Bericht 16:  Die Abenteuer des kleinen Schröder -  "Schröder wird erwachsen"

Es gibt nicht immer nur gute Tage, dass ist klar!  Frauchen merkt man das sofort an, normalerweise werde ich immer "Schrööödaaa" gerufen, insofern ist alles im grünen Bereich aber wenn sie "Herr Schröder" ruft und auf die Betonung achtet, dann ist was faul im Staate Dänemark (obwohl das Königshaus dort Teckel ja außerordenlich liebt. Die haben einen erlesenen Geschmack was Hunde betrifft, ganz im Gegensatz zu Themse-Liesel mit ihren Corgis ). Aber wir Teckel haben ja überhaupt kein Problem eine Demo zu organisieren und uns entsprechend zu verhalten wobei Frauchen letztendlich die Schuld zugeordnet wird.
Jeden Abend vor dem Schlafen müssen wir Hunde raus, die depperten Vorsteher machen das klaglos, aber wofür haben wir Teckel ein Gehirn? Ergo, wir tun natürlich nicht alles und freuen uns, wenn es wieder etwas gibt, was wir in Frage stellen können und das ist bei den Menschen nicht wenig. Jedenfalls wenn ich abends pieseln soll ist es jetzt dunkel, kalt und nass ( im Sommer habe ich ja nichts dagegen ). Wenn Frauchen um die Ecke geht ist es hell, warm und trocken. Da die Räumlichkeiten viel besser und angenehmer sind und offensichtlich extra dafür eingerichtet, bin ich auch dorthin gegangen. Casimir hat mir, auf meine Bitte hin, die Türe geöffnet ( wir zwei Beide verstehen uns mittlerweile prächtig ) und gab mir noch einen guten Rat mit auf den Weg: "Schröder, das gibt voll den Mecker, ich jedenfalls bin dann unter unbekannter Adresse verzogen." Ach, was, die Vorsteher haben immer die Hosen voll wie mir scheint, die nennen das "absoluter Grundgehorsam", wen´s glücklich macht, bitte! Wer nichts wagt, der nicht gewinnt. Ich also rechte Wand, kann man prima den rechten Hinterlauf abstützen und die Kacheln im Bad sind auch grün, was will man mehr. Gerade als mich das Gefühl höchster Zufriedenheit und Erleichterung beschlich kam Frauchen und machte die Welle. Eine Tsunami war nichts dagegen, wenn ihr wisst was ich meine. Ich hasse nichts mehr als beim pieseln oder pennen gestört zu werden. Am nächsten Abend hat sie aufgepasst, alle raus, ich auch, nach 5 Metern auf dem Absatz rum und wieder rein. Auf der Schwelle machte sich schon ein leichter Geruch von Schwefel breit und ein riesiger Berg von Frauchen baute sich vor mir auf (sie ist ja nicht gerade ein "Leichtgewicht" mit Verlaub gesagt), nahm mich auf den Arm und trug mich postwendend zurück ins Freie. Da saß ich wieder, kalt, naß, dunkel und null Bock. Ich nicht faul wieder rein, dass wollen wir doch  mal sehen. Diese Nummer haben wir Beide 8 mal durchgezogen, selbst unterm Tisch hat sie mich vorgeholt und wieder rausgetragen, ich wurde langsam richtig sauer. Als sie mich daraufhin bitterböse anknurrte habe ich die Segel gestrichen, die weiße Flagge geschwenkt, aber gepinkelt habe ich an diesem Abend nicht mehr. Ich wollte nur noch grottenbeleidigt  in mein Körbchen, dieses um 180° drehen, damit ich keinen mehr ansehen muss. Aber da Frauchen zum guten Schluß immer noch das letzte "Lungenbrötchen" zu sich nehmen muß, habe ich mich erst einmal damit begnügt mir das Plümeau auf dem Sofa über den Kopf zu stülpen. Nach mir die Sintflut.
Weil mir eh´ schon der Schalk im Nacken saß, habe ich dieser Tage mal  den etwas maroden und durchgerosteten Teil von unserem Zaun unter die Lupe genommen und ein prima Loch gedehnt, wobei mich unser dämlicher Nachbar beobachtet hat und sogleich bei Frauchen petzen ging als ich noch halb im Zaun feststeckte. Man muss sich das mal vorstellen, ich bin bei einer für mich durchaus sinnvollen Tätigkeit und der brüllt über die Strasse: "Komm mal schnell, der Schröder macht Blödsinn" Unglaublich, I was not amused! Aber sowas merke ich mir, bei nächster Gelegenheit ist seine Hose fällig und dann bin ich terribly sorry! Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn´s dem lieben Nachbarn nicht gefällt. Das hat sich hier mal wieder voll bestätigt. Jedenfalls war ich fast durch, als Frauchen angetrabt kam (mein Ur-Opa Gino hätte noch dazu gesagt: "wenn deutsche Panzer rollen") ups. Ich hatte sie ja kommen sehen durch den Zaun und freute mich schon insgeheim, denn bis sie hinten herum gelaufen wäre, wäre ich längst weg gewesen. Leider hatte ich nicht bedacht, dass mein Hinterteil noch auf der anderen Seite war und so ergriff sie meine Rute und mir blieb somit nicht anderes übrig als auf dem selben Wege zurück zu kriechen. Das war so natürlich nicht in meinem Sinne und das süffisante:" Schröder komm, komm bei die Mama" hätte sie sich durchaus sparen können und überhaupt heisst meine Mama Bea.
