auch nicht bis ich an einer schwer einsehbaren Stelle der Haselsträucher  eine Geis mit Kitz einziehen sah die aber im selben Augenblick von einem mir bekannten ungeraden Gabler abgelöst wurden. Etwas schreckhaft zog er ebenfalls in die gleiche Richtung was mich aufmerksam werden ließ und ich mein Glas zu Hand nahm um diese Gegend genauer zu beobachten. Bei genauen Hinsehen merkte ich das auf der anderen Strauchseite etwas entlang zog, konnte aber nicht erkennen worum es sich handelte. Meine Büchse mittlerweile wieder gerichtet warte ich gespannt was die Straße überqueren würde. Plötzlich steht ein junger Rotrock mitten auf dem Weg und äugt in meine Richtung. Dieses Haberl nutzte ich um ihm die Kugel anzutragen was er mit einem heftigen Satz ins hohe Gras und den nebenstehenden Sträuchern quittierte.

Am Anschuss angekommen war jede Menge Schweiß vorzufinden, der Jungfuchs lag verendet in den nebenstehenden Haselsträuchern. Um den Jagdterrier  unserer Jungjägerin Regina  sein erstes Erfolgserlebnis zukommen zu lassen rief ich diese an die dann innerhalb einiger Minuten mit Cora eintraf. Am Anschuss angesetzt dauerte es  vielleicht zwei Minuten bis Cora mit dem verendeten Fuchs wieder zurück war.

Und nachdem die Wettervorhersage für die nächsten Tage viel versprechend klangen ließ ich keinen Abend ungenutzt. Zwei Tage später machte ich mich ebenfalls wieder auf den Weg zum gleichen Ansitz um den roten Gesellen meine Aufwartung zu machen. Das sich die Bühne erst füllt wenn für Rehwild das Büchsenlicht schon zu wenig ist war mir mittlerweile bekannt.

Aber ab da stieg dann wieder die Spannung , wird auch heute wieder einer von den Rotröcken auftauchen oder musste ich mit leeren Händen heimkehren. Es war schon nach 21:00 Uhr als der Gabler wieder auf der langen Wiese vor meinem Ansitz auftauchte und ich ihn eine Weile betrachtete um mir ein Bild über sein Alter zu machen.

Aber je länger ich ihn beobachtete umso unsicherer wurde ich, also ließ ich Bock Bock sein und glaste weiter die Gegend ab. An der mit Haselsträuchern bewachsenen Grundgrenze stellte sich plötzlich ein Hase auf seine Hinterläufe was auch mich neugierig werden ließ. Ich leuchtete nun die ganze Länge der Grenze ab und wusste nun weshalb der Hase so nervös war. Ein Jüngling von Fuchs zog dort entlang, wechselte plötzlich seine Richtung und kam direkt auf meinen Ansitz zu.

Nachdem das mauserln letztes mal funktionierte, probierte ich es auch heute wieder, aber so wie es schien hat dieser Kerl noch nie eine Maus gesehen. Erst nachdem ich ihn angeschrien hatte machte er halt. Jetzt konnte ich fliegen lassen und meine 6,5 x 55 ließ ihn augenblicklich verenden.

Zusammenfassend bin ich mit der Strecke vom vergangenen Wochenende zufrieden!

Waidmann's Heil

 

 Bericht und Fotos: Hermann Großalber,  Sulzbach OÖ   

                                                                                                                 

 

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