Bericht 53:  Erfolgreiche Nachsuche mit einem schwer gezeichnetem Hund
In einem wunderschönen mit Eichen und Kastanien bewaldetes Jagdrevier, im Elsass, weidwerkten wir auf Reh, Hirsch und Wildschwein. Der Tag begann viel versprechend und da und dort brachen auch schon früh Schüsse im Revier und die Hunde brachten das Wild zu unserer Freude, nach kurzer Suche auf die Läufe und trieben es da und dort den Jägern, auf ihren zugeteilten Ständen zu. Als wir uns zum dritten Trieb, nach kurzem Äser, neu zu unseren zugeteilten Ständen begaben und uns dort einrichteten begannen schon früh die Hunde zu jagen, an ihrem Spurlaut war zu entnehmen das sie auf Sauen gestoßen sein mussten, denn die Hundelaute bewegten sich nicht vom Fleck und dies bedeutet das Entweder eine Sau oder ein starker Brasse sich nicht aus der Dickung schieben wollte oder liess!! Nach ca. einer halben Stunde vernahm ich fünf kurz nacheinander folgende Schüsse in meiner Nähe, aber die Hunde
gaben weiterhin laut aber in Richtung zu mir, die Hunde sind etwa 20 bis 30 Meter an mir vorbei durch die Dickung gehetzt! Aber keine Spur von Wild!! Was war geschehen!! Als die Nachricht übers Handy zu mir kam dass wir uns zum Ausgangspunkt begeben sollten ist in mir kein gutes Gefühl und dies sollte sich bald bestätigen. Am Treffpunkt
angekommen ist mein Jagdfreund mit seinem Hund nicht zugegen und mir wurde mitgeteilt dass Roger Ertle mit seinem Hund Artos ins Tierspital in die Notaufnahme musste!  Die Jagd wurde für diesen Tag beendet und wir gingen ins Restaurant und warteten dort auf Roger Ertle und sein Hund Artos. Artos (16 Monate alt) war schwer von einem Keiler angegangen und aufgeschlitzt worden, an Hinterlaufkeule und vorn an der Brust (siehe Foto), ich dachte mir, wird er wohl weiterhin Sauen oder anderes Wild Jagen oder gar auf Schweiß, nachsuchen! Denn bei Hunden weis man nie
wie sie auf solch ein Erlebnis (Schock) reagieren!!
Ein paar Tage später sollte mich Artos eines besseren belehren! Auf der Gamsjagd stand mir am späten Abend kurz vorm Dunkelwerden ein kapitaler Gamsbock zu, weil ich pirschte im steilen Gelände hatte ich nur das Aimpoint  auf meinem Blaser-Stutzen drauf aber ich konnte den Bock gut ansprechen aber er stand spitz zu mir und äugte unsicher zu mir runter. Ich überlegte soll ich den Schuss wagen auf die ca. 165 bis 170 Meter und nur tief auf den Stich!!! Ich beschloss zu warten.
Einige Minuten vergingen und auf einmal legte sich der Bock nieder ins Lager und blickte aber immer sichernd zu mir runter, ich wurde etwas unsicher denn die Chance wollte ich nutzen, denn ich schoss schon Jahre keinen Gamsbock mehr und solch ein braver kommt nicht alle Tage vor die Büchse! Also beschloss ich mit einem Pfiff ihn zum Aufstehen
zu bringen aber erst nach dem dritten Pfiff und mit dem Arm wild gestikulierend bequemte sich der Herr aufzustehen, aber er steht wiederum spitz zu mir da ich ein sicherer Schütze bin und Vertrauen in meine alte Blaserlady habe drehte ich den Leuchtpunkt auf kleinste Größe und setzte den roten Fleck etwas tief auf den Stich (im Hinterkopf, Berg hinauf und hinunter so halte drunter!)  Als der Schuss brach, sah ich wie der Bock wie vom Blitz getroffen in sich
zusammensackte aber ich konnte ihn bergauf nicht mehr ausmachen, Auf dem kleinen Plateau, wo er Sekunden vorher noch zu mir runter sicherte.
Als ich mich in Richtung zum Anschuss (Bock) begab, sah ich wie vom Blitz hingestellt eine Gams stehen!! Ja sollte ich, ja ist und, und………
