Bericht 15:  Die Abenteuer des kleinen Schröder

Am 4.6.08 kam Besuch ins Forsthaus. Wir Hunde wurden alle nacheinander vorgestellt und da sich alle freuten, auch Mama und der alte Gino, muss es was Gutes gewesen sein, zumal sie auch noch so abenteuerlich roch, keine Ahnung wonach. Wir Teckel fanden sie jedenfalls sehr interessant.
Man trank Kaffee, aß Kuchen (wovon wir wieder mal nichts abbekamen) und plauderte angeregt (so nennen das die Menschen, in Wirklichkeit haben die den ganzen Nachmittag tot gequatscht).

Gegen Abend griff mich Mutter Naunheim dann aus unserem ganzen "Dackelgewusel", ich merkte sofort, dass ihr traurig ums Herz war und dachte noch - was ist den jetzt los, ich bin doch da, der gute Flynn - der Besuch sagte: "er wird ab jetzt Schröder gerufen". Hier war irgend etwas faul und dann noch Schröder, als ob wir nicht schon genug Probleme hätten. Mutter Naunheim trug mich zu einem Ding, was man wohl Auto nennt ( die sind schon verrückt die Menschen), da stand ein Einkaufskorb, aber die Decken rochen nach uns, dass konnte ja nicht so gefährlich sein obwohl mir doch etwas blümerant war. Mein Spielzeug wurde eingepackt, die Türen klappten zu, wo war Mama, meine Geschwister, der alte Gino und der Rest? Dann ging es los, keine Ahnung wohin und die Decken im Korb hatten Falten. Erst hab ich geknatscht, das nutzte nichts, dann hab ich die Falten gerichtet (man muss ja alles selber machen) und in Betzdorf war ich eingeschlafen. Irgendwann später wurde ich aus dem Schlaf gerissen - ich hasse so etwas -, auf den Arm genommen und dieser Besuch sagte: "Wir sind Zuhause, Schröder". Ich dachte gerade noch "Spääääsle gmacht", die Tür ging auf und ich sah mich 90-100 kg Hunden gegenüber.

3 ausgewachsene Vorsteher und ein Krummhölzchen, die Menschen sind einmal bekloppt, na ja, Angriff ist die beste Verteidigung, ich hab sie erst einmal angeknurrt. Die Drei haben jedenfalls die Augen ´gen Himmel geschlagen und gemeint: "Hatten wir´s nicht so gut, musste das jetzt auch noch sein?" Der Besuch sagte: "Schröder, ich bin jetzt dein Frauchen und das ist dein Rudel." Drei Köter und ein Mensch grinsten mich an. Was ein bekloppter Tag, langsam dämmerte es mir, Mama hatte mal sowas erwähnt, aber wer glaubt schon daran, was die Alten erzählen.

Böse Falle in die ich da getappt war. Ich fühlte sofort, hier in dieser Meute mußte ich "klotzen nicht kleckern", also Ärmel rauf und dran. Kurz die Lage sondiert, alles klar: unsere "Hütte" ist sehr geräumig, das Gelände groß und verwildert, die 3 Tölen erledigen wir irgendwie, irgendwann - muß ich noch drüber nachdenken - und Frauchen ist ganz "schmusebackig", aber was sie will, das wird gemacht, no way out, das war sofort klar, also Oberalpha, abgehakt. Hier dachte ich: nur die Ruhe, Schröder vom Krummholz, äh Flynn, was auch immer, das kriegen wir schon auf die Reihe. Astor ist unser Rudelführer, ein absoluter Souverän, mit dem kann man auch keine Faxen machen, da muß ich parieren und kann viel lernen, also abgehakt. Zina, unser Mädel, mit ihr kann man prima zanken und spielen, aber sie ist wie jedes Weib launisch und zickig und morgen ist noch lang nicht so wie heute. Na ja, die bekommt erst mal ein bisschen Respekt, aber nicht zuviel, bei Gelegenheit ein Gänseblümchen, aber nicht zuviel und dann läuft die Kiste. Dann ist da noch Casimir..... unser schwächstes Glied im Rudel. Da genau haken wir ein. 32 kg, Stock über 70, den hab ich erst mal über´s Gelände gescheucht, dem war ich absolut suspekt und somit im Vorteil. Der hat sich wegen mir 3 Tage lang vollgesabbert, was letztendlich an Türen, Schränken und Frauchen klebte und wenn ich ihm zwischen die Beine rannte, ist er 6 m hoch gesprungen. Echt lustig die Großen, ganz und gar nicht so wie wir Teckel, wir haben ja alles serienmäßig ohne Aufpreis. Es gab dann noch Futter, ein bisschen Sofa und dann in den Einkaufskorb neben Frauchen´s Bett. Auch hier keine Faxen mehr, Ruhe, Ende, Aus, Amen.... war sowieso müde.

