Bericht 09:  Ein Jagdwochenende der Superlative

Es war das zweite Wochenende im Januar, als mein Jagdkollege „Maik“ und ich schon früh am Morgen mit dem Auto losfuhren. Unsere Destination war Dessighofen im Bundesstaat Deutschland, dort erwartete uns bereits unser Freund der „Frank“ mit seiner netten Familie. Grund der Reise waren natürlich die Wildschweinjagd und die gute Küche der „Andrea“, Franks Frau!

Wir fuhren schon frühzeitig ab, und so waren gegen 14 Uhr bereits vor Ort. Bei der Ankunft gab es eine kurze Begrüßung, eine Tasse Kaffee und Kuchen. Anschließend wurden unsere Sachen ausgepackt und nach einer kurzen Lagebesprechung fuhren wir mit dem Gastgeber Frank  ins Revier um nach den Schweinen Ausschau zu halten. Frank war begeistert, denn zur Zeit konnte man überall die Schweine ausmachen, auch alle Kirrungen werden regelmäßig angenommen und die Chancen einen Abschuss tätigen zu können, waren noch nie so gut. 

Nachts bei Vollmond, war es glasklar aber auch bitterkalt. Tags hatten wir Temperaturen bei ca. 10  Grad minus, die aber nachts bis auf minus 17 absanken. So hieß es also warm anziehen und geduldig abwarten.

Wir waren schon öfters  beim Gastgeber Frank eingeladen und meine Kollege,  der Maik konnte hier schon mehrere Sauen erlegen. Egal ob beim  Ansitz oder bei der Treibjagd, die Schweine zogen immer in seiner Schussnähe  vorbei.

Um 19 Uhr bezogen wir also unsere Kanzeln. Der Maik bezog die Kanzel „Holländer“, der Frank saß bei der Kanzel „Stiefel“ und mir wurde der beste Platz an der Kanzel „Ginsterheck“ zugeteilt. Es lagen einige Zentimeter Schnee und die Sicht war traumhaft. Die Waffe gespannt , den Leuchtpunkt eingeschaltet, war ich guter Dinge und machte es mir im Ansitzsack gemütlich. Plötzlich knaxten Äste  im Dickicht, mein Puls fing zu rasen an.........., Fehlalarm!  Rehwild trat aus, und versuchte vergeblich an den Mais heranzukommen der unter den Klötzen vergraben war. Ich konnte den Anblick nur wenige Minuten genießen, doch dann verschwand das Rehwild wieder. Gemütlich lehnte ich mich wieder zurück und lauschte in die bittere kalte Nacht. Meine Augen wurden immer schwerer als mich plötzlich ein Kugelschlag und anschließend der Knall eines Schusses wachrüttelte. Wo war das? War es der Maik oder der Frank? Ungeduldig wartete ich auf ein SMS. Mein Handy vibrierte, Maik erkundigte sich, ob ich geschossen hatte.  Ich verneinte dies und sah schon ein SMS auf meinen Handy vom Frank: „Hallo mein Lieber Freund, habe soeben 2 Frischlinge die ganz alleine an die Kirrung kamen, mit einem Schuss  erlegen können, W.H. Frank“.

Trotz Kälte, einigten wir uns per SMS noch einige Zeit zu warten, vielleicht gelingt es den einen oder anderen noch eine Sau zu erlegen. Ich steckte mein Handy ein und lehnte mich wieder an das offenen Fenster. Auf einmal vernahm ich bei der Kirrung das Ziehen der Sauen. Langsam lehnte ich mich zurück und nahm mein Fernglas in die Hand. Alles ging Blitz schnell! Eine Bache mit 6 Frischlingen kam auf die offene Kirrung zu und machte sich sofort am Mais zu schaffen. Ich nahm mein Gewehr in den Anschlag, visierte einen Frischling, wollte schon meinen Fingen am Direktabzug meiner Merkel krümmen aber bevor der Schuss  brach,  schob sich ein zweiter Frischling genau vor den anderen den ich schon im Visier hatte. Den Leuchtpunkt genau hinterm Blatt, wartete ich nun auf den passenden Augenblick und drückte ab. Im Zielfernrohr sah ich alle zwei Sauen im Feuer liegen und schlegeln. Mit einem Freudenschrei verließ ich die Kanzel und ging zu den zwei verendeten Sauen, die ich mit einem Schuss erlegt hatte. Ihr könnt Euch ja vorstellen,  wie groß unsere Freude war, bereit am ersten Jagdtag vier Sauen mit 2 Schüssen erlegt zu haben. Dementsprechend haben wir diesen Erfolg auch bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

