Bericht 17:  Der letzte Jagdtag

Am 31. Jänner dieses Jahres, war ich mit Holzarbeiten mit minus 12 Grad beschäftigt, als plötzlich mein Handy klingelte: "Hallo Andreas, ich bin's Michel. Wir müssen noch dringend ein Reh schießen." Kurz entschlossen  sagte ich zu, griff zu meinen Jagdsachen, pfiff dem Hund und machte mich auf ins Revier, wo mein Jagdfreund als Aufsichtjäger angestellt ist.

Nachdem wir uns begrüßt hatten, wurde "Kriegsrat" gehalten. " Du gehst am besten auf die Talblick-Kanzel und ich setze mich auf den Hirtensitz." Da es schon zeitlich recht fortgeschritten war, verloren wir keine Zeit und machten uns auf zu unseren Ansitzplätzen.

Angekommen, parkte ich mein Auto unter ein paar Kiefern und pirschte langsam zur Kanzel. Dort angekommen richtete ich mich ein. Von dieser Kanzel hatte ich einen guten Blick über ein urromantisches Tal, auf dessen gegenüberliegender Seite eine große Windwurffläche war. Ich konnte auf ca. 1000 Meter Entfernung ein Rudel  Rotwild ansprechen,  - welches ich mir mit meinem Spektiv genauer betrachtete.

Der Himmel hing voll mit bleiernden Wolken und ab und zu funkelten Sonnenstrahlen hindurch. Ich mag solche Stimmungsvollen Ansitze. Laden Sie doch zum Nachdenken und - wie wir Eifler sagen - zum "semulieren " ein.

Als ich dann gegen 17 Uhr nach rechts schaute, stand da plötzlich ein Reh. Leider spitz auf 100 m Entfernung und zog äsend in meine Richtung. Die Ansprache durchs Fernglas ließ meinen Atem stocken. Eine uralte Ricke stand da auf der Wiese.

Ich legt mir die Büchse zurecht und wartete bis das Stück sich quer stellte. Stattdessen zog Sie still und beharrlich spitz auf meine Kanzel zu. Jetzt war ich ein wenig ratlos. Die Ricke gab mir einfach keine Möglichkeit einen ordentlichen Schuss anzubringen. Die Ricke äste nur nur 50 Meter von meiner Kanzel entfernt.

Plötzlich sah ich im linken Augenwinkel eine Bewegung. Ein Hase koppelte über die Wiese und betrachtete - zum Kegel aufgebaut - das Reh. In diesen Moment drehte sich das Reh, so dass ich vernünftig die Kugel hinters Blatt setzen konnte. Die Ricke brach zusammen.

Gleich bekam ich eine SMS von meinem Jagdfreund: " Waidmanns Heil !Auf Dich ist ja immer verlass " .
Ich schrieb gerade die Antwort " Waidmanns Dank ! " als auch bei Ihm ein Büchsenschuss in meine Richtung hallte.

Auch er hatte noch im letzten Licht eine Ricke erlegt. Als ich mit dem Finger über die Zähne der von mir erlegten Ricke fuhr, wurde mir bewußt, dass ich eine richtig uralte Ricke erlegt hatte. Ein guter Abschuss.

Wir wünschten uns gegenseitig ein Weidmannsheil und überreichten uns die Erlegerbrüche.  Bei einer Flasche Bier ließen wir dann die Jagdzeit feierlich ausklingen

 

 1. Bericht: Andreas Haag ,  D-53894 Mechernich      

                                                                                                                 

 

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