Am nächsten Morgen regnete es und die blöden Vorsteher waren auch noch da. Erst ging´s raus "piseln" und wenn noch mehr anstand, konnte das auch gleich erledigt werden. Frühstück, anschließend große Aufregung mit Rausrennen und Gebell am Tor, wieder diese dämlichen Vorsteher, ich war gerade dabei in Ruhe mein Bäuerchen zu machen und mich anschließend bei Frauchen einzuschleimen, nix, hier war offensichtlich Gefahr im Verzug. Wozu hat man einen Krummholz, also zur Tür.... es regnete, was die Vorsteher nicht gestört hat, aber mich. Was jetzt, nicht lange nachgedacht, ich mußte dorthin, also raus, unter unser Schlachtschiff Astor. Dort stand ich trocken und bekam alles mit. Die Nummer hatte sich gelohnt, es war der Bäcker. Unsre Drei bekommen seit Jahren ein Brötchen geschenkt und nun bin ich auch dabei. Lecker. Natürlich fehlte auch die "ach ist der süß" Nummer nicht. Ist zwar sehr lästig, zahlt sich aber immer aus wie ich feststelle.

Sonntags ging´s zum Hundesfest der Rettungshundestaffel, hatte Frauchen denen schon lange versprochen. Wir also hin, Vorsteher zu Hause, klasse. Man traf sich dort mit Frauchen´s Freundin, einer Falknerin (kanadische Rotschwanz-Bussarde, Harris-Hawk) und deren Vorstehern, was man mir allerdings mal wieder nicht gesagt hatte. Astor hatte zwar vor Abfahrt eine Bemerkung gemacht: "herzlichen Glückwunsch, Schröder, für die bejagten Geier bist du eine willkommene Atzung". Ups, war aber trotzdem ein schöner Tag, Frauchen hat auf mich aufgepasst, die "ach wie süß" Nummer kam gleich mehrfach mit entsprechenden Streicheleinheiten, hab ein Stück Wurst probiert (hammermäßig), war gehorsam, hab viel geschlafen (im Einkaufskorb, lächerlich aber gemütlich), eine Patin abkassiert, nämlich Tante Astrid, die mit den Geiern und hab noch zwischendurch 6 Samojeden aufgemischt. Was will man mehr an einem Tag?

Nach nunmehr vier Wochen muß ich sagen, daß ich ein tolles Zuhause bekommen habe, hier ist jeden Tag was los, wir fahren viel weg, weil ich ja auch noch viel lernen muß ( aber den Tierarztbesuch fand ich nicht so prickelnd), Autofahren ist meine Lieblingsbeschäftigung, ich bin super gehorsam (Frauchen sagte einmal:" Schröder, mir wird Angst und Bange, wenn ich sehe, wie gehorsam du bist, was du alles aus dir selbst heraus richtig machst, wir sind hier sicher noch nicht" mit der Bratwurst über den Zaun"), keine Ahnung was sie meint, aber es hört sich sehr löblich an. Im Traum schliefe ich am liebsten, ich grabe das Sofa auf, treffe irgendwann mindestens einen Dachs und knurre dann unentwegt. Aber Frauchen, die ich mittlerweile sehr lieb habe, sagt: "Gemach, gemach, du kommst noch früh genug zum Zuge".

Jeden Abend kriege ich meine "dollen 10 Min.". Da flippe ich richtig aus, jage Vorsteher, außer Astor natürlich, Frauchen holt mich dann immer wieder auf den Teppich, anschließend werde ich dann bis zur Weißglut getrieben. Frauchen hat ein Plümeau auf dem Sofa liegen und versteckt meinen Quietsche-Baseball darunter, ooh Mann, das ist der Moment, wo ich absolut giftig werde, ich grabe, mache finale Sprünge, bin spurlaut, weil ich genau weiß was darunter ist, ich laß nicht locker, bis ich das Teil habe. Nun könnt Ihr Euch vorstellen wie der Begriff "hundemüde" zustande gekommen ist.