 

Tag zwei der Auslandsjagd wurde mit einem üppigen Frühstück begonnen. Dann machten wir uns wieder auf den Weg ins Revier,  um nach den Kirrungen zu sehen. Wieder wurden fast alle angenommen. Ja sogar dort, wo wir unsere Sauen am Tag vorher erlegt hatten,  waren leer gefressen! Nur bei der Kanzel „Holländer“ wo der Maik am Tag vorher sahs, wurde  nicht angenommen! 

Nach einem guten Mittagessen sowie einer wohl verdienten "Siesta",  setzten wir uns erneut in die Küche und besprachen die Lage.  Heute müssen wir dem Maik zu einem Abschuss verhelfen, meinte der Gastgeber Frank und machte Ihm das Angebot eine Kanzel ganz nach seinem Belieben zu wählen. 

Um 19 Uhr ging's wieder voller Motivation los. Auch heute, bezogen wir wieder die selben Kanzeln wie am Tag vorher nur andersherum.  Ich bezog die Kanzel „Holländer „  und machte es mir wieder gemütlich.  Gegen 22 Uhr schickte ich dem Maik eine SMS ob er keine Munition dabei habe ich höre keinen Schuss!? „Ruhig Blut Vetter, die Sauen kommen schon noch“ antwortete er mir. Ja sie kamen wohl ein wenig später an die Kirrung.!! Aber wie es der Zufall so haben wollte, an meine! Es war eine sehr schwache Bache mit vier Frischlingen in Begleitung eines jungen Keilers. Ein Frischling viel mir sofort ins Auge. Gehörte wahrscheinlich nicht zu dieser Bache,  sondern lief nur mit. Als dieser kurz breit stand,  drückte ich Ihm meine 10 Gramm Kugel genau auf das Blatt! Es war bereits 23 Uhr und wir beschlossen wieder nach Hause zu fahren.

Tag drei

Das Nachbarrevier (Staatswald) gab es an diesen Tag eine Drückjagd und so beschlossen wir entlang der  Reviergrenze zu bleiben. Immer wieder konnten wir vorbeiflüchtendes Wild und Treiber beobachten. Wir hatten uns so positioniert, dass wir Sichtkontakt hatten. Kurz vor dem Ende der Treibjagd kam noch ein Schmalreh genau auf mich zu. Bereits bevor es an mir vorbei wechselte, erkannte ich deutlich das Geschlecht. Ich fuhr mit und als ich einen guten Kugelfang hatte,  ließ ich der Kugel freien Lauf. Getroffen, rutschte das  Reh noch über den Weg ca. 50m den Hang hinunter. Aber mein kräftiger Vetter war sofort zur Stelle und half mir bei der Bergung.

Bevor wir uns über das von der Andrea vorbereitete Mittagessen her machten, mussten wir noch die Kirrungen kontrollieren. Schließlich wollten wir ja am Abend wieder Erfolg haben. Die Sauen hatten von den nächtlichen Ereignissen wohl Wind bekommen und so wurden nur noch einige Kirrungen angenommen. An der Kirrung "Stiefel“ jedoch war alles platt. Dort wütete laut unserem Sauenexperte Frank eine Rotte von mindestens 15 Sauen,  welche sich seiner Meinung nach auch dort morgens in die Dickung wechselte.  Eines stand schon mal fest, der Maik muss auf diese Kanzel!!

