Bericht 46:  Reifer Bock am Sonntagmorgen

Es ist gegen Ende Februar als ich wieder einmal zum Fuchspassen in meinen Revierteil aufgebrochen bin. Um nicht bei Dunkelheit durch ein Waldstück gehen zu müssen hatte ich mich entschlossen etwas früher meinen Ansitz zu beziehen. Als ich dort eintraf und bei meiner Kanzel die Fenster öffnen wollte bot sich mir ein Anblick mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ein gewaltiger Sechser, im Bast noch wuchtiger aussehend  äugte mir entgegen. Ich hatte ihn zu spät gesehen weshalb er dann auch schreckend absprang, sein Bild mir aber bis heute in Erinnerung blieb weshalb ich auch jetzt zum Aufgang der Bockzeit speziell nach ihm Ausschau hielt. Meine Pirschgänge Anfang Juni führten mich deshalb immer wieder zu jenen Ansitz wo ich den Bock das erste Mal bestätigte, der sich dort aber nicht mehr blicken ließ. Nachdem ich aber auch leidenschaftlicher Fuchsjäger bin wechselte ich nach schwinden des Büchsenlichtes den Ansitz und bezog eine Kanzel nahe eines Fuchspasses. Und genau dort erblickte ich jetzt den gesuchten Bock nach ca. 4 Monaten wieder zu ersten Mal. Ausgezogen war er auf einem kleinen Stück Wiese das von der ersten Mahd verschont wurde und er noch genug Äsung vorgefunden hatte.

Der erste Blick durchs Spektiv bestätigte auch meine Vermutung, er war es mit hundertprozentiger Sicherheit. Das war aber auch das einzige Positive denn mehr als betrachten konnte ich ihn nicht, war doch das Wiesenstück mehr als 300m entfernt und an schießen nicht zu denken. Einige male versuchte ich es an anderer Stelle mit anpirschen doch der Wind war in diesen Bereich immer von Nachteil und so wählte ich für die nächsten Ansitze wieder die Kanzel. Doch auch diese Variante musste ich verwerfen weil mittlerweile auch der Rest dieser Wiese dem Mähwerk zum Opfer gefallen war. Jetzt konnte ich nur hoffen das er ein Nachbargrundstück aufsucht auf dem bereits wieder saftiges Grün nachgewachsen war und ich dort mein Glück versuchen konnte. Einige male hatte ich auch Anblick auf dem frisch bewachsenen Wiesenstück doch war an schießen nie zu denken weil er immer zu einer unmöglichen Zeit auszog und mir dann eine Schussabgabe zu riskant war. So musste ich meinen Plan ändern und versuchte es mit der Frühpirsch an einen Sonntag Mitte Juni.

Um 4:10 Uhr starte ich meine Kaffeemaschine für einen Muntermacher bevor ich mich um halb fünf auf den Weg ins Revier mache. Der Blick nach Westen verspricht wettermäßig nicht gerade das was ich mir wünsche, aber ich habe Glück es hält aus. An jenem Grundstück an dem ich den Bock vermute fuhr ich besonders langsam vorbei, und bei einem Blick aus dem Fenster konnte ich erkennen das bereits ein Bock ausgezogen war, war mir aber nicht sicher ob es sich um meinen Abschussbock handelt. Etwa 200m die Strasse weiter parkte ich meinen Wagen und pirschte 100m zurück zu einem Obstbaum der mir optimale Deckung bot. Irgend etwas hatte er bemerkt, immer wieder äugte er in meine Richtung, durch meine Deckung konnte er mich aber nicht bemerken und so äste er in aller Ruhe weiter immer Richtung Einstand ziehend. Mittlerweile hatte ich ihn angesprochen und so trug ich ihm die Kugel etwas Tiefblatt an die er mit einem heftigen Satz nach vorne quittierte, seine Flucht aber nach 20m zu Ende war und er verendet in einer mit Brombeerstauden bewachsenen Dickung zu liegen kam. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir das ich gerade einmal 35Min. vom Aufstehen bis zur Schussabgabe benötigt habe.

Noch bevor die ersten Lichter in den nahe liegenden Bauernhöfen angingen war ich wieder aus dem Revier verschwunden und hatte einen reifen etwa sechsjährigen Bock erlegt.

 

Waidmann's Heil

 

 Bericht und Fotos: Hermann Großalber,  Sulzbach OÖ   

                                                                                                                 

 

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