Es gibt noch soviel mehr zu berichten, wie mein erster Restaurant Besuch, göttlich sag´ ich Euch, diese Düfte hält die stärkste Dackelnase nicht aus. Wie kommt man da dran? Frauchen: bringt nicht´s, also die Wirtin, da wo sie ist muß noch mehr von dem Zeug sein. Ich, auf den Rücken und die "ach wie süß Nummer" abgezogen, das volle Programm. Sie hatte schon ein Bröckchen für mich in der Hand, ich die Kiefer schon weit geöffnet und dann kam Frauchen mit ihrem "globalen nada". Ich war stocksauer, so kurz vor´m Ziel und Frauchen sagte" Schröder, hast du heute einen Clown gefrühstückt? Wer auf Eiern läuft, sollte nicht hüpfen, hier ist Zapfenstreich im grünen Kakadu". Mist, ich unter den Tisch, habe dort geschmollt und außerdem hieß das Lokal ganz anders. Bevor abgeräumt wurde, haben wir alle dann doch ein Bröckchen bekommen, und Astor meinte, dass ich mir den "Zwergenaufstand" nächstens sparen könne, weil Frauchen am Schluß jedem was abgibt. Na, ja, ich selbst bin der Meinung: "Wer etwas will, muss mutig sein zu scheitern", hat glaub ich mal Kirk Douglas gesagt.

Dennis, unser ältester Junge ist einfach nur lieb, er hat bei uns Hunden einen Sonderstatus weil er ganz besonders ist und wir freuen uns jedesmal einen Kullerkeks (das ist der Moment wo ich auch 6 Meter hoch springe) wenn er da ist. Casimir ist "sein Hund", Frauchen hat ihn extra für Dennis als Behindertenbegleit- und Schutzhund ausgebildet, was er auch sehr ernst nimmt (ist  übrigens das Einzigste). Zina (auch nicht mehr so ganz die Jüngste) ist total verknallt in Dennis, ich sag Euch, "wenn alte Hütten brennen", dass ist nicht witzig. Sie bewacht ihn mit Argusaugen, keiner darf ihn anfassen, sogar Frauchen nicht wenn er von der Arbeit kommt. Abends sitzt sie mit ihm wie ein "altes Ehepaar" auf dem Sofa und Frauchen und wir Rüden picken das ein oder andere Erdnüsschen.

Christoph, ( der mich Schrotti ruft, weil ich ihm einen Socken geklaut und naß gelutscht habe, worauf er zu mir sagte: "Jung, dat kost´ dich 5 Kästen Kölsch und ein Dixi-Klo.") ist voll daneben, mit dem kann man nur Blödsinn machen. Auf seinem Bauch kann man wunderbar "abschnarchen" wie er sagt und das ist wirklich so, er ist der jüngere Sohn und unser Haudegen. Frauchen musste einkaufen und Toffi sollte auf mich aufpassen, klar, kein Problem, mach nur. Frauchen weg, Toffi nicht faul, seinen Kindergartenrucksack rausgekramt und vor den Bauch geschnallt, ich rein, auf´s Mofa, ödel, ödel, ödel, zum Sportplatz, Vorsteher zu Hause, geil. Ich sag Euch was, spitze, meine Ohren wehten im Wind, wie in der Marlboro-Werbung, der Geruch von Freiheit und Abenteuer. Leider kamen wir eine winzige Kleinigkeit später als Frauchen durch´s Tor geschlittert. Auf den Mecker möchte ich hier nicht näher eingehen, mit vielen Worten hat sie, kurz gesagt: "Ihr könnt euch Luftschlösser bauen, ihr könnt auch wunderbar darin leben, aber ihr solltet nicht vor die Türe treten". Tolle Wurst! Allerdings liebe ich den aparten Geruch von Schwefel, der ihr hinterher weht, wenn sie den Raum verlässt. Toffi und ich hatten jedenfalls richtig Spaß.

