| Bericht 56: Eine freudige Überraschung |
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Dass ich in Sachen Jagd ein Glückspilz bin, wurde mir schon öfters nachgesagt, denn es war mir mehrmals das Jagdglück beschert, einen Abschuss zu tätigen, den eigentlich niemand für möglich gehalten hätte. Entweder war der Bock bis dato unbekannt oder er wurde von mehreren Jägern erfolglos bejagt. So war es auch einmal in Oberösterreich bei meinen Freunden im August. Wir waren bereits zu Mittag bei unserer Unterkunft angekommen. Wir, das waren meine Frau und ich. Mein Begleiter sollte wieder Max sein, der Ausgeher im Revier. Dieser hatte für mich einen passablen B-Bock, welchen ich zum Abschuss frei hatte, ausgemacht und hütete diesen bereits seit einiger Zeit wie seinen eigenen Augapfel. Der Bock war sehr zuverlässig und trat beinahe immer gleichmäßig an derselben Stelle aus. Es sollte keine Kunst sein, ihn zu erlegen. Dies war mir eigentlich gar nicht so unrecht, wäre dies doch eine Gelegenheit, mich in der verbleibenden Zeit meiner Frau zu widmen, welche, wie bei den meisten Jägern unter der Zeitnot des angetrauten Jägers leidet. Der Bock hatte seinen Einstand unfern des Hofes von Max im Herzen des Revieres. Er trat direkt in seiner Wiese aus. Die Wiese war an drei Seiten von Mischwald umgeben und man konnte eine Eisenleiter mit Sitzgelegenheit sehr leicht seitlich erreichen. Der Wind sollte hier auch kein Problem sein! Als das Mittagessen und die Begrüßung vorbei war, drängte uns der Jagdherr zum Aufbruch; er war wie immer besorgt um den Erfolg seiner Gäste bei der Pirsch. Also fuhren wir zu Max nach Hause, wo natürlich schon Kaffee und Kuchen bereitstanden, den Maria, Max’s Frau, war besorgt um unser Wohlergehen. Man kann ja keine Jäger hungernd auf die Pirsch schicken! (Wir hatten uns kurz zuvor reichlich beim verspäteten Mittagessen den Bauch vollgeschlagen!!) Meine Frau wollte mit Maria einen Spaziergang unternehmen, während wir uns an die beschriebene Stelle begaben, wo wir dem neuen Jagderlebnis entgegenfieberten. Es war inzwischen recht spät geworden und die Zeit des Austretens sollte bald kommen. Aber sie kam nicht. Der bestätigte Bock war nicht, wie üblich da! Da auf einmal im allerletzten Büchsenlicht kam ein Reh vom unteren Rand in unsere Richtung, den Äser am Boden. Es war mir als ob der Bock recht grimmig dreinschaute, aber es war nicht der besagte Rehbock! Er war besser und anscheinend auch älter. Max sprach den Bock an, was durch die voranschreitende Dämmerung nicht gerade vereinfacht wurde. Endlich kam dann sein erlösendes „Schieß, der passt!“. Es war also ein B-Bock. Der Schuss war keine Kunst! Auf ca. 60-70 Meter trug ich dem Bock, so schien mir jedenfalls, eine sichere Kugel an. Dieser dachte jedoch nicht daran im Feuer zu liegen, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Nein, er macht kehrt und flüchtete scheinbar gesund über den Drahtzaun ins Gebüsch! Wir warteten eine Weile um dann, zumindest den Anschuss zu untersuchen. Wir konnten jedoch kein Schusszeichen entdecken. Entweder waren wir nicht an der richtigen Stelle oder ich hatte den Bock gefehlt. Ich konnte dies nicht glauben, musste mich aber damit abfinden, dass wir, um dem Schweißhund die Arbeit nicht allzu sehr zu erschweren, nicht nachgehen sollten. Max glaubte auch nicht an einen Fehlschuss. Schnell war der Hund da und der Bock war auch gleich gefunden. Er war nur mehr über den Zaun am Waldrand geflüchtet und lag dahinter in einem kleinen Wassergraben. Eine halbe Handbreit hinter dem Blatt war der Schuss ins Leben getreten, aber trotzdem wären wir ohne Hund und Taschenlampe wahrscheinlich, trotz der kurzen Distanz nicht so schnell an den erlegten Bock gekommen. Es wurde, wie üblich die Rehkrone genau betrachtet, aufgebrochen, Schützenbruch überreicht, bzw. übernommen und Waidmannsheil gewünscht. Natürlich wurde aufgeregt über das Geschehene diskutiert. Dann trugen wir meinen Rehbock zum Wirtschaftsgebäude meines Begleiters. Dort erwartete mich aber inzwischen eine freudige Überraschung: Die örtliche Jagdhornbläsergruppe hatte, nachdem sie von irgendwem n(?!?) angerufen wurden, ihre wöchentliche Musikprobe unterbrochen, und verlagert, um mir den Rehbock zu verblasen. Natürlich wurde noch lange gemeinsam gefeiert! Der Bock hing an der Garage und wir hatten es uns daneben im Garten gemütlich gemacht. Bei diesem Bock handelt es sich unweigerlich um einen meiner besten Böcke, die ich bis heute geschossen habe. Das mit der übrigen Zeit für die beste aller Ehefrauen hat sich dann erübrigt - die Zeit wurde zum Tot-Trinken und feiern weiterjagen verwendet… Weidmannsdank an alle Beteiligten! Bericht: Diether Platzgummer |