Gegen 14 Uhr gingen wir zum Mittagessen und vielleicht war das viele Bier schuld, dass wir beinahe den Ansitz  verschlafen hätten. Wir fuhren sofort ins Revier, Frank bezog den ersten Hochsitz und überließ mir zur Weiterfahrt den Geländewagen.  Bereits beim anfahren,  konnte ich ein Wildschein an einer Kirrung sehen, aber geglaubt hatte es mir niemand und meine Kollegen scherzten noch hinterher, bis es mir Frank bestätigte, der die Sau ebenfalls gesehen hatte. Nun musste ich den Kollege Maik abladen und wünschte ihm noch ein Weidmannsheil mit einigen Scherzen die ich hinterher rief. Ich sah noch wie er die Leiter hochstieg während ich weiterfuhr.  Ganz unten im Revier, oberhalb vom Rhein, stand meine Destination. Die Kanzel mit dem passenden Namen: “Scheißhaus“ . Dort angekommen schulterte ich meinen Rucksack, die entladene Waffe und machte mich leise Richtung Hochsitz. Als ich schon fast dort war,  verschlug es mir beinahe den Atem, mein Herz fing zu rasen an,  als ich an der Kirrung das schmatzen der Sauen vernahm, die durch das Grunsen und Schreien (Zanken) meine Anwesenheit noch nicht gemerkt hatten. Ich legte den Rucksack ab und wühlte nach Munition. Leise kippte ich meine BBF, lud die Waffe und machte mir den Leuchtpunkt an. Das darf doch nicht war sein,  dachte ich mir. Auf die Kanzel komme ich nie im Leben, die Schweine würden mich sofort winden, ausserdem schien mir das Licht vom Vollmond gerade ins Gesicht.   Leise umging ich die Kanzel mit dem Blick Richtung Kirrung.  Ja die Sauen waren immer noch da! Langsam und leise schmiegte ich mich an eine dicke Buche,  nahm das Fernglas in die Hand und konnte drei Sauen, alle die selbe Größe erkennen.

Wo war wohl die Bache,  dachte ich kurz als ich bereits mit dem Leuchtpunkt einen Frischling anvisierte. Das Gewehr fest umklammert, die Schulter an die dicke Buche gelehnt, versuchte ich bei 10 Grad minus nicht zu zittern, denn die wärmende Jacke war noch auf den Rucksack gebunden. Als die Sau breit stand,  brach der Schuss und hörte noch das flüchten der Sauen. Das einzige was ich wenig später vernahm war das klappern meiner Zähne. Plötzlich, rechts vor mir die Sauen! Es waren zwei Frischlinge die sich aus dem Staub  gemacht hatten.  Ich nahm mein Handy und informiere den Gastgeber Frank. Dieser war natürlich sprachlos von meinem Jagdglück. Er sagte: Setzt dich irgendwo hin, egal auf welche Kanzel und warte bis der  Maik eine Sau vor die Büchse bekommt. Erst mal nahm ich meine Jacke und die Handschuhe und lud die Sau in den Wagen. So, was nun dachte ich mir. Auf zur Kanzel „Ginsterheck“! Diese Kanzel befand sich in unmittelbarer Nähe vom Maik.  Den Geländewagen habe ich direkt unter meiner Kanzel geparkt. Ich saß dort eine halbe Stunde als es bereits im Gebüsch knaxte. Es war aber wieder Rehwild, welche versuchten bei der Kirrung Futter zu finden. Es wurde wieder still als ich eine Stimme vernahm die ich nicht zuordnen konnte, es war eine Wildkatze die vorbeizog. Inzwischen ist es 22 Uhr geworden, als mich der laute Knall eines Schusses aus den Träumen riss. Wenig später die erfreuliche Meldung vom Frank:“ Linde, komm zu uns, der Maik  hat nun seine Sau erlegt“!

Beim Maik angekommen, funkelten seine Augen vor Freude wie zwei Schweinwerfer . Nach einigen Fotoaufnahmen fürs  Jagdalbum, ging's zurück in die warme Stube. Ich musste noch diese zwei Wurzis aufbrechen und ordnungsgemäß  säubern. In der Zwischenzeit erzählte der Maik von seinem Anblick. Bei super Lichtverhältnissen hatte er eine Rotte mit mehren Bachen und Frischlingen vor sich. Mindestens 15 Sauen aber bei seiner Erzählung  wurden es immer mehr und die Wildschweine immer größer. 

Ja, der dritte und Letzte Tag neigte sich dem Ende zu. Als wir noch um 3 Uhr morgens in der sehr netten geselligen Runde das Letzte Bierchen köpften, hingen in der Zelle eine unbeschreibliche und unvergessliche Strecke von 7 Sauen und einem Reh!

So Ihr Lieben und treuen Leser. Meine Finger sind bereits taub und mein Rücken schmerzt..., aber ich hoffe Euch nicht gelangweilt zu haben ,sondern Euch ein wunderbares Jagderlebnis mit erlebt gelassen zu haben.

Nochmals nachträglich dem Gastgeber Frank ein kräftiges Weidmannsheil, ein  großes Vergeltsgott für alles und der netten Gattin Andrea einen dicken Schmatz!

 1. Bericht und Foto: Lindner Christian  

                                                                                                                 

 

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