Unser Toffi hat ein Auto jetzt auf dem Hof zu stehen wo er dran rum bastelt, die Türen standen offen und er war nirgends zu sehen. Da ich Autos sehr liebe und dieses Exemplar offensichtlich verlassen dastand, habe ich mir in mühevoller Arbeit meine Schmusedecke geholt, dort reingeschleppt, drappiert und mich dann zu einem Schläfchen eingerollt. Ich befand mich gerade an der Schwelle zur "Rem-Phase" da kam Toffi zurück und brüllte nach seiner Mama. Kurz und gut ich wurde mitsamt der Decke aus dem so wunderbaren Vehikel entfernt. Welch Schande, aber die Menschen haben einfach kein Verständnis für die letzten Abenteurer, Romantik und  Pfadfinderatmosphäre, dabei hatte ich noch nicht einmal im Sinn hier ein Lagerfeuer anzufachen um mein Futter zu machen. Nix was wirklich schön ist darf man hier.
Hinten im Garten ist eine Aussentreppe befestigt, die auf eine Terrrasse führt. Dort oben haben die Vorsteher ihren Wachturm und können alles überblicken, so spart man sich eine teure Alarmanlage. Und jetzt kann ich auch Treppen laufen, also nix wie hoch und die Örtlichkeit sondiert. Soweit alles prima. Geländer mit Kletterpflanzen zur Tarnung und auf der anderen Seite ein niedriges Mäuerchen. Da bin ich neugierigerweise drauf gesprungen. Ein tiefes blaues Loch gähnte vor mir und da wir Teckel ja äußert mutig sind, bin ich rein gesprungen. Erst habe ich alles abgeschnüffelt. Nichts interessantes zu finden, also wieder raus. Doch da war nichts was ein Teckel als Ausstieg benutzen konnte. Nur glatte Wände. Als ich mich gerade fragte, wer sich soetwas Blödes ersinnt sah ich die Köpfe meiner 3 Vorsteherkollegen über die Brüstung in die Tiefe glotzen und Astor brummelte: "Jungs und Mädel, jetzt haben wir ein Problem, Schröder sitzt im Schwimmbecken." Echt zuvorkommend,jedenfalls wusste ich jetzt was das für ein Ding ist. Hätte man mir auch vorher sagen können, dann wäre ich nicht da hinein gehüpft. Aber das kann man ja den "tollen" Allroundern nicht zumuten einem kleinen Bau-Spezialisten ein paar wichtige Infos weiter zugeben. Im Revier sind sie dann wieder auf uns Teckel angewiesen, weil mehr als den dicken Kopf kriegen sie in kein Loch hinein. Jedenfalls saß ich immer noch da unten und keiner half mir. Das Ganze gipfelte darin, dass die 3 einfach abhauten. Kurz darauf hörte ich Frauchen in den Garten kommen. Sie zählte durch 1,2,3 und dann gings los: "Schröder, komm", "Schröder, hier", echt prima, geh endlich die Treppe hoch, dann siehst du, das Schröder im Schwimmbecken sitzt, Menschen sind manchmal echt kompliziert. Aber nein, sie latschte im Garten rum, kontrollierte die Zäune und rief meinen Namen. Irgendwann habe ich dann mal gefipt, nicht, das ich das wollte und nicht dass ich geheult hätte. Auf mein erstes fipen kam dann "Verdammt, Schröder, wo bist du?" Jetzt musste ich einfach bellen, weil die Menschen manchmal wirklich begriffstutzig sind und sie keine Ruhe geben, bis man sich richtig geoutet hat. Schließlich wollte ich ja wieder hier raus. Ein bischen Feingefühl wäre hier durchaus zuträglich gewesen, finde ich, sonst hätte man es ja gleich in die Zeitung setzen können. Jedenfalls kam sie dann und holte mich da raus und das Wort zum Sonntag musste ich auch noch über mich ergehen lassen. Wenn´s ihr dabei wohler ist, an mir soll´s nicht liegen. Meinen ersten Unfall habe ich auch mittlerweile hinter mich gebracht. Nun ja, man behauptet, es sei meine eigene Schuld gewesen. Jedenfalls wollte ich mit Zina spielen als sie unter einem Busch schlief. Ich bin von hinten in vollem Gallopp auf sie drauf. Dabei hat sie sich fürchterlich erschreckt, ist hochgesprungen, umgeknickt und auf mich drauf gefallen. Au, weiha, da hab ich Mord und Brand geschriehen. Mein rechter Vorderlauf tat sehr weh. Frauchen hat mich reingetragen aber offensichtlich hielt man es nicht für nötig einen Notarztwagen zu bestellen. Sie untersuchte mich selbst im Zuge der