Bericht 108: Meine erste Gamsgeiß

Bereits am Anfang des Jahres hatte ich beim Jagdrevier Schnals um den Abschuss einer Gamsgeiß angesucht. Die Zeit verging und endlich, so Mitte Juli, erhielt ich die Antwort und gleichzeitig die Bestätigung des Abschusses. Die Vorfreude auf die Gamsjagd war riesig uns so wartete ich hart auf den Beginn der Gamsjagd.

 

So verabredete ich mich sobald wie möglich mit dem Jagdaufseher des Reviers, doch leider hatte ich bei den ersten zwei Jagdgängen kein Jagdglück und musste somit die Heimfahrt ohne erlegte Gams antreten. Doch am Sonntag, 20. September sollte ich mehr Glück haben: Mein Vater, der mir den Abschuss zum Geburtstag geschenkt hatte, begleitete mich und wie ausgemacht holten wir den Aufseher Moritz um 6 Uhr am Treffpunkt ab. Wir fuhren nun weiter ins Pfossental bis zum Eishof, dort parkten wir unser Auto und es begann der ca. 2 Stunden dauernde Aufstieg ins Gamsgebiet. Als wir nach einiger Zeit die Waldgrenze erreicht hatten, sahen wir auch gleich die ersten Gämsen, doch leider war keine passende Geiß dabei. Da aber einige schwächere Jährlinge dabei waren, bot mir Moritz den Abschuss eines Gamsjährlings an. Natürlich war ich auch damit einverstanden, doch leider gelang es uns nicht, auf eine vernünftige Schussdistanz an die Gämsen heranzukommen und 280 Meter sind für einen Gamsjährling doch eine etwas (für mich) zu große Distanz um einen sicheren Schuss anbringen zu können. So stiegen wir weiter hoch und gegen 10 Uhr waren wir kurz unterhalb des Gletschers angekommen. Wir suchten das umliegende Gebiet nach Gämsen ab und hatten reichlich Anblick, doch als Moritz etwa 160 Meter vor uns eine einzelne Gams auf einem kleinen Felsen liegen sah, richtete sich unsere ganze Aufmerksamkeit auf dies Gams. Schon beim ersten Anblick hatten wir das Gefühl das mit dieser Gams etwas nicht in Ordnung sein musste, denn während sich die anderen Gämsen durch unsere Anwesenheit immer weiter in die Felswände zurückzogen, blieb dies Gams ruhig liegen. Ein kurzer Blick durchs Spektiv und wir konnten gleich den Grund für das merkwürdige Verhalten der Gams feststellen: Die Gamsgeiß war blind, die beiden Lichter waren von einer großen Eiterschicht verschlossen und auch die Zügel am Haupt waren voll mit Eiter verdeckt. Allein schon der Anblick dieser armen Kreatur tat mir weh und die Entscheidung war schnell getroffen, dass wir die Gams von ihrem Leiden erlösen mussten. Nach einer kurzen Lagebesprechung mit unserem Begleiter Moritz, beschlossen wir vorerst abzuwarten, denn Moritz vermutete dass die Geiß eventuell noch ein Kitz haben könnte und sollten wir dieses erblicken müssten wir zuerst das Kitz erlegen um dann die Geiß erlösen zu können. Wir warteten knapp 2 Stunden, zwischenzeitlich stärkten wir uns mit einem ordentlichen „Halbmittag“ und ließen dabei die Geiß nicht mehr aus dem Auge. Sie lag weiterhin auf ihrem Felsen und rührte sich kaum, doch dann ging plötzlich alles recht schnell. Wir sahen die Geiß hoch werden und mussten mit ansehen wie sie kaum mehr in der Lage war sich auf den Läufen zu halten. Es dauerte nur wenige Augenblicke und die Geiß tat wieder nieder. Die Zeit genügt meinem Begleiter aber um festzustellen dass die Geiß wohl kein Kitz mehr führt bzw. es bereits verloren hatte. Da die Geiß in eine guten Position nieder getan hatte und wir fast auf der Höhe der Geiß waren und somit eine fast gerade Schusslinie hatten, gab mir Moritz die Geiß zum Abschuss frei. Die Auflage hatte ich bereits gerichtet und so entsicherte ich meine Steyr Mannlicher 7 x 64, stach ein und wenige Augenblicke später durchbrach der Hall des Schusses die Stille. Noch im Zielfernrohr sah ich wie die Geiß ihr gezeichnetes Haupt zur Seite legte und am Anschuss liegen blieb. Mit großer Freude und Erleichterung genoss ich den Augenblick. Wir warteten noch einige Minuten ab, und gingen dann zur Gams. Dort angekommen wünschten mir meine Begleiter Moritz und mein Vater ein kräftiges Weidmannsheil. Vor uns lag eine sehr starke 14 jährige Gamsgeiß, die wie bereits erwähnt auf beiden Lichtern erblindet war und bereits stark abgemagert war. Die Freude über diesen wirklich guten Abschuss war riesig. Nach einigen Erinnerungsfotos brachen wir die Geiß auf, verstauten sie in meinem Rucksack und somit traten wir mit großer Freude den Rückweg zum Eishof an. Nach knapp 2 Stunden hatten wir unseren Ausgangspunkt wieder erreicht, dort verstauten wir die Gams im Kofferraum, den wir mit einigen „Tschuppen“ hergerichtet hatten. Zufrieden fuhren wir nach Hause, wo bereits einige Jagdkollegen auf mich warteten. Mit einem guten Bier und reichlich „Jägerlaten“ ließen wir den Tag zu Ende gehen.

 

Ich möchte mich noch einmal beim Revier Schnals für den erhaltenen Abschuss sowie bei meinem Begleiter Moritz mit einem Weidmannsdank bedanken.

 

Weidmannsheil

 

 

                                                                                                Bericht Bericht und Fotos: Martin Höllrigl, Revier Schlanders 

 

 

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