Bericht 26:  Der Gamsbock

 

Es war Ende Oktober, in den Höhenlagen war schon gut Schnee gefallen als mich Hans, ein Jäger aus unserem Revier, anrief und mich fragte ob ich ihn nicht auf den Gamsbock begleiten könnte. Ich stimmte selbstverständlich zu und so verabredeten wir uns für das nächstmögliche Wochenende um auf Gamsjagd zu gehen. Es war ein sternenklarer Morgen anfangs November, unterhalb der Tarscher Alm, bei gut 20 cm Schnee war unsere Fahrt mit dem Jeep zu Ende und so begaben wir uns auf den ca. 2 stündigen Aufstieg ins Gamsrevier. Unser Ziel war ein Hang oberhalb der "Zirmruanhütte" wo ich eine Woche vorher einen recht guten Gamsbock ansprechen konnte. Nach einem im hohen Schnee recht mühseligen, kräftezehrenden Aufstieg machten wir auf der Zirmruanhütte eine kurze Rast und suchten das Gebiet nach Gamswild ab. Einige Geisen mit Kitze scharrten nicht weit von uns im Schnee nach Äsung und während Hans das Gamswild durch mein Spektiv beobachtete sah ich plötzlich oberhalb des Gamsrudels eine einzelne Gams über den Grad zum Vorschein kommen. Mein Gefühl sagte mir sofort dass es sich wohl um einen Bock handeln wird, und ein Blick durch das Spektiv bestätigte meine Vermutung. Es war ein Bock, doch nicht der auf den ich hoffte. „Junger Bock“ flüsterte ich Hans zu, der sich ein leises „Schade“ nicht verkneifen konnte. Erst mal abwarten. Wir begannen so langsam ein wenig „Halbmittog“ zu essen doch kaum angefangen tauchte oberhalb des 2-jährigen Bockes ein weiteres schwarzes „Etwas“ auf und durch mein Spektiv konnte ich einen reifen Bock ansprechen. „Der weart grod die 6 Johr hoben, den kannt man schun schiasn“ flüsterte ich Hans zu. Seine Entscheidung war schnell getroffen. „Der geat guat!“. Knappe 400 Meter trennten Hans von seinem Bock, an einen sicheren, waidgerechten Schuss war nicht zu denken und somit beschlossen wir den Bock etwas anzugehen. Das nötigste in den Rucksack verstaut machten wir uns vorsichtig daran, gedeckt das Graffl (Geisen mit Kitze) zu umgehen um näher an den Bock heranzukommen. Nach knapp 100 Meter, wir suchten gerade hinter einem großen Stein etwas Deckung, als der Bock losstartete, um mit einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd den 2- jährigen in die Flucht zu schlagen. Zu unserer Freude ging die Verfolgungsjagd genau in unsere Richtung und wir machten uns sofort daran für Hans eine geeignete Auflage vorzubereiten. Schnell war ein Stein auf den anderen gelegt, Rucksack und meinen Wetterfleck darauf und schon war Hans bereit. Der junge Bock sauste mit einem höllentempo an uns vorbei und sein Verfolger verhoffte knappe 200 Meter von uns auf einem Felsvorsprung. „Iats stand er guat!!!“ flüsterte ich Hans zu, „wenn du drauf  bisch …loss brechen“. Der Bock stand wie ein Monument auf dem Felsvorsprung und ich wartete ungeduldig auf den Knall. Lange Sekunden vergingen, der Schuss brach, ich konnte durch mein Spektiv genau erkennen wie die Haare aufflogen und wie der Bock im Feuer zuckte, doch er stand immer noch wie versteinert auf seiner Felsplatte. „Repetieren!“, rief ich Hans zu, doch der Bock begann zu baumeln und sank in sich zusammen. Er rutschte über den Felsvorsprung, viel über die Felswand und blieb darunter im tiefen Schnee liegen. Mit einem Weidmannsheil !!, klopfte ich Hans auf die Schulter. „Bravo, guater Schuss! Gams tot!“ Sichtlich erleichtert und voller Freude über seinen ersten Gamsbock konnte Hans es kaum erwarten seinen Bock zu holen. Doch das Gelände war mir nicht ganz geheuer und so entschlossen wir uns einen Umweg zu machen um von der anderen Seite sicher an den Bock zu kommen. Nach einer halben Stunde Fußmarsch im tiefen Schnee waren wir am Bock angekommen. Der, meiner Schätzung nach, 6 jährige Gamsbock war leider nur 5 Jahre, doch Hans war trotzdem zufrieden und glücklich über seinen ersten Gamsbock. Einen Zirmzweig als Bruch an den Schützen und anschließend wurde mit einem Stamperl „Selbstgebrannten“ aus dem Flachmann auf den glücklichen Erleger angestoßen. Nach einer guten Stunde Bergung durch den teilweise sehr hohen Schnee bei meinem Jeep angekommen wurden erst einmal ein paar Erinnerungsfotos geschossen und einige Jagdkameraden verständigt.

Später dann bei der Kühlzelle wurde der Abschuss bei einem guten Glas Wein lange und fröhlich gefeiert.

Ein kräftiges Weidmannsheil dem Hans zu seinem Gamsbock

 

 Bericht und Foto: Armin Raffeiner, Jagdrevier Latsch

                                                                                                                 

 

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