Bericht 144:  Hochjagd 2009

Ja endlich ist der Sonntag 13. Sept. 09 erreicht, wie es jedes Jahr der Brauch ist besuchten meine Jagdfreunde noch die Hl. Messe, ich für meinen Teil ziehe ein längeres Schlafen und ein gemütliches Frühstück mit Marion
vor, aber jedem das Seine!
Gegen 11.30 Uhr wurde dann wie üblich im Dorf ein "Aperol" genossen. Pünktlich um 12.45 Uhr wurde die ganze Truppe in Tonis Jagdhütte zu Tische gerufen, Susi, Tonis Frau machte uns mit einem feinen Rehpfeffer mit Allem drum und dran, nochmals klar worum es in den nächsten 14 Tagen gehen sollte.
Nach dem Kaffee machte sich bereits Aufbruchstimmung breit. Toni und ich bezogen bereits am späteren Sonntagnachmittag unsere Posten.
Wir waren etwa auf der gleichen Höhe 1800 m.  Er ist ein guter Nachbar, hat er doch sein Lager auf der gegenüberliegenden Talseite. Beide hatten wir schon einige Tage vorher unsere Zelte sowie Esswaren für Zwei Tage hoch getragen. Aber immer noch war die Last mit Büchse usw. schwer genug. Nach einer guten Stunde erreichte ich Bachnass mein Lager. Als erstes wurde einmal mein Feldstecher angeschlagen, 80 m unter mir suchte ein prächtiger Rotrock nach Frass, sonst war nichts zu sehen. Jetzt war es an der Zeit in  trockene Unterwäsche zu schlüpfen. Es war recht warm, nachdem ich das nötigste für die Nacht hergerichtet hatte ging ich noch mit Glas und Spektiv ausgerüstet auf den Ansitzposten. Unten im Bergdorf wurden schon die ersten Lichter angemacht, Anblick hatte ich keinen mehr. Gleichwohl genoss ich den für diese Jahreszeit recht warmen Abend, fühlte mich glücklich auf meinem Adlerhorst, denn so kam es mir vor, auf der Felskante. Schon im Dunkeln kehrte ich zum Zelt zurück, inzwischen hatte doch ein kühler Aufwind eingesetzt, vor dem Zelt, im Schutze des Lärchenwaldes genoss ich noch ein Bier. Schon gegen 21.00 Uhr schlüpfte ich in den Schlafsack, nochmals überprüfte ich in Gedanken ob Alles bereit war, Zelteingang offen, denn das Geräusch des Reissverschlusses sollte mir kein Wild vergrämen, die Büchse war geladen mein Spiegel war griffbereit, denn mit etwas Glück konnte vom Zelt aus Beute gemacht werden, träumen kann man ja, oder?
 Um 05.45 wurde ich von meiner inneren Uhr und wohl dem Jagdfieber geweckt, gleich horchte ich ob irgendwelche Laute zu vernehmen waren, weder zu hören noch war etwas zusehen. Also raus aus dem Schlafsack, in die inzwischen im Schlafsack angewärmten Kleider.
So leise wie nur irgendwie möglich schliff ich aus dem Zelt und lehnte mich an den Lärchenstamm der mir genügend Deckung gab, der Wind kam gegen mich also konnte ich beim ersten Tageslicht bereits Anblick haben. Um 06.30 Uhr konnte die Jagd beginnen, jetzt war Feuer frei.
Einige Zeit verstrich, von Jagd war jedoch nichts zu vernehmen. Ich hatte mich inzwischen in meinen Posten gepirscht, Wild hatte ich bis anhin nicht im Anblick.
Kurz nach 07.00 Uhr rollte das erste Echo der Jagd, bei mir tat sich nichts. Nach einer Weile kitzelte mein Handy in meinem Hosensack, erfreut konnte ich meinem Jagdkollegen zum 8ter Hirsch Waidmannsheil wünschen.
Plötzlich stand eine Gams 245 m unter mir im Graben, mit dem Spiegel konnte ich nicht mit Sicherheit erkennen was es war, also das bereits aufgestellte Spektiv justieren, so konnte ich den Bock erkennen, die Büchse konnte ich
aber gleich liegen lassen, der Bock verschwand hinter dem Felsen, der war wohl noch nicht Reif. Auf der anderen Seite waren schon mehrere Schüsse gefallen, auf meiner Seite schwiegen die Büchsen. Da wo vorhin der Bock gestanden hatte konnte ich einen rotbraunen Fleck sichten, Kein Spiegel noch weniger das Spektiv, sondern direkt durch das ZF erkannte ich ein Schaltier ein paar Meter weiter einen Spiesser der schon gegen den Wald zog. Ich hatte das Absehen auf der Schulter des Wildes, hoffte das es nach rechts ziehen würde, einen Moment wartete ich noch, jetzt musste ich fliegen lassen, denn es wollte ebenfalls in Richtung Wald. Ich war mir gar nicht Sicher ob die Kugel getroffen hatte.
So schnell das Tier im Wald verschwand kehrte es auf die freie Fläche zurück, hochflüchtig verschwand das Schmaltier im gegenüberliegenden Jungwuchs. Mir blieb keine Zeit zum überlegen, stand doch jetzt der Spiesser
mitten im Graben, ich liess das zweite mal fliegen, das beschossene Stück zeichnete schwer, der Spiesser da war ich mir sicher würde bald verendet gefunden werden.
