Bericht 48:  Jagdglück mit Kamera und Büchse
Frühmorgens aufstehen und das am Vortag, für einen Tag Hochjagd, Gepackte (Essen, Getränk, Wetterschutz, Gewehr, Munition, Jagdstock und natürlich die Fotoausrüstung) zusammenraffen, im Rucksack verstauen und ab auf die Hochjagd!
Der Weg ins Gebiet der Gamsen, welches zwischen zwei Schutzgebieten eingebettet ist und mit zwei Stunden Fußmarsch ist sehr kräftezehrend. Die Gamsen dort, habe ich schon vor Jagdbeginn ausgemacht und es war auch ein  idealer Abschuss dabei. 
Als ich nun an der Schongrenze entlang dem Berg hinauf pirsche,  sehe ich auf etwa 200 Gänge vor mir eine kapitale Gamsgais mit ihrem Kitz, die mich trotz meines vorsichtigen pirschens und im noch "schumrigen" Morgenlichts längst eräugt  haben!
Vorsichtig und ohne hastige Bewegungen hole ich die Kamera mit dem 500er Objektiv aus dem Rucksack, um diese Fotoaufnahme nicht zu verpassen.    
Führende Gamsgaisen sind für mich tabu und unsere Jagd erlaubt einen solchen Abschuss ja sowieso nicht,  aber solch ein Foto schiesst man nicht alle Tage. Im stillen dachte ich mir: Der Tag fängt ja gut an, habe ich noch weiter so ein Weidmanns-Glück?
Nach einer halben Stunde Fussmarsch bin ich am Ort-, dort wo ich eine Gamsgeis ausgemacht habe,  die mir wegen ihres abgeschlagenen Krickels ins Auge gestochen ist angekommen!
Am besagtem Platz sehe ich schon im Gegenhang mehrere Gamsen mit Kitzen und Jahrtiere äsen,  auch ein guter Bock steht etwas abseits dem Rudel. Aber meine gewünschte Gamsgeis ist nicht dabei.
Mir ist Wochen vorher schon aufgefallen, dass sie immer mit einer etwas älteren Geis ihren eigenen Weg gegangen ist, aber immer in der Nähe der Gamsgruppe die jetzt im Gegenhang stehen sich aufhaltet. Ein, zwei, drei Stunden vergehen das Gamsrudel hat sich schon in schattige Felsnischen begeben. Die Kitze und zwei Jährlinge spielen immer noch auf dem Schneefeld etwa 150
Meter schräg vor mir. Auf einmal stehen alle still und äugen in Richtung zu mir. Wind kommt in meine Richtung, gut getarnt bin ich auch nur was ist da los dachte ich mir? Etwa ein Jäger der den gleichen Ort aufsuchen will oder.....? Vorsichtig suche ich mit meinem Fernglas die Gegend ab und sah ein Wanderer der sich wohl verirrt hat und vom Weg abgekommen ist. Er steuert direkt auf mich zu. Als er bei mir ankommt, sind alle Gemsen im Gegenhang  verschwunden und ich  dachte mir: "Guete Nacht am Sächsi"!! Hier ist wohl heute die Jagd vorbei. Mit innerlichem Groll zeige ich ihm freundlich wo sein Weg zum Tal führt, er dankte mir und wünscht mir noch ein Weidmannsglück. Ich lächle dazu!
Der Hunger und der Durst meldete sich in der Gürtelgegend, also packe ich meinen Rücksack aus und betrachte nebenbei das  herrliche Bergpanorama. Plötzlich höre ich Steine und Geröll kullern und sehe das Rudel wieder im Hang von vorhin stehen. Schnell in Stellung und wo ist die gesuchte Geis? Mein Blick geht durch jede einzelne Gams. Da ist die gesuchte Dame dachte ich mir,  immer noch zu weit abseits des Rudels. An einen sicheren Schuss war nicht zu denken.
Das Rudel hat sich etwas beruhigt und äugt immer wieder zu den zwei Gamsen, die sich in meine Richtung bewegen. Rucksack hingelegt Gewehr in Stellung, Kontrollblick durchs Zielfernrohr, auf die zehnfache Vergrößerung  eingestellt und warten bis sie auf 200 Gänge herankommen, dann werde ich schiessen, dachte ich mir. Meine Wunschgais ist inzwischen auf 180 Gänge herangekommen. Ich visiere das Blatt und warte auf den richtigen Moment. Der Schuss bricht und die Gams macht einen Schritt vorwärts, einen Schritt rückwärts und "rolliert" schließlich den Geröllhang hinunter. Die anderen Gamsen verfolgen das Geschehen und bleiben immer noch am Hang stehen.
Erst als ich mich erhebe und Richtung meiner erlegten Gams laufe,  herrscht allgemeine  Aufbruchstimmung. 
Beim aufbrechen (siehe Foto) sehe ich eine Abnormalität auf der Leber (Gallengrösse, Nierengrösse!!!)
Einen besseren Tag  konnte ich mir nicht wünschen und so schultere ich meine Beute und laufe höchstzufrieden den Weg zurück zum Auto.  

Diana sei Dank.


                                                                       Bericht und Foto: Edy Nussbaumer; CH-6415 Arth/SZ (SCHWEIZ) 
 

nach oben