Bericht 62: Drei Südtiroler Jäger auf Auslandsjagd 

Der Walter-, Webmaster vom Südtiroler Jagdportal, wurde vom Revierinhaber Stefan Möndel zur Jagdausübung in sein Revier bzw. zum 12 Jägertreffen nach Deutschland eingeladen. 

Gastgeber und  Jagdherr Stefan Möndel und seine liebe Frau die „Sylvie“, welche unter anderem auch Gönner bzw. Mitsponsoren des Südtiroler Jagdportals (Jagderzählungen 2009) sind, gaben Walter die Möglichkeit, zwei weitere Jäger nach Maikammer in Deutschland mitzubringen, um in ihrem wunderschönen Revier die Jagd auf Rehe und Sauen ausüben zu können. Natürlich durfte Walters enger Freund „Toni Pfeifer“ nicht fehlen und zu meiner frohen Überraschung durfte ich der Dritte in der Runde sein.

Um in Deutschland die Jagd ausüben zu könnten, mussten wir den Deutschen Jagdschein beantragen. Behilflich war uns der Kollege Rudi Graml aus Bad Tölz, den Walter schon von früher kannte. Auf diesem Wege möchten wir Rudi nochmals für die Erledigung herzlich danken. Ein Dank gilt auch Petra vom Landesamt für Jagd und Fischerei, die uns die deutschen Jagdscheine ausstellte

 

Die Aufregung war bei allen bereits schon Tage vor der Abreise zu spüren, da wir immer wieder per Mail einige Details abklären mussten. 

Am Freitag Morgen gegen 03.00 Uhr starteten wir voll gepackt mit Jagdausrüstung Proviant und Guter Laune in Richtung Maikammer und kamen gegen ca. 10.00 Uhr bei Silvie und Stefan an, die uns auf ihrer Hausterrasse ein deftiges  Frühstück vorbereitet hatten.

Nach dem Frühstück fuhren wir in Stefans Revier, welches noch ca. 50 km entfernt lag. Gemeinsam fuhren wir um das Revier und der Stefan erklärte welche Hochsitze bzw. welche „Kirrungen“  zur Zeit gut angenommen wurden und in welchem Gebiet das Rehwild bejagt werden darf. Nicht überall durften Rehböcke oder Schmalrehe bejagt werden, denn es gibt im Revier auch Schongebiete. Im Wald dürfen zur  Zeit auch keine Sauen (Rotten) bejagt werden, sondern grundsätzlich nur in Feldern und Äcker. Der Grund: Werden die Sauen im Wald geschossen, fühlen sie sich nicht mehr sicher und flüchten in das Feld und suchen die Deckung in den Getreide- und Rübenäckern, was wieder eine Unmenge von Wildschäden verursachen würde. Werden sie aber im Feld geschossen, suchen sie die Deckung im Wald, denn dort sollen sie sich sicher fühlen.

Nach dieser zweistündigen Rundfahrt durchs Revier ging’s dann wieder zurück zur Jagdhütte, wo inzwischen viele Kollegen vom Stefan eingetroffen waren. Bei einem Glas Wein oder einem Bierchen hatte wir uns vieles  zu erzählen. 

Revierinhaber und Gastgeber Stefan, notiert täglich seine genaue Wildbeobachtung. Jeden Tag wurden die Kirrungen kontrolliert und vermerkt, wo sie angenommen wurden und wo nicht. Dasselbe geschah beim Rehwild, man wusste ungefähr, welches Rehwild sich wo aufhielt.

Anschließend begleitete uns der Gastgeber zu unserer Unterkunft, zum Hotel Mona Lisa, welches ca. 3 Kilometer entfernt lag, und sich in der Mitte des Reviers befindet. Das Hotel wird von einer Familie aus Neapel geführt.  Im Hotel angekommen, konnten wir schon von der Hausterrasse mehrere Stücke Rehwild in den umliegenden Feldern ansprechen.

