Am
zweiten Tag der Hochjagd 2008 konnte ich den mir bestens
bekannten Ansitzposten auf Rotwild beziehen. Begleitet von
Sherpa Uli, fuhren wir gegen 06.00 Uhr mit dem Jeep von der
Jagdhütte los. Meine Hunde "Simba" und "Zicco" hinten in der
Box. Gefüttert mussten diese halt im Auto warten, Uli konnte
ja jederzeit für ein paar Minuten zu ihnen um sie
auszuführen.
Nach
kurzer Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht, kurze
Kontrolle, ob alles mit war, wäre ja nicht das erste
mal, dass das Fernglas im Fahrzeug vergessen wurde.
Alles war dabei und somit konnte es also losgehen. Die 500
Meter bis zum Ansitz kannte man ja, wenn da nicht die drei
Gletscherbäche zu überqueren wären.
Vor zwei Jahren landete meine Blaser im Bach. Auch schon
zwei meiner Jagdfreunde nahmen hier schon morgens Ihr
Gletscherbad. Dieses Jahr führte der erste Bach recht wenig
Wasser, die Steine waren jedoch nicht minder rutschig. Heil
und trocken erreichten wir den gedeckten Ansitzposten noch
im Dunkeln. In aller Ruhe konnten wir uns für einen
längeren Ansitz einrichten.
Im Flüsterton fragte ich den Uli, ob die letzte Nacht wohl
Wild eingewechselt sei, hatten doch zwei meiner
Jagdfreunde gestern im gegenüberlegenden Hang 3 Stück
Kahlwild erlegen können und ein uns Bekannter einen Spiesser.
Mit dem Abtransport der Beutetiere wurde zusätzlich Radau
gemacht, wenn noch Wild in der Nähe war, wurde dieses sicher
vergrämt. Vom nahen Banngebiet konnte ja immer Wild
einwechseln, vielleicht auch ein Hirsch der seine Kühe
vermisste. Die Brunft hatte durch den frühen Wintereinbruch
bereits angefangen. Langsam aber sicher siegte der Tag.
Mit
dem Glas konnte man jetzt bereits die kahlen Stellen gut
überblicken, nichts rührte sich. Wie abgemacht
kontrollierte Uli die Linke, ich die rechte Seite.
Nichts! Wir hatten jetzt bereits 1 Stunde die Bergflanke
unter Kontrolle, kein Haar bewegte sich. Ich legte mein Glas
auf das Holzbrett, wollte ja keine Glotzaugen bekommen. Nach
einer ganzen Weile meldete mir Uli eine Gams, die noch im
Morgenbett lag. Ich brauchte einige Zeit bis ich sie im Glas
hatte, weil ich zu hoch suchte. Endlich hatte ich sie
erblickt, schnell hatte ich die Gams im Spektiv, ein
stattlicher Bock lag da auf einem Felsband. Solange der Bock
wiederkäute war an kein Schuss
zu denken, also bettete ich meinen Weatherby zurecht und
nahm Mass. Uli behielt den Bock unter Kontrolle, ich
beschäftigte mich mit dem abglasen des Hanges. Nach weiterer
3/4 Stunde meinte Uli, dass ich mich jetzt bereit machen
sollte, der Bock würde in den nächsten Minuten hochkommen.
Ich hatte das Fadenkreuz auf dem Bock visiert und schon
langsam kam er hoch, streckte sich und in dieser
morgendlichen Dehnung brach der Schuss. Im Zielfernrohr
konnte ich noch zwei Fluchten nach links mitverfolgen, dann
herrschte Stille.
Waidmannsheil meinte Uli, der
liegt. Dieser Meinung war ich ebenfalls, aber sicher bin ich
mir erst wenn ich den Bock streicheln kann.
Um ihn zu streicheln zu können, muss aber zuerst der Hang
erklommen werden. So beschlossen wir den mit
Erlenstauden zugewachsenen Graben hochzusteigen. Oben war
noch ein recht breites Felsband zu begehen um zum Anschuss
zu gelangen. Bachnass standen wir nun einige Meter vor dem
Lager, dort an der Anschusstelle, aber vom Gamsbock war
nichts zu sehen. Auf einmal hatte ich den Brunftgeruch in
der Nase. Suchend drehte ich mich um und keine zwei Meter
unter uns lag der Bock in den Alpenrosen. Vor Freude umarmte
mich Uli, nochmals wünschte er mir ein Waidmannsheil. Ich
ließ ein "Freudensjuchizer" los.
Beim
näheren betrachten des Bockes, stellte ich fest, dass er dem
Bock den ich vor zwei Jahren erlegen konnte ähnlich war. Wir
zählten 11 Jahresringe und der Bock wo 30 kg.
Nach der Büro und Rotarbeit, wollte sich meine Kollege Uli
die Bergung nicht nehmen lassen, also einigten wir uns: Er
trug den Bock bis zum Ansitzposten und den restlichen
Transport übernahm ich.
Beim Auto angekommen fragte
ich mich, wie wohl mein junger Terrier auf sein erstes
erlegtes Stück reagieren würde. Im Schatten des Fahrzeuges
legte ich den Bock ins Gras, beide Hunde waren sichtlich
nervös. Simba sprang aus der Box und nahm den Bock in seinen
Schutz. Zicco zeigte kein Interesse, also versuchte ich ihn
zu locken. Tatsächlich kam er näher, bellte aber den Bock an
und flüchtete weider in sichere Distanz.
Nach einigen Fotos packten wir Bock in den Jeep, und ab zur
Jagdhütte auf ein kühles Bier.
Unserm Sherpa, Koch, Bäcker usw. ein Waidmannsheil!