Kostendämpfung und kam zu dem Schluß, dass nichts gebrochen sei (welch Glückes Geschick, tirili), obwohl ich diesen Eindruck erwecken wollte und ihr ständig meine dicke Pfote entgegen hielt. Wofür bitte hat Frauchen Onkel Rainer und Tante Birgit. Aber nein, da muß man ja einen Telefonanruf verschwenden wegen eines kleinen, armen, schwer verletzten Teckels, die Doktores könnten sich ja sofort ins Auto schmeißen um einem kleinen, armen, schwer verletzten Teckel das Leben zu retten. Selbst Toffi, mein guter Freund, war sehr entrüstet, aber Frauchen blieb hart und meinte es sei "nur verstaucht, das kriegen wir wieder hin". Toll, wie in der Ricola-Werbung: "Wer hat´s erfunden, die Schweizer". Jedenfalls habe ich es geschafft 10 Tage durch die Gegend getragen zu werden, bis man mich mehrfach erwischt hatte in einem unbeobachteten Moment doch schmerzfrei laufen zu können.Aus der Traum. Tante Birgit und Onkel Rainer darf ich  bei der nächsten Impfung die Pfote schütteln, echt tröstlich in dieser Situation. Aber da bieg ich mir Tante Birgit schon zurecht, wofür haben wir einen angeborenen Charme. Sie macht Allgemeinmedizin, vom Flohzirkus bis zum Elefanten soll sich jedes Viech wieder wohl fühlen dürfen. Sie kann auch Akupunktur, dass ist gut zu wissen falls ich es mal im Kreuz habe oder mir das Rauchen abgewöhnen möchte. Ich bin mir ganz sicher, dass sie auch massieren kann. Darauf möchte ich hinaus. Eine schöne Massage, an den entsprechenden Stellen von zarter Hand, oh yes, Mam. Um sicher zu gehen, dass sie das auch wirklich kann, frag ich vorher Onkel Rainer. Der sollte es ja schließlich wissen. Und wenn ich mal ganz schlimm verletzt sein sollte, ins Koma oder vom Trecker falle, was Gott verhüten möge, dann macht das Onkel Rainer. Meine Zahnung habe ich jetzt auch durch, nachdem ich mehrere Wochen das "La Paloma" durch die Zahnlücken gepfiffen habe und meine Vorsteher sich mal wieder auf meine Kosten amüsierten. Das konnten sie ja schon immer gut. Als ich noch ganz klein war bin ich immer jedem in die Füsse oder Pfoten gelaufen. Hier im Hause gibt es keinen, der noch nicht über mich gefallen ist. Ich sag euch, die Vierbeiner benahmen sich wie die Eintänzer in einer Fischbratküche und die Zweibeiner haben wunderbare Ausfallschritte gemacht. Natürlich habe ich auch den einen oder anderen Tritt abbekommen, aber das war´ s mir wert bis zu dem Moment als sich unser Toffi lang gelegt hat. Als er so platt dalag und ich ihm zum ersten Mal Auge in Auge gegenüberstand, tat er mir doch leid. Ich wollte mich entschuldigen und habe ihm das Gesicht abgeleckt und was macht der, er betitelt mich als "Fußhupe", booaaa. Über den restlichen Sermon hülle ich lieber den Mantel des Schweigens. Und so beschloss ich zukünftig alleine zu leben.Packte mein Spielzeug und meine Schmusedecke und zog ins Büro unter den Tisch. Sollten sie doch alle sehen wie sie alleine zurecht kommen. Als ich meinen Hausstand sortiert hatte, habe ich mich erst einmal zu einem schönen Schläfchen eingerollt, welches durch eine allgemeine Aufbruchsstimmung unterbrochen wurde. Frauchen rief noch: "Schröder komm, wir gehen" und ich dachte mir: nein, nischt mim Commander. Die holen dich ja, wenn du nicht kommst. Was passierte: na gut, Schröder, dann bleibst du eben hier. Die Türe klappte zu und ich war auf der falschen Seite. Das lief doch sonst nicht so. Ich hörte wie sie draussen auf der Wiese Spass hatten und Frauchen sagte oft: so, brav mein Hund und ich weiss, dass es dann immer ein Leckerli gibt. Aber nicht für Schröder, der sass ja in dem dämlichen Büro, unter dem dämlichen Tisch, in seiner dämlichen Höhle, mit seinem dämlichen Hausstand und draußen tobte das Leben und ich hatte den Eindruck, dass es ausgerechnet heute besonders viele Leckerlis gab und mir immer langweiliger wurde und Hunger machte sich auch breit, hatte nämlich bei meinem Umzug das Futter vergessen. Also litt ich vor mich hin und wartete sehnsüchtig das meine Lieben wieder rein kamen. Ich glaube, es muß ca. 3 Wochen gedauert haben bis sie wieder da waren. Als der Schlüssel in Schloss ging habe ich mich nur noch gefreut und habe das auch jedem gezeigt, selbst Toffi habe ich seine "Fußhupe" verziehen, was sind schon Worte wenn man im Grossen und Ganzen eine tolle Familie hat.