Kaum hatten wir die Zimmer bezogen, schlüpften wir in die Jagdklamotten und fuhren zurück zur Hütte am Weiher, der umgeben ist von Wald und ruhiger Idylle. Eine gemütliche überdachte Sitzecke, ein Grill, Getränke und Speisen...... ja es war alles super vorbereitet für ein wunderbares Jagdwochenende. Nach einem Glas Wein einigen Bierchen und etwas Aufschnitt mit Südtiroler Schüttelbrot, Kaminwurzen und Speck, wurde nochmals die Lage besprochen. 

Gegen 18.00 Uhr brachte uns Stefan persönlich an unsere Kanzeln und wies uns ein. Wir hatten einen Revierteil für uns alleine! Walter durfte auf die erste Kanzel, eine super schöne Schlafkanzel mit Teppich am Boden und austapezierter Schlafbank, denn er wollte dort die Nacht  verbringen. Zirka 500 Meter entfernt bezog ich meinen Hochsitz, und Toni übernahm das Auto vom Walter und fuhr zur nächsten Kanzel, die einige Hundert Meter von meiner entfernt stand. Als ich in die Kanzel stieg, sah ich lauter Hornissennester. Schnell packte ich wieder meine Sachen zusammen, und bezog eine andere Kanzel ein wenig unterhalb. 

Nun suchten wir, im Gedanken versunken, mit dem Fernglas in der Hand, die vielen Hektars nach Wild ab. Es waren riesige Flächen, wie wir sie bei uns in Südtirol nicht finden. Äcker, Wiesen, Raps- und Getreide Plantagen bis hin zu Rüben Äcker und vielem mehr, traumhaft…….und überall stand Rehwild.

Walter hatte bereits mehrere Geißen vor, als  plötzlich ein Reh rechts vor meiner Kanzel auf die frisch gemähte Wiese austrat. Im Spektiv konnte ich einen Jungen Bock mit Abnormen Kopfschmuck ansprechen, welcher laut Aussagen von Stefan, immer vor der Kanzel von Walter austrat und für uns frei zum Abschuss stand. Aufgeregt wühlte ich im Rucksack nach dem Entfernungsmesser. Es waren 260 m aber der Bock kam langsam auf mich zu. Schnell war eine Auflage für meine Merkel zurecht gerichtet und als der Bock auf cirka 200 m breit stand, trug ich Ihm die Kugel genau auf das  Blatt an.

Da es noch sehr früh war, ging ich sofort zum erlegten Bock um ihn gleich zu bergen. Stefan, den ich übers Handy auf seine Anweisungen hin informiert hatte, holte mich ab und setzte mich auf eine andere  Kanzel damit ich meine Jagdkameraden auch nicht weiter störte.

Toni und Walter welche mir beide auf 600 bis 700 m zuschauten, wünschten mir per SMS ein kräftiges Weidmannsheil.

Auf meine Bitte hin, Sauen bejagen zu dürfen, fuhren wir in ein anderes Revierteil und  der Gastgeber setzte mich an einem Hochsitz im Wald ab. Er bat mich, aus strategischen Gründen nur alleinstehende Sauen zu beschießen. Ich richtete mich also wieder ein und im letzten Licht schnürte ein Jungfuchs genau auf mich zu. Auch Raubwild war uns zu jagen gestattet, darum zögerte ich nicht lange und trug dem Fuchs eine Kugel an.

Inzwischen war es schon sehr dunkel geworden. Toni rief mich an, dass im Auto die Batterie  leer sei, da er vergessen hatte, im Kofferraum die Kühlbox abzuschalten.

