Bericht 36:  Erinnerungen an die Hochjagd

Am zweiten Tag der Hochjagd 2008 konnte ich den mir bestens bekannten Ansitzposten auf Rotwild beziehen. Begleitet von Sherpa Uli, fuhren wir gegen 06.00 Uhr mit dem Jeep von der Jagdhütte los. Meine Hunde "Simba" und "Zicco" hinten in der Box. Gefüttert mussten diese halt im Auto warten, Uli konnte ja jederzeit für ein paar Minuten zu ihnen um sie auszuführen.
Nach kurzer Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht, kurze Kontrolle,  ob alles mit war, wäre ja nicht das erste mal,  dass das Fernglas im Fahrzeug vergessen wurde. Alles war dabei und somit konnte es also losgehen. Die 500 Meter bis zum Ansitz kannte man ja, wenn da nicht die drei Gletscherbäche zu überqueren wären.
Vor zwei Jahren landete meine Blaser im Bach. Auch schon zwei meiner Jagdfreunde nahmen hier schon morgens Ihr Gletscherbad. Dieses Jahr führte der erste Bach recht wenig Wasser, die Steine waren jedoch nicht minder rutschig.  Heil und trocken erreichten  wir den gedeckten Ansitzposten noch im Dunkeln. In aller Ruhe konnten wir  uns für einen längeren Ansitz einrichten.
Im Flüsterton fragte ich den Uli, ob die letzte Nacht wohl Wild eingewechselt sei, hatten  doch zwei meiner  Jagdfreunde gestern im gegenüberlegenden Hang  3 Stück Kahlwild erlegen können und ein uns Bekannter einen Spiesser.  Mit dem Abtransport der Beutetiere wurde zusätzlich Radau gemacht, wenn noch Wild in der Nähe war, wurde dieses sicher vergrämt.  Vom nahen Banngebiet konnte ja immer Wild einwechseln, vielleicht auch ein Hirsch der seine Kühe vermisste. Die Brunft hatte durch den frühen Wintereinbruch bereits angefangen. Langsam aber sicher siegte der Tag. Mit dem Glas konnte man jetzt bereits die kahlen Stellen gut überblicken, nichts rührte sich.   Wie abgemacht kontrollierte Uli die Linke,  ich die rechte Seite. Nichts! Wir hatten jetzt bereits 1 Stunde die Bergflanke unter Kontrolle, kein Haar bewegte sich. Ich legte mein Glas auf das Holzbrett, wollte ja keine Glotzaugen bekommen. Nach einer ganzen Weile meldete mir Uli eine Gams, die noch im Morgenbett lag. Ich brauchte einige Zeit bis ich sie im Glas hatte, weil ich zu hoch suchte. Endlich hatte ich sie erblickt, schnell hatte ich die Gams im Spektiv,  ein stattlicher Bock lag da auf einem Felsband. Solange der Bock wiederkäute war an kein Schuss
zu denken, also bettete ich meinen Weatherby zurecht und nahm Mass. Uli behielt den Bock unter Kontrolle, ich beschäftigte mich mit dem abglasen des Hanges. Nach weiterer 3/4 Stunde meinte Uli, dass ich mich jetzt bereit machen sollte, der Bock würde in den nächsten Minuten hochkommen. Ich hatte das Fadenkreuz auf dem Bock visiert und schon langsam kam er hoch, streckte sich und in dieser morgendlichen Dehnung brach der Schuss. Im Zielfernrohr konnte ich noch zwei Fluchten nach links mitverfolgen, dann herrschte Stille.

Waidmannsheil meinte Uli, der liegt. Dieser Meinung war ich ebenfalls, aber sicher bin ich mir erst wenn ich den Bock streicheln kann.
Um ihn zu streicheln zu können, muss aber zuerst der Hang  erklommen werden. So beschlossen wir den mit  Erlenstauden zugewachsenen Graben hochzusteigen. Oben war noch ein recht breites Felsband zu begehen um zum Anschuss zu gelangen. Bachnass standen wir nun einige Meter vor dem Lager, dort an der Anschusstelle, aber vom Gamsbock war nichts zu sehen. Auf einmal hatte ich den Brunftgeruch in der Nase. Suchend drehte ich mich um und keine zwei Meter unter uns lag der Bock in den Alpenrosen. Vor Freude umarmte mich Uli, nochmals wünschte er mir ein Waidmannsheil. Ich ließ ein "Freudensjuchizer" los.
Beim näheren betrachten des Bockes, stellte ich fest, dass er dem Bock den ich vor zwei Jahren erlegen konnte ähnlich war. Wir zählten 11 Jahresringe und der Bock wo 30 kg.
Nach der Büro und Rotarbeit, wollte sich meine Kollege Uli die Bergung nicht nehmen lassen, also einigten wir uns: Er trug den Bock bis zum Ansitzposten und den restlichen Transport übernahm ich.

Beim Auto angekommen fragte ich mich, wie wohl mein junger Terrier auf sein erstes erlegtes Stück reagieren würde. Im Schatten des Fahrzeuges legte ich den Bock ins Gras, beide Hunde waren sichtlich nervös. Simba sprang aus der Box und nahm den Bock in seinen Schutz. Zicco zeigte kein Interesse, also versuchte ich ihn zu locken. Tatsächlich kam er näher, bellte aber den Bock an und flüchtete weider in sichere Distanz.
Nach einigen Fotos packten wir Bock in den Jeep, und ab zur Jagdhütte auf ein kühles Bier.

 
Unserm Sherpa,  Koch, Bäcker usw. ein Waidmannsheil!

 

  Bericht und Fotos: Kari Schmid (Glis)     

                                                                                                                 

 

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