Frauchen hat mich wohl 3 mal gesehen als ich meine Lefzen hochzog und vermutet, dass ist wieder ein Teckel, der auch lachen lernen kann. Nur wie fördert man so etwas? In alternativer Ausbildung ist Frauchen ja nicht so firm, dafür hat sie Tante Dagmar, die bringt Hunden bei Lichtschalter an- und aus zu machen und ärgert sich hinterher, dass ihre Tapete im Eimer ist oder den Kühlschrank aufzumachen, der leer ist wenn sie das Haus mal verlässt und nur noch die eine oder andere zermanschte Tomate vorfindet die keiner von uns Jägern will, echte eine putzige Tante.
Jedenfalls lächelt mich Frauchen seitdem an und zeigt mir angeblich freundlich die Zähne. Ich habe dafür bis dato nur einen bedauernden Blick übrig und ich habe keine Ahnung was an der Nummer zum Lachen sein soll. Selbst Christoph und Dennis schauen mitleidig, weil sie hier an ihrem Verstand zweifeln. Aber solange Tante Dagmar meint sie sei durchaus auf dem richtigen Weg wird dieser Kelch nicht an mir vorüber gehen. Schaun wir mal, wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Tante Sabine hat dafür gesorgt, dass ich in einer Hochglanz-Illustrierten abgebildet wurde, als Stellvertreter für Teckel, die kein Zuhause haben. Das mache ich doch gerne für meine Artgenossen, die es nicht so gut angetroffen haben wie ich. Heidi Klum hat ja auch mal mit dem ersten Foto angefangen und jetzt ist sie ganz berühmt. Wenn ich einmal soweit bin und mein Häuschen am Meer besitze, lade ich euch alle ein, versprochen.
Am meisten liebe ich die Tage wenn unser "Futtermann" kommt und Sachen bringt. Ich liebe ihn und seinen Anhänger und seinen Geruch und einfach alles. Er hat immer was für uns übrig. Allerdings verstehe ich nicht warum Frauchen immer nur das eine oder andere bestellt, die haben seitenweise Leckereien, lauter Köstlichkeiten, die ein Hundeherz erfreut. Aber ich will durchaus nicht meckern, unser Futter ist superlecker und reichhaltig  und genau wie die Kollegen futtere ich alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Seit kurzem bekomme ich auch immer eine Kleinigkeit vom Erwachsenenfutter dazu. Da war ich ja schon immer scharf drauf, weil ich das bis jetzt nie bekam. Vor kurzem hatten wir Lamm vom Spiess mit im Futter, das hat unser Toffi von einer Gartenfete mitgebracht. Allerdings auch die Bilder vom Grillen und das Lämmlein mit Kopf und Augen hing am Spiess. In dem Moment war der Braten unser, wir haben da keine Probleme.

Prima Nummer, Toffi ist ein Guter und Frauchen knurrte der Magen, aber ich glaube wir hatten noch ein paar Erdnüsschen im Haus.

                                   

 1. Bericht und Fotos: Kerstin Gerhards - http://www.krambambulli.de  

                                                                              

 

nach oben