Wir wollten Walter nicht beunruhigen; würde er sich von der Kanzel entfernen, wäre der Nachtansitz umsonst  gewesen, Sauen in unmittelbarer Nähe würden das Weite suchen und so beschloss ich zu Fuss zu ihm zu kommen, obwohl ich gar nicht wusste wo ich mich befand. Außerdem hatte ich auch nicht geachtet, wo mich der Revierinhaber Stefan hingefahren hatte. Stefan war telefonisch nicht mehr erreichbar, in einigen Gebieten gab es kein Signal fürs Telefon. Mit dem Rucksack auf dem Buckel, Gewehr geschultert irrte ich durch den Wald, einmal den Weg runter, dann wieder rauf. So marschierte ich orientierungslos mehrere Kilometer durch den Wald, bis ich endlich einen Anhaltspunkt fand, der mir bekannt vorkam. Wieder und immer wieder ein Anruf zum Toni ging ich in eine Richtung. Nach fast zwei Stunden Fußmarsch kam ich beim Toni an, der ratlos neben dem Auto saß.

Wir beschlossen das Auto stehen zu lassen und gingen zu Fuß zum Gasthof, welches wiederum einige Kilometer entfernt lag. Während Walter auf seiner Kanzel übernachtete und von diesem Vorfall nichts mitgekommen hatte, gingen wir zu Bett und beschlossen am frühen Morgen das Auto abzuholen.

Am nächsten Morgen gegen 4 Uhr früh, gingen wir wiederum wie zwei Soldaten, mit Rucksack und Gewehr geschultert bis zum Auto. Dort angekommen rief ich am  Telefon Walter an, und berichtete ihn über den Vorfall. Er meinte wir sollen das Auto anrollen lassen, er müsste ohne weiteres anspringen. Gesagt getan, problemlos sprang der Wagen an. Toni bezog inzwischen eine Kanzel um auf den Rehbock oder Wildschwein anzusitzen, während ich Walter abholte, der schon bei der Strasse auf mich wartete. Gemeinsam fuhren wir zur Kanzel wo ich am Tag vorher den Fuchs erlegt hatte um ihn dort abzuholen. 

Auf der Rückfahrt klingelte das Telefon. Toni war dran, er informierte uns, dass er einen Rehbock erlegt habe. Wir konnten es nicht recht glauben, denn: „Wer einmal schwindelt, den glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht!“ Tatsächlich lag ein reifer Rehbock vor ihm. Wir wünschten  ihm natürlich Weidmannsheil und warteten bis Widlhüter Volker vorbeikam um den Rehbock abzuholen. 

Während wir zum Gasthof zurückkehrten, brachte Wildhüter Volker den Rehbock in die Kühlzelle.

Nach einem ordentlichen Frühstück beschlossen wir, uns bis 12 Uhr Mittags aufs Ohr zu hauen, denn die Strapazen vom Tag vorher waren uns anzusehen. Auch Walter hatte die ganze Nacht ohne Walderfolg angesessen. 

Gegen 13.00 Uhr ging’s dann wieder zurück zur Jagdhütte, denn zu Mittag war grillen angesagt. Dort angekommen, war der Grillmeister Rudi Graml schon beim vorbereiten der Grillwürste und Spießchen mit Wildfleisch. Frau Sylvie hatte ein  reichhaltiges Salat- und  Gemüsebuffet vorbereitet.

Jeder erzählte was er gestern erlebt hatte. Ein Erlebnis von den Schwaben möchte ich hier erwähnen. Es klingt wie Jägerlatein, aber es entspricht der Tatsache: Die Wildschweine suchen zur Zeit die Deckung in den Weizen und Rapsfeldern, um sich auch bei diesen Hitzen vor das Ungeziefer zu schützen. Nachdem dort die Sauen öfters gesehen wurden, beschlossen Revierinhaber Stefan und die Schwaben Manfred, Bernhard und Hans Ross in einem solchen Acker zu stöbern und mit geladener Büchse am Rande die Sauen abzustehen.

Manfred, watete sich durch den Acker. Es gelang ihn tatsächlich, einige Bachen mit Frischlinge zu bewegen.