Diese Gedanken schnellten mir durch den Kopf, mein Beschossener sein!! Aber schnell konnte ich diese(n) Gams ansprechen, ein junger Bock von ca. 21/2 Jahren steht genau an der Stelle wo ich den meinigen beschossen habe und äugt zu mir und immer wieder schräg retour in den Steilhang, als ich mühsam kletternd den Anschuss erreichte lag da
keine Gams aber jede Menge helle Schnitthaare und eine schleimig-Grüne Masse aber kein tropfen Schweiß! Was nun! Weil es sehr schnell Dunkel wurde beschloss ich mich zu meinem Auto zu begeben und zuerst unseren Wildhüter über das Geschehene zu informieren! Zuhause Angekommen wollte ich einen Hundeführer mit dem Natel anrufen, aber
keiner der 4 Nachsuchegespanne die Pikettdienst hatten an diesem Tag konnte ich erreichen.
Also habe ich Roger Ertle angerufen und ihn gefragt, ob Artos in der Lage sei (nach der schweren Keilerattake) mit mir eine erschwerte Nachsuche in sehr steilem Gelände vorzunehmen! Es soll gesagt sein das ich mit Artos noch nie auf Schweißfährte geführt und gearbeitet habe und er ist ja erst 16 Monate alt! Gesagt getan am nächsten morgen gegen zehn Uhr, habe ich Artos auf eine Übernachtfährte ca. 600 - 700 Meter (Schweißfährte) in sehr schwerem felsigen steilabfallendem Gelände angesetzt nach zweimaligem Ansetzen, weil ich nicht glauben konnte das mein Bock mit dem insichtragendem Schuss, stetig schräg dem steilen Berg hinauf kletterte!! Aber wiederum ging‘s die gleiche Route schräg an dem steilen Abhang hinauf, ich auf allen Vieren nach Grasbüschel und Felsgriffe Halt suchend, das Ende des Schweißriemens zwischen den Zähnen ging Artos zitternd und etwas unsicher aber sicher suchend 300 Meter mit mir nach oben, auf einmal an einer Geröllabbruchrinne ging‘s Schnell und zügig (ich auf meinem Arsch rutschend) 200 Meter steil nach unten auf etwa der Höhe wo ich mit Artos zum Anschuss gelaufen bin schwenkte er hochwindend und sehr zügig rechts in den Buchenwald wo alles mit Plaggenblätter bewachsen war, ein. Stark im Riemen ziehend
konnte ich ihm fast nicht folgen und musste ihn etwas zurückhalten aber dies war nicht mehr notwendig den er stand nach etwa 150 Meter beim Bock der steiff und mehr als Tod vor ihm lag. Die Freude in mir war überaus groß, vom Berg droben halten drei, vier überaus glückliche Jutzer ins Tal hinunter. Durch meine Ruhe und Vertrauen zu
Artos, der trotz den schweren Verletzungen vom Keiler, hat der noch Junge Artos von Roger Ertle eine überaus tadellose Riemenarbeit geleistet!!  Die Kugel 11.5 gr. TIG, riss vorn im Stich ein 7cm großes Loch auf, das schleimige Grün kam von Schlund, wurde aber von einem Faustgrossen Fettbrocken wieder verschlossen, die Kugel fand den Weg
schräg im Körper nach hinten und steckte deformiert im Innenbereich der Keule, nur die Lunge hatte ein bis zwei kleine Geschoßsplitter abbekommen! Ein kräftiges Weidmannsdank und Heil an den Hundebesitzer Roger Ertle und natürlich an Artos, das sind zwei Jagdtage die einem Jäger der fast dreißig Jahre zur Jagd geht, immer in sehr, sehr guter Erinnerung bleiben.
Nachgefügt, auf der ganzen Fährte fand ich keinen einzigen Tropfen Schweiß!

 

                                                         Dieser Text wurde unverändert Online gestellt

                                                                            Bericht und Foto: Edy Nussbaumer; CH-6415 Arth/SZ (SCHWEIZ)

 

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