25 Oktober 2008: Eigentlich
sollte ich als Mitglied der Jagdhornbläsergruppe „SIMILAUN
Schnals“ an diesem Samstag Morgen im Bus sitzen der zur
Landeshubertusfeier nach Schloss Wolfsthurn fährt und
nicht unter einer alten, verwitterten Zirbe an der
Waldgrenze, aber leider musste ich nachmittags zur
Arbeit und deswegen war eine Teilnahme bei der
Landeshubertusfeier leider nicht möglich. Am Vorabend
erzählte ich dies meinem Jagdfreund Erich und dieser
machte mir den Vorschlag, da er seinen Hahn schon letzte
Woche erlegt hat mich zur Spielhahnjagd zu begleiten.
Ich
war Guter Dinge denn Erich ist ein ausgesprochen erfahrener „Spielhahnjager“
und vielleicht führt ja er mich zu meinem langersehnten Spielhahn.
Wie besprochen, holte ich Erich früh morgens zu Hause ab und wir
fuhren mit dem Auto bis nach Kurzras. Am "Wieshof" angelangt, bei
stockdunkler, klarer und sehr kalter Sternennacht begannen wir den
recht mühsamen und steilen Aufstieg bis an die Waldgrenze. Dort
angekommen schlug Erich vor, ich sollte mir unter der besagten Zirbe
alles zurecht richten, er selber zog es vor sich auf den nächsten
Bergrücken Richtung "Lazaun" zu begeben um dort bei Tagesanbruch
alles abzuglasen. Mit einem Waidmannsheil verabschiedete er sich und
ich machte es mir unter der Zirbe gemütlich. Da der Spielhahn
bekanntlich auf jeder Feder ein Auge hat, nutzte ich die Dunkelheit
um alles herzurichten. Spektiv, Fernglas und Entfernungsmesser
waren griffbereit und mein Merkel Kipplauf war eingebettet. Ich saß
noch lange im Dunkeln und döste vor mich hin, als mich kurz vor
Tagesanbruch, aber noch bei völliger Dunkelheit, ein flattern
ganz in meiner Nähe aus dem „Halbschlaf“ riss. Ein Hahn ist ganz in
meiner Nähe eingeflogen aber es war noch viel zu dunkel, und die
Zeit die verstrich bis ich schusslicht hatte, kam mir vor wie eine
Ewigkeit. Langsam erwachte der vielversprechende Tag, scharf
zeichnete sich die noch im Dunkeln liegende Vegetation gegen den
bereits heller werdenden Himmel ab, die Umgebung begann allmählich
Grautöne Farbe anzunehmen und alles auf was man sich konzentriert,
fing sich an zu bewegen. Ich saß zirka eine Stunde am Ansitz und
dämmerte wie der anbrechende Tag vor mich hin, glaste jeden
Quadratmeter der Umgebung ab, aber nichts, nichts, was meinen Puls
beschleunigen würde. Was hatte ich falsch gemacht, wahr ich zu laut,
hat mich der Hahn vernommen? Ich suchte nach Fehlern, fand aber
keine. Obwohl ich aufgrund der vorgerückten Stunde nicht mehr mit
dem Kleinen Hahn rechnete glaste ich immer noch die Umgebung ab und
plötzlich!! Halluziniere ich oder bewegt sich das Geäst keine 150
Meter vor mir tatsächlich? Ich griff zum Spektiv und versuchte mit
dem Objektiv die Bewegung einzufangen, kein einfaches Unternehmen,
denn mein Puls raste und ich hatte große Schwierigkeiten diesen
unter Kontrolle zu halten. Ja!! Es war ein Birkhahn. Deutlich konnte
ich seine leicht roten Rosen ober den Augen erkennen. Jetzt nur
keinen Fehler machen. Mit langsamer Bewegung tauschte ich das
Spektiv mit dem Entfernungsmesser, keine 150 Meter vor mir, aber
leider von Geäst verdeckt befand sich der Hahn. Im
Zeitlupentempo
griff ich zur Büchse, und richtete das Zielfernrohr auf den
„Schwarzen Ritter“ und wie herbei gewünscht verlies er in diesem
Moment seine Deckung. Ich lies die Kugel fliegen und der Vollmantel
meiner 308er Winchester bannte den Hahn auf den mit Flechten
bedeckten Hochgebirgsboden. Deutlich konnte ich durch das
Zielfernrohr erkennen wie der blütenweiße Unterstoß mir
entgegenleuchtete. Keine fünf Minuten später kam mein Jagkollege
Erich zu mir und nach einem obligaten „Schnappsl“ gingen wir
gemeinsam zum Anschuss. Unbeschreiblich war das Gefühl, als ich den
Birkhahn in einem Bett von harzigen Almrauschzweigen liegen sah, es
kam mir vor wie im Traum, aber auch ein bisschen Wehmut verspürte
ich als ich diesen prächtigen Vogel vom Boden aufhob. Mein Freund
Erich, wünschte mir noch einmal ein kräftiges Waidmannsheil,
übereichte mir den Erlegerbruch und ich gab dem Hahn die Letzte Ehre
in dem ich ihm einen Almrauschzweig in den Brocker schob. Leider
verstrich die Zeit jetzt wie im Fluge, und nach einem ausgiebigen „Holmittog“
kehrten wir dann mit dem erlegten Spielhahn ins Tal zurück, denn ich
musste ja Nachmittags zur Arbeit. Mit dieser Erzählung möchte ich
mich noch einmal bei meinem Jagdkollegen Erich bedanken, denn ohne
ihn hätte ich wahrscheinlich keinen Spielhahn erlegt.
Bericht
und Fotos:
Roland Gamper, Jagdrevier Schnals
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