Wie sie auch dem Bild P52, im Fotoarchiv sehen können, sind in den Äckern Furchen hinein gefahren, um die Sauen besser bejagen zu können, denn die Sauen benutzen fast immer die Furchen als Fluchtweg. Manfred stand mitten im Acker als die Bachen mit Frischlinge neben ihn vorbeisausten. Manfred sah ein Frischling direkt auf ihn zukommen, er bückte sich langsam und stürzte sich direkt auf den Frischling und hielt diesen am hinteren Bein (Lauf) fest. Der Frischling schrie  derart jämmerlich, dass Manfred in ganz erschrocken wieder losließ.  Die Rotte flüchtete bei den Schützen vorbei die ebenfalls dieses Geschehen mitverfolgen konnten, aber nachdem zur Zeit keine Bachen erlegt werden dürfen, blieb es bei diesen einmaligen Erlebnis  

 

Nach dem Mittagessen konnte noch  jeder beim Preisschießen die Treffsicherheit unter Beweis stellen.

Beim Schießen landeten Walter und ich im Mittelfeld. Toni rettete die Südtiroler Ehre und platzierte sich geschickt auf dem 3. Platz. Er ergatterte somit einen Wildschwein oder 1er Bock Abschuss im Revier!

Als es Abend wurde und wir einen wirklich tollen und gelungenen Nachmittag in geselliger Runde verbracht hatten, ging es wieder auf den Ansitz. Also nachdem der Walter noch nichts erlegt hatte, wurde ihm eine Kanzel zugeteilt, wo immer wieder Rehböcke gesichtet wurden. Ich saß als letzter an und musste auch nicht lange warten als mich die erfreuliche Nachricht vom Walter erreichte:  „So Linde, iatz honi a mein Bock erlegt“. Ich wünschte ihm natürlich ein kräftiges Weidmannsheil.

An diesem Abend hielt ich Ausschau auf Schwarzwild, leider konnte ich bis  Mitternacht keine Sau ansprechen. Über 15 Stück Rehwild konnte ich von der Kanzel aus sichten, einen Fuchs und mehrere Feldhasen sowie einen Fasan! Gegen 24.00 Uhr holte mich der Wildhüter beim Hochsitz ab und wir fuhren zurück zum Weiher, bzw. zum abendlichen Lagerfeuer. Ein Kessel voller Goulaschsuppe stand bereit, und so berichtete jeder vom abendlichen Jagderlebnis bei Bier und Wein. Gegen 2.00 Uhr früh ließen wir nun den Abend ausklingen und begaben uns wieder zu Bett. 

Am nächsten Morgen brachten Walter und ich den Arsch vom Bett nicht raus und so machte sich der Toni zusammen mit den Gastjägern aus Schwaben auf die Pirsch.

 

Die Abschlussfeier war am Sonntag, gegen 10.00 Uhr angesagt.

Der Gastgeber und Revierpächter hielt noch eine kurze Ansprache, er bedankte sich bei allen Anwesenden für das disziplinierte Verhalten und wünschte noch den Erlegern ein Weidmannsheil.

Gleichzeitig wurden auch einige Preise, darunter auch Wildabschüsse an die Bestplazierten vom Preisschießen übergeben.

Außerdem wurden wir nochmals im August zur Wildschweinjagd eingeladen, denn zu dieser Zeit sind die Äcker gemäht und die Wildschweine suchen gleich nach der Ernte nach abgefallen Korn und somit wäre ein Jagderfolg vielversprechend meinte der Revierinhaber. Stefan Danke für die Einladung und wir kommen gerne wieder!

 

Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns nochmals beim Stefan Möndel und seiner Frau Sylvie für die wunderschöne Jagdeinladung, der vorbildlichen Gastfreundlichkeit und der guten Organisation recht herzlich bedanken

Bedanken möchten wir uns auch beim Volker, für den unermüdlichen Einsatz bis in den frühen Morgenstunden!  

  Weidmannsheil und Weidmanndank

                                                                     Fotos: Jagdportal und Stefan Möndel, Bericht: Christian Lindner

 SIEHE DAS FOTOARCHIV

 

nach oben