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Bericht 11: "Der Hund ist immer so gut wie der Jäger" |
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Wenn diese Weisheit aus der Jägergilde stimmt, dann bin ich ein miserabler Jäger. Ich führe neben einem Labradorrüden noch eine Deutsche Kurzhaar Vorstehhündin. "Cherrie" ist ein wunderschönes Tier, aber ihre Jagdpassion ist so groß, dass sie mir oft große Sorgen bereitet. Leider habe ich es versäumt, ihr als Welpe absoluten Gehorsam beizubringen. Das ist ein kapitaler Fehler, den Hund und Meister immer bereuen müssen. Obwohl ich sie bei jeder Gelegenheit mit ins Feld nehme, ist es mir oftmals nicht möglich sie frei laufen zu lassen. Sobald sie merkt, dass sie vom Herren außer Reichweite ist, verschwindet sie auf Nimmerwiedersehen. Da nützt kein Rufen und kein Pfeifen, das einzige Mittel, sie wieder zur Seite zu bekommen, ist ein Schuss in die Luft. Unsere Jagdbetriebsvorschriften - und Gesetze geben aber ganz genaue Schusszeiten vor. So ist es nicht empfehlenswert, sich nicht an diese Regeln zu halten, wo immer der Hund sich auch befindet. Auf der Entenjagd apportierte sie eines Abends brav einen Breitschnabel und trug ihn auch voller Stolz zum Auto. "Cherrie", platzierte den Vogel genau vor den Wagen, äugte zurück und spurtete wie der Blitz, die Freiheit genießend Richtung Dorf. Sofort fuhr ich ihr nach, aber "Cherrie" war nirgends mehr aufzufinden. Mit Wut im Bauch, und heimlich mich selbst beschuldigend, telephonierte ich der hohen Obrigkeit und benachrichtigte sie vom Verschwinden der Hündin. Obwohl ich noch überall, wo ich denken konnte, zu suchen begann, war sie einfach weg. Mit ungutem Gefühl legte ich mich an diesem Abend schlafen. Um Mitternacht läutete das Telephon und ein Beamter der Polizei erklärte mir mit ärgerlich, dass ein Bauer die Hündin eingefangen hatte und ich sie dort abholen könne. Noch um diese Zeit hatte die Bäurin den Polizisten aus dem Bett geholt. Kein Wunder, dass er sehr sauer auf mich zu sprechen war. Sofort machte ich mich auf den Weg zu den genannten Bauerhaus. Es brannte tatsächlich noch Licht. Mit schlechtem Gewissen klopfte ich an die Tür. Die Bäurin öffnete mir die Tür und wedelnd und bellend vor Freude kam auch Cherrie auf mich zu gerannt. Ich entschuldigte mich natürlich gebührend, aber die Bäurin hatte Cherrie bereits schon ins Herz geschlossen und sie sogar gefüttert, obwohl sie vor einer halben Stunde versucht hatte, den Kaninchenstall auszuräumen. Die Bäurin sagte: "Am liebsten hätte ich sie behalten, so einen lieben, anhänglichen Hund hatte sie schon lange nicht mehr gesehen." Bei der Heimfahrt setzte sie sich mit ein wenig Schuldgefühl auf den Beifahrersitz und legte ihren Kopf zur Versöhnung auf meine Oberschenkel. Wer kann da noch strafen?
Einige Male hatte sie es aber dennoch fertig gebracht, sich vor der Kette zu lösen, und weg war sie . Wir würden sie liebend gerne, gerade im Frühjahr, wenn bei uns noch viel Schnee liegt, frei laufen lassen. Es ist nicht zu glauben, aber die Hündin kommt nie nach Hause zurück. Zum Glück haben wir Freunde im Dorf, die sie dann irgendwo einfangen, und sie über Nacht bei sich zu Hause behalten. Am anderen Tag kommt sie dann regelmäßig per "Luftpost" zurück. Das heisst, wir müssen dann einen Helikopterflug mit Nachschub für unsere Hütte organisieren, und im Gewicht natürlich "Cherie" mit einrechnen, meist ein teurer Transport. Es ist vorgekommen, dass sie samt Kette am Hals über einen tief verschneiten Gletscher mit einer Unmenge von Löchern ihren Weg ins Tal gesucht- und gefunden hatte. Wie leicht hätte sich die Hündin verfangen können und wäre sicherlich elend zugrunde gegangen. Einmal rannte Sie sogar Schneehühnern hinterher , die sie bis zum Berggipfel auf 3750 m verfolgte. Ein anders mal stieg sie den Gemsen hinterher, sie hatte natürlich keine Chance, aber am Ende hörten wir sie elend jammern und bellen. Was blieb mir anderes übrig, als auf Skiern aufzusteigen und sie mit Mühe und Not vom Felsen zu holen.
Orion der männliche Labrador ist grundverschieden im Charakter. Seine jagdliche Passion beschränkt sich vor allem auf die Wasserwildjagd. Das Wasser ist sein Element. Kommen wir irgendwo in die Nähe eines Wassers, ob Tümpel, See oder Bach, in kürzester Zeit ist er drinnen. Da kann Wasser- oder außen Temperaturen noch so tief sein, sie fühlt sich dort einfach wohl. Liegt oder treibt eine Ente im Wasser, so folgt seine Nase der Schwimmspur, und er apportiert den Vogel brav. Auch aus dichtem Schilf hat er mir des öfters geflügelte Tiere gebracht. Er ist lammfromm und folgt eigentlich jedem Jäger, der ihn mit nimmt. Natürlich ist das in den Augen passionierter Kynologen ebenfalls eine Todsünde. Der Hund gehorcht auf Schritt und Tritt und folgt nur dem Meister!
3. Bericht: Hans Philipp - CH - 7504 Pontresina
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