| Bericht 44: Der Urhahn vom Auerboden |
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Nach nahezu 23 Jahren vielen schönen Jagderlebnissen, hatte ich bisher nie wirklich die Möglichkeit auf einen Auerhahn zu jagen. Umso größer war die Freude als mir meine beiden Weidkameraden Josef und Helmut diesen Wunsch ermöglichten. Die beiden Jäger jagen in einem gepachteten Eigenjagdrevier mit erfahrungsgemäß gutem Hahnenbestand. Das Revierteil „Auerboden“ versprach vom Namen her doch schon Einiges. Josef sollte mein Pirschführer sein und der erste Pirschgang war immer noch von den extremen Schneeverhältnissen des vergangenen Winters geprägt. Am ersten Morgen herrschte eine gute Balz und der Hahn konnte in einem teilweise unübersichtlichen Fichtenbestand zwar bestätigt, jedoch nicht gesichtet werden. Voll Zuversicht pirschten wir am nächsten Morgen an den ausgemachten Balzplatz. Nach kurzer Zeit begann der Hahn zu singen. Josef und ich befanden uns direkt unter dem deutlich wahrnehmbaren Hahn. Seltener Weise mussten wir den Hahn nicht anspringen. Im Gegenteil, um eine geeignete Schussposition zu finden, war es erforderlich uns vom Balzbaum zu entfernen. Nachdem wir in der Forstwegböschung einen brauchbaren Platz fanden, setzte der mittlerweile nicht sonderlich vertraute Auerhahn sein Balzen fort. Josef befand sich wenige Meter neben mir und konnte nunmehr von seiner Position aus in der immer noch vorherrschenden Finsternis die Umrisse des Hahnes an der Spitze einer Fichte mit abgebrochenem Wipfel, wahrnehmen.
Am Boden kriechend verlegte ich
meinen Standort und versuchte eine geeignete Schussposition zu
finden. Die extreme Spannung, aber auch der Druck keinen Fehler
zu machen um den Hahn nicht abzuheben, wurde nunmehr immer
größer. Um 4.45 Uhr unterbrach der Schuss diese faszinierende und geheimnisvolle Stimmung. Freude, Momente der Rührung, ein aufrichtiges und ehrlich gemeintes Weidmannsheil meines Pirschführers und meines mittlerweile eingetroffenen Weidkameraden Helmut. Doch nicht genug, im Tal angekommen stellten sich die Jagdhornbläser und einige Weidkameraden ein. Mit dem feierlichen „Tot verblasen“ bezeugten wir gemeinsam noch einmal Ehrfurcht und Respekt für den alten "Kötschacher Urhahn" und dieses wohl einzigartige Weidmannsheil.
Bericht und Foto: Joachim Fankhauser aus Kötschach (Kärnten) |