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Ja
endlich ist der Sonntag 13. Sept. 09 erreicht, wie es jedes Jahr
der Brauch ist besuchten meine Jagdfreunde noch die Hl. Messe,
ich für meinen Teil ziehe ein längeres Schlafen und ein
gemütliches Frühstück mit Marion
vor, aber jedem das Seine!
Gegen 11.30 Uhr wurde dann wie üblich im Dorf ein "Aperol"
genossen. Pünktlich um 12.45 Uhr wurde die ganze Truppe in Tonis
Jagdhütte zu Tische gerufen, Susi, Tonis Frau machte uns mit
einem feinen Rehpfeffer mit Allem drum und dran, nochmals klar
worum es in den nächsten 14 Tagen gehen sollte.
Nach dem Kaffee machte sich bereits Aufbruchstimmung breit. Toni
und ich bezogen bereits am späteren Sonntagnachmittag unsere
Posten.
Wir waren etwa auf der gleichen Höhe 1800 m.
Er
ist ein guter Nachbar, hat er doch sein Lager auf der
gegenüberliegenden Talseite. Beide hatten wir schon einige Tage
vorher unsere Zelte sowie Esswaren für Zwei Tage hoch getragen.
Aber immer noch war die Last mit Büchse usw. schwer genug. Nach
einer guten Stunde erreichte ich Bachnass mein Lager. Als erstes
wurde einmal mein Feldstecher angeschlagen, 80 m unter mir
suchte ein prächtiger Rotrock nach Frass, sonst war nichts zu
sehen. Jetzt war es an der Zeit in trockene Unterwäsche zu
schlüpfen. Es war recht warm, nachdem ich das nötigste für die
Nacht hergerichtet hatte ging ich noch mit Glas und Spektiv
ausgerüstet auf den Ansitzposten. Unten im Bergdorf wurden schon
die ersten Lichter angemacht, Anblick hatte ich keinen mehr.
Gleichwohl genoss ich den für diese Jahreszeit recht warmen
Abend, fühlte mich glücklich auf meinem Adlerhorst, denn so kam
es mir vor, auf der Felskante. Schon im Dunkeln kehrte ich zum
Zelt zurück, inzwischen hatte doch ein kühler Aufwind
eingesetzt, vor dem Zelt, im Schutze des Lärchenwaldes genoss
ich noch ein Bier. Schon gegen 21.00 Uhr schlüpfte ich in den
Schlafsack, nochmals überprüfte ich in Gedanken ob Alles bereit
war, Zelteingang offen, denn das Geräusch des Reissverschlusses
sollte mir kein Wild vergrämen, die Büchse war geladen mein
Spiegel war griffbereit, denn mit etwas Glück konnte vom Zelt
aus Beute gemacht werden, träumen kann man ja, oder?
Um 05.45 wurde ich von meiner inneren Uhr und wohl dem
Jagdfieber geweckt, gleich horchte ich ob irgendwelche Laute zu
vernehmen waren, weder zu hören noch war etwas zusehen. Also
raus aus dem Schlafsack, in die inzwischen im Schlafsack
angewärmten Kleider.
So leise wie nur irgendwie möglich schliff ich aus dem Zelt und
lehnte mich an den Lärchenstamm der mir genügend Deckung gab,
der Wind kam gegen mich also konnte ich beim ersten Tageslicht
bereits Anblick haben. Um 06.30 Uhr konnte die Jagd beginnen,
jetzt war Feuer frei.
Einige Zeit verstrich, von Jagd war jedoch nichts zu vernehmen.
Ich hatte mich inzwischen in meinen Posten gepirscht, Wild hatte
ich bis anhin nicht im Anblick.
Kurz nach 07.00 Uhr rollte das erste Echo der Jagd, bei mir tat
sich nichts. Nach einer Weile kitzelte mein Handy in meinem
Hosensack, erfreut konnte ich meinem Jagdkollegen zum 8ter
Hirsch Waidmannsheil wünschen.
Plötzlich stand eine Gams 245 m unter mir im Graben, mit dem
Spiegel konnte ich nicht mit Sicherheit erkennen was es war,
also das bereits aufgestellte Spektiv justieren, so konnte ich
den Bock erkennen, die Büchse konnte ich
aber gleich liegen lassen, der Bock verschwand hinter dem
Felsen, der war wohl noch nicht Reif. Auf der anderen Seite
waren schon mehrere Schüsse gefallen, auf meiner Seite schwiegen
die Büchsen. Da wo vorhin der Bock
gestanden
hatte konnte ich einen rotbraunen Fleck sichten, Kein Spiegel
noch weniger das Spektiv, sondern direkt durch das ZF erkannte
ich ein Schaltier ein paar Meter weiter einen Spiesser der schon
gegen den Wald zog. Ich hatte das Absehen auf der Schulter des
Wildes, hoffte das es nach rechts ziehen würde, einen Moment
wartete ich noch, jetzt musste ich fliegen lassen, denn es
wollte ebenfalls in Richtung Wald. Ich war mir gar nicht Sicher
ob die Kugel getroffen hatte.
So schnell das Tier im Wald verschwand kehrte es auf die freie
Fläche zurück, hochflüchtig verschwand das Schmaltier im
gegenüberliegenden Jungwuchs. Mir blieb keine Zeit zum
überlegen, stand doch jetzt der Spiesser
mitten im Graben, ich liess das zweite mal fliegen, das
beschossene Stück zeichnete schwer, der Spiesser da war ich mir
sicher würde bald verendet gefunden werden.