Wir waren zwischenzeitlich in 2 Gestüten, die auch Vorsteher von Frauchen haben und ganz riesenhafte Teile, die man Pferd nennt. Sowas darf es nicht geben, meiner Meinung nach, aber wer hört schon auf mich? Frauchens Freundin hat Friesen-Hengste, sie wohnt mitten im Wald mit Berner-Sennen und Rottweiler-Hunden. Ich stieg aus dem Auto, schwenkte mein dralles Poppöchen, im Anschluß die "wie machen die Mädchen auf St. Pauli" Nummer; 2. Patin im Sack, Tante Stefanie. Hier hat dann endlich mal jemand mein Dasein begossen. Die Damen schlabberten ein gepflegtes Weinchen (Rüpelsheimer Nierentritt) und Herrn Schröder stellte man ein Wässerchen vor die dicken Füße. Auf meinen fragenden Blick hat man mir etwas vom Jugendschutzgesetz erzählt. Was soll ich dazu sagen? Gut, dass wir mal darüber gesprochen haben! Das hoffe ich mit der Zeit auch noch in die richtigen Bahnen zu lenken.

Das Verbellen zu Hause kann ich jetzt ganz gut. Erst war ich zaghaft, dann schnell draußen aber stumm, bis Astor mal sagte: " Kerlchen, willst du dir erst einen Vokal kaufen, oder was?" Jedenfalls weiß ich jetzt was in so einem Fall zu tun ist.

Meinen ersten Jagderfolg konnte ich auch mittlerweile verbuchen. Ein dicker, fetter Falter, der provokativ immer dicht am Boden hin und her flog. Gar nicht so einfach so ein flinkes Teil zu erlegen. Jedenfalls hat der mich ganz schön auf Trab gehalten. Irgendwann und irgendwie muß ich wohl in der ganzen Ravage auf ihn drauf getreten sein. Jedenfalls lag er so ungefähr im 26. Knall. Da es üblich ist, dass jeder Hund etwas von der Beute abbekommt, habe ich ihn sogleich verspeist. Frauchen´s "Igitt, Schröder" kann ich nun gar nicht nachvollziehen, das war reines Protein und gesünder kann man sich wohl kaum ernähren. Ich jedenfalls bin der Meinung, dass mir hier an dieser Stelle der erste "Bruch" zugestanden hätte.

Nicht zu vergessen der Besuch bei Tante Sabine, ihres Zeichens Rettungshundeausbilderin bei den Johannitern, Jägerin, wobei hier nicht auszuschließen ist, dass sie noch ganz dunkelgrün wird und den Falknerschein macht. Aber damit kenne ich mich ja schon aus wegen Tante Astrid, wäre also für mich nicht wirklich das Problem. Jedenfalls hat sie auch wieder nur Vorsteher. Den guten alten Marti, auch ein DK-Souverän, Ann-Marie, eine nicht mehr ganz neue Viszla-Dame (auf sie schien ich zunächst wie ein Aphrodisiakum zu wirken), die im Verlauf des Nachmittags aber etwas schmollte wegen......Afra, eine süsse Maus sag ich Euch, eine Weimaranerin, die voll auf mich abfuhr. Auch ich habe mich total verknallt, ein Salto rückwärts war hier das Mindeste, aber was sag ich: Silber und das kleine Schwarze waren schon immer die perfekte Kombi.

Eine Stunde später schlug dann noch Tante Gabi auf , eine "Altjägerin", wobei ich nicht gesagt habe, dass sie eine alte Jägerin ist, die Menschen machen hier halt feine Unterschiede, mir ist das eine so lieb wie das andere. Sie kam mit Astern für Frauchen, Erdbeeren und einer Tüte Kopfsalat. Das ist der Moment wo sich Frauchen ganz toll freut und ich die Welt nicht mehr verstehe. Wie kann man sich bitteschön über soviel Grünzeug freuen. Da ist Tante Sabine ja ganz anders: sie hat mir einen Sack Welpenfutter geschenkt, ganz für mich allein und glaubt mir, ich werde nichts davon abgeben. Jedenfalls hat mich Tante Gabi, als Teckelliebhaberin, in ihr Auto gepackt als Frauchen was dringliches zu erledigen hatte. Fakt war, ich im Auto mit Tante Gabi, welches wunderbar nach englischen Setter-Damen roch, Tante Sabine an der Tür und Frauchen auf´m Klo, tolle Jolle! Immer wenn man seine Leute braucht sind sie nicht da und meine Schnecke Afra machte auch keine Anstalten mir zu helfen. Weiber!

Wie Ihr lest habe ich einen "Arsch voll Arbeit", fühle mich sauwohl, liebe meine Menschen - die sind putzig - und mittlerweile mein Rudel, weil da bin ich geschützt, integriert und darf die Sau rauslassen.

                                   

 1. Bericht und Fotos: Kerstin Gerhards - http://www.krambambulli.de  

                                                                              

 

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