Wenn jetzt noch ein Wild gestanden hätte, ich wäre wohl nicht mehr imstande gewesen meinen Blaser nachzuladen, vorher geschah das rein Instinktiv, jetzt wollten meine Nerven aber durchgehen, mein ganzer Körper schlotterte.
Langsam brachte ich mich wieder unter Kontrolle, konnte das Wahr sein, nein geträumt hatte ich nicht. Ich musste raus aus meinem Posten, mit einer Handvoll Mineralwasser wischte ich über mein Gesicht, in der Kühle des
morgens war es Heiss geworden.
Nach einer halben Stunde hielt mich nichts mehr zurück, ich wollte Gewissheit was mit dem Schmaltier geschehen war. Auf halber Strecke zum Anschuss vernahm ich ein Schuss aus der Richtung in die das Schmaltier geflüchtet war. Insgeheim hofft man sicher das ein Anderes Wild beschossen wurde, dachte aber noch dass das kranke Schmaltier wohl von seinem Leiden erlöst worden war, irgendwie hatte ich ein befreites Gefühl in mir. Beim Ausschuss fand ich Schweiss, Muskelfleisch und Schnitthaare. Liess aber alles unberührt verbrach den Fundort und konnte in gutem Abstand immer wieder Schweiss finden, nach wenigen Metern entschloss ich mich nicht weiter
der Wundfährte zu folgen, das war die Sache der Schweisshunde. Auch vom Spiesser fand ich gleich Schweiss und konnte ebenfalls der Wundfährte in sicherem Abstand folgen, nach etwa Hundert Metern verbrach ich den Schweiss, kehrte zurück zum Anschuss. Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich unsern Wildhüter anzurufen, um mir ein Nachsuche Gespann zu organisieren, ich hatte wohl mit meinem Hund Zicco im Juli die Schweissprüfung gemacht, traute  mir jedoch nicht zu, gleich 2 Nachsuchen mit dem jungen Hund zu machen, ich wäre wohl auch viel zu befangen gewesen. Gegen 11.00 Uhr vernahm ich ob mir eine Gams, ein paar Minuten später erschien ein mir unbekannter Jäger, jetzt war klar warum die Gams gewarnt hatte. Wir berichteten kurz was geschehen war. Er sagte mir auch das sein Kollege eine Hirschkuh erlegen konnte und er zu Ihm wolle um das Stück zu Bergen. Ich bat Ihn das erlegte Stück auf eine zweite Schussverletzung zu untersuchen, wenn es den so wäre nicht mehr nachgesucht werden müsste. Er versicherte mir Bescheid zu geben und zog weiter. Wieder war ich alleine, auf der Jagd und irgendwie deprimiert. In Gedanken verloren merkte ich den Bock erst als er 2 Meter neben mir stand, eine ganze Weile sahen wir uns an, ein schöner Bock, sicher 26 cm lange Krucken und im Körper so wie er da stand an die 38.Kg. Am Morgen hatten Ihn wohl das Rotwild vertrieben und jetzt konnte ich nicht auf ihn anhalten, zuerst
musste das Rotwild gefunden werden. Ohne Eile als würde er wissen das von meiner Seite in dieser Situation keine Gefahr bestand, trabte er wieder zurück in den Wald.
Kurze Zeit später meldete mir der Jäger, dass Sie am Stück keine 2. Schussverletzung gefunden hätten. Mit Waidmannsdank verabschiedete ich mich von Ihm.
Um 12.00 Uhr kam das Nachsuche Gespann bei mir an, die minimal Zeit von 4 Std um eine Nachsuche zu starten war also verstrichen. Wie es üblich ist hatte jetzt der Hundeführer das Kommando, meine Büchse konnte ich entladen. Ich zeigte Ihm die verbrochenen Stellen, vergass jedoch im ersten Moment den Gamsbock der die Fährte sicher einmal durchlaufen war. Nach wenigen Metern korrigierte sich aber der Schweisshund und kehrte auf
die Verwundfährte zurück. Nach einigen Minuten wurde der Spiesser  bereits an einer Lärche liegend verendet gefunden. Die Freude war gross, der Hund hatte seinen Erfolg und ich endlich die Gewissheit das ich mich beim
Spiesser nicht getäuscht hatte. Die entgültige Erleichterung überkam mich als uns der Wildhüter mitteilte dass die Kuh, doch zwei Schusswunden habe. Ich wünschte dem Jäger, der unbewusst ein Tier von seinem Leiden erlöste ein kräftiges Waidmannsheil. Jetzt war ich vor Freude durcheinander und vergass gleich, dass die Büroarbeit vor der Rotarbeit erledigt werden sollte. Die Leute im Kontrollbüro wollen ja Tinte sehen und nicht Schweiss.
Selbstverständlich erhielt der Hund ein Stück Herz als Belohnung, dem Hundeführer ein Waidmannsdank und wenn es nötig sei, weiterhin Nachsuchenheil.
Jetzt war es mein Spiesser mit 33 und 36 cm Stangen, aufgebrochen wog er 65 kg.
 

                                                                                                                         Bericht und Fotos: Kari Schmid  

 

nach oben