Wenn jetzt noch ein Wild gestanden hätte, ich wäre wohl nicht
mehr imstande gewesen meinen Blaser nachzuladen, vorher geschah
das rein Instinktiv, jetzt wollten meine Nerven aber durchgehen,
mein ganzer Körper schlotterte.
Langsam brachte ich mich wieder unter Kontrolle, konnte das Wahr
sein, nein geträumt hatte ich nicht. Ich musste raus aus meinem
Posten, mit einer Handvoll Mineralwasser wischte ich über mein
Gesicht, in der Kühle des
morgens war es Heiss geworden.
Nach
einer halben Stunde hielt mich nichts mehr zurück, ich wollte
Gewissheit was mit dem Schmaltier geschehen war. Auf halber
Strecke zum Anschuss vernahm ich ein Schuss aus der Richtung in
die das Schmaltier geflüchtet war. Insgeheim hofft man sicher
das ein Anderes Wild beschossen wurde, dachte aber noch dass das
kranke Schmaltier wohl von seinem Leiden erlöst worden war,
irgendwie hatte ich ein befreites Gefühl in mir. Beim Ausschuss
fand ich Schweiss, Muskelfleisch und Schnitthaare. Liess aber
alles unberührt verbrach den Fundort und konnte in gutem Abstand
immer wieder Schweiss finden, nach wenigen Metern entschloss ich
mich nicht weiter
der Wundfährte zu folgen, das war die Sache der Schweisshunde.
Auch vom Spiesser fand ich gleich Schweiss und konnte ebenfalls
der Wundfährte in sicherem Abstand folgen, nach etwa Hundert
Metern verbrach ich den Schweiss, kehrte zurück zum Anschuss.
Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich unsern Wildhüter
anzurufen, um mir ein Nachsuche Gespann zu organisieren, ich
hatte wohl mit meinem Hund Zicco im Juli die Schweissprüfung
gemacht, traute mir jedoch nicht zu, gleich 2 Nachsuchen mit
dem jungen Hund zu machen, ich wäre wohl auch viel zu befangen
gewesen. Gegen 11.00 Uhr vernahm ich ob mir eine Gams, ein paar
Minuten später erschien ein mir unbekannter Jäger, jetzt war
klar warum die Gams gewarnt hatte. Wir berichteten kurz was
geschehen war. Er sagte mir auch das sein Kollege eine Hirschkuh
erlegen konnte und er zu Ihm wolle um das Stück zu Bergen. Ich
bat Ihn das erlegte Stück auf eine zweite Schussverletzung zu
untersuchen, wenn es den so wäre nicht mehr nachgesucht werden
müsste. Er versicherte mir Bescheid zu geben und zog weiter.
Wieder war ich alleine, auf der Jagd und irgendwie deprimiert.
In Gedanken verloren merkte ich den Bock erst als er 2 Meter
neben mir stand, eine ganze Weile sahen wir uns an, ein schöner
Bock, sicher 26 cm lange Krucken und im Körper so wie er da
stand an die 38.Kg. Am Morgen hatten Ihn wohl das Rotwild
vertrieben und jetzt konnte ich nicht auf ihn anhalten, zuerst
musste das Rotwild gefunden werden. Ohne Eile als würde er
wissen das von meiner Seite in dieser Situation keine Gefahr
bestand, trabte er wieder zurück in den Wald.
Kurze Zeit später meldete mir der Jäger, dass Sie am Stück keine
2. Schussverletzung gefunden hätten. Mit Waidmannsdank
verabschiedete ich mich von Ihm.
Um
12.00 Uhr kam das Nachsuche Gespann bei mir an, die minimal Zeit
von 4 Std um eine Nachsuche zu starten war also verstrichen. Wie
es üblich ist hatte jetzt der Hundeführer das Kommando, meine
Büchse konnte ich entladen. Ich zeigte Ihm die verbrochenen
Stellen, vergass jedoch im ersten Moment den Gamsbock der die
Fährte sicher einmal durchlaufen war. Nach wenigen Metern
korrigierte sich aber der Schweisshund und kehrte auf
die Verwundfährte zurück. Nach einigen Minuten wurde der
Spiesser bereits an einer Lärche liegend verendet gefunden. Die
Freude war gross, der Hund hatte seinen Erfolg und ich endlich
die Gewissheit das ich mich beim
Spiesser nicht getäuscht hatte. Die entgültige Erleichterung
überkam mich als uns der Wildhüter mitteilte dass die Kuh, doch
zwei Schusswunden habe. Ich wünschte dem Jäger, der unbewusst
ein Tier von seinem Leiden erlöste ein kräftiges Waidmannsheil.
Jetzt war ich vor Freude durcheinander und vergass gleich, dass
die Büroarbeit vor der Rotarbeit erledigt werden sollte. Die
Leute im Kontrollbüro wollen ja Tinte sehen und nicht Schweiss.
Selbstverständlich erhielt der Hund ein Stück Herz als
Belohnung, dem Hundeführer ein Waidmannsdank und wenn es nötig
sei, weiterhin Nachsuchenheil.
Jetzt war es mein Spiesser mit 33 und 36 cm Stangen,
aufgebrochen wog er 65 kg.
Bericht und Fotos: Kari Schmid |