Bericht 43:  Spielhahnabschuss im Revier Schnals

25 Oktober 2008: Eigentlich sollte ich als Mitglied der Jagdhornbläsergruppe „SIMILAUN Schnals“ an diesem Samstag Morgen im Bus sitzen der zur Landeshubertusfeier nach Schloss Wolfsthurn  fährt und nicht unter einer alten, verwitterten  Zirbe an der Waldgrenze, aber leider musste ich nachmittags zur Arbeit und deswegen war eine Teilnahme bei der Landeshubertusfeier leider nicht möglich. Am Vorabend erzählte ich dies meinem Jagdfreund Erich und dieser machte mir den Vorschlag, da er seinen Hahn schon letzte Woche erlegt hat mich zur Spielhahnjagd zu begleiten.

Ich war Guter Dinge denn Erich ist ein ausgesprochen erfahrener „Spielhahnjager“ und vielleicht führt ja er mich zu meinem langersehnten Spielhahn. Wie besprochen, holte ich Erich früh morgens zu Hause ab und wir fuhren mit dem Auto bis nach Kurzras. Am  "Wieshof" angelangt, bei stockdunkler, klarer und sehr kalter Sternennacht begannen wir den recht mühsamen und steilen Aufstieg bis an die Waldgrenze. Dort angekommen schlug Erich vor, ich sollte mir unter der besagten Zirbe alles zurecht richten, er selber zog es vor sich auf den nächsten Bergrücken Richtung "Lazaun" zu begeben um dort bei Tagesanbruch alles abzuglasen. Mit einem Waidmannsheil verabschiedete er sich und ich machte es mir unter der Zirbe gemütlich. Da der Spielhahn bekanntlich auf jeder Feder ein Auge hat, nutzte ich  die Dunkelheit um alles herzurichten.  Spektiv, Fernglas und Entfernungsmesser waren griffbereit und mein Merkel Kipplauf war  eingebettet. Ich saß noch lange im Dunkeln und döste vor mich hin, als mich kurz vor Tagesanbruch, aber noch bei völliger Dunkelheit,  ein flattern ganz in meiner Nähe aus dem „Halbschlaf“ riss. Ein Hahn ist ganz in meiner Nähe eingeflogen aber es war noch viel zu dunkel, und die Zeit die verstrich bis ich schusslicht hatte, kam mir vor wie eine Ewigkeit. Langsam erwachte der vielversprechende Tag, scharf zeichnete sich die noch im Dunkeln liegende Vegetation  gegen den bereits heller werdenden Himmel ab, die Umgebung begann allmählich Grautöne Farbe anzunehmen und alles auf was man sich konzentriert, fing sich an zu bewegen. Ich saß zirka eine Stunde am Ansitz und dämmerte wie der anbrechende Tag vor mich hin, glaste jeden Quadratmeter der Umgebung ab, aber nichts, nichts, was meinen Puls beschleunigen würde. Was hatte ich falsch gemacht, wahr ich zu laut, hat mich der Hahn vernommen? Ich suchte nach Fehlern, fand aber keine. Obwohl ich aufgrund der vorgerückten Stunde nicht mehr mit dem Kleinen Hahn rechnete glaste ich immer noch die Umgebung ab und plötzlich!! Halluziniere ich oder bewegt sich das Geäst keine 150 Meter vor mir tatsächlich? Ich griff zum Spektiv und versuchte mit dem Objektiv die Bewegung einzufangen, kein einfaches Unternehmen, denn mein Puls raste und ich hatte große Schwierigkeiten  diesen unter Kontrolle zu halten. Ja!! Es war ein Birkhahn. Deutlich konnte ich seine leicht roten Rosen ober den Augen erkennen. Jetzt nur keinen Fehler machen. Mit langsamer Bewegung tauschte ich das Spektiv mit dem Entfernungsmesser, keine 150 Meter vor mir, aber leider von Geäst verdeckt befand sich  der Hahn. Im Zeitlupentempo griff ich zur Büchse, und richtete das Zielfernrohr auf den „Schwarzen Ritter“ und wie herbei gewünscht verlies er in diesem Moment seine Deckung. Ich lies die Kugel fliegen und der Vollmantel meiner 308er Winchester bannte den Hahn auf den mit Flechten bedeckten Hochgebirgsboden. Deutlich konnte ich durch das Zielfernrohr erkennen wie der blütenweiße Unterstoß mir entgegenleuchtete. Keine fünf Minuten später kam mein Jagkollege Erich zu mir und nach einem obligaten „Schnappsl“ gingen wir gemeinsam zum Anschuss. Unbeschreiblich war das Gefühl, als ich den Birkhahn in einem Bett von harzigen Almrauschzweigen liegen sah, es kam mir vor wie im Traum, aber auch ein bisschen Wehmut verspürte ich als ich diesen prächtigen Vogel vom Boden aufhob. Mein Freund Erich, wünschte mir noch einmal ein kräftiges Waidmannsheil, übereichte mir den Erlegerbruch und ich gab dem Hahn die Letzte Ehre in dem ich ihm einen Almrauschzweig in den Brocker schob. Leider verstrich die Zeit jetzt wie im Fluge, und nach einem ausgiebigen „Holmittog“ kehrten wir dann mit dem erlegten Spielhahn ins Tal zurück, denn ich musste ja Nachmittags zur Arbeit. Mit dieser Erzählung möchte ich mich noch einmal bei meinem Jagdkollegen Erich bedanken, denn ohne ihn hätte ich wahrscheinlich keinen Spielhahn erlegt.

 

                                                                                          Bericht und Fotos: Roland Gamper, Jagdrevier Schnals   

                                